Stand: 18.04.2016 11:00 Uhr

Nachgefragt: Andreas Schaerer

Mit Hamburg verbindet Andreas Schaerer gute Erinnerungen: In der Hansestadt 2015 erhielt der Schweizer den ECHO Jazz als "Sänger des Jahres".

Mit den ungewöhnlichen Vokalsounds von Andreas Schaerer, seinem Percussion-Partner Lucas Niggli und Viktor Marek gemeinsam mit Sitarmeister Ashraf Sharif geht die Reihe TOXIC TUNES von NDR das neue werk im Resonanzraum St. Pauli in die dritte Runde. Im Gespräch mit Redakteur Richard Armbruster verrät der Stimmkünstler aus der Schweiz, welche musikalischen Einflüsse ihn geprägt haben.

Andreas, wenn Du singst, machst Du oft ziemlich ungewöhnliche Sounds mit Deiner Stimme. Wo kommen diese Klänge her? Sind sie eingeübt oder eher ein spontaner Ausdruck ?

Andreas Schaerer: Ich denke, das ist ganz ähnlich wie bei jedem Instrumentalisten. Über die Jahre habe ich an verschiedenen Sounds geforscht, mit dem Ziel, einen möglichst großen Pool an intuitiv ansteuerbaren Klängen zu generieren. Oft habe ich mich dabei vom Spiel meiner Mitmusiker inspirieren lassen, habe zum Beispiel Blechbläser versucht zu imitieren ...

Wo bist Du mit Deiner Aufmerksamkeit beim Erzeugen der Sounds und beim Singen? Bist Du ein Typ, der nach Innen schaut und fühlt, beziehungsweise hört, oder hörst du eher nach außen, oder gar beides?

Schaerer: Auf der Bühne bin ich manchmal ganz in mich gekehrt und "versinke" in diesen Klangwelten, manchmal fühle ich aber auch eine starke Verbindung zum Publikum und performe eher nach außen, suche den direkten Dialog mit dem Publikum.

Welchen Zusammenhang siehst Du zwischen Deiner musikalischen Konditionierung und Deinem künstlerischem Output? Welche besonderen Prägungen fallen Dir ein?

Schaerer: Ich bin mit der Plattensammlung meiner Eltern aufgewachsen. Bands wie die Beatles oder Pink Floyd aus den 1960er- und 1970er-Jahren waren für meine Kinder und frühen Teenager Jahre prägend, dann in den 1990er-Jahren habe ich natürlich einige Nächte zu elektronischer Musik durchgetanzt, habe Künstler wie Aphex Twin oder Roni Size entdeckt. Gleichzeitig habe ich angefangen, grooveorientierte Platten wie Herbie Hancock’s "Head Hunters" oder die elektronischen Platten von Miles Davis zu hören.

Erst mit Anfang 20 habe ich angefangen Jazz zu hören, dabei haben mich vor allem improvisierende Vokalisten interessiert. Al Jarreau, Bobby McFerrin, Leon Thomas, Ella Fitzgerald, Mark Murphy … Parallel dazu habe ich mich von frühen Kindesbeinen an immer sehr für jegliche Art von Geräuschen interessiert.