Stand: 12.03.2016 15:00 Uhr

Trauer um Lutz Büchner

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Lutz Büchner wurde 47 Jahre alt.

Der Saxofonist Lutz Büchner ist am 11. März während einer Japan-Tour der NDR Bigband im Alter von 47 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Es war ein großes Glück für die NDR Bigband, den Menschen und Musiker Lutz Büchner seit 22 Jahren in ihren Reihen zu haben. Er war ein grandioser, ein wahrhaft bedeutender Saxofonist mit einer unverkennbaren, einzigartigen Spielweise, die selbst dem ältesten und schon oft gehörten Jazzstandard immer wieder neue Seiten abgewinnen konnte. Vor allem aber brachte er auch seine Persönlichkeit in die Band ein: seinen Humor, sein ausgeglichenes Temperament und sein großes Interesse an allen Dingen des Lebens, das weit über die Musik hinaus reichte. Lutz Büchner war ein echter Teamplayer, vor und hinter den Kulissen.

Knuth: "Er lebte leidenschaftlich für und mit Musik"

Interview

Jazz ist spielerischer Umgang mit Musik

Saxofonist Lutz Büchner war von 1994 bis zu seinem plötzlichen Tod 2016 festes Mitglied der NDR Bigband. Im Interview spricht von seiner grossen Leidenschaft: dem Jazz. mehr

Joachim Knuth, NDR Programmdirektor Hörfunk: "Die Nachricht vom Tod Lutz Büchners macht mich sehr betroffen. Ich habe ihn als einen liebenswürdigen Menschen erlebt, der leidenschaftlich mit und für Musik lebte. Lutz Büchner hatte den Jazz im Blut. Er liebte den spielerischen Umgang mit der Musik, die Improvisation. Der Tod dieses beeindruckenden Saxofonisten ist für die NDR Bigband, für den NDR, ein großer Verlust. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei der Familie und den Freunden Lutz Büchners."

Fasziniert von Miles Davis

Lutz Büchner wurde am 5. August 1968 in Bremen geboren. Er interessierte sich schon früh für Musik, bekam klassischen Klarinettenunterricht und entdeckte als Teenager nach einem Konzertbesuch den Jazz. Als er den Trompeter Miles Davis hörte, faszinierte ihn die Möglichkeit, sich auch jenseits der geschrieben Noten auf eine ganz persönliche Weise ausdrücken zu können. Dieser improvisierten, sich immer neu erfindenden Musik wollte er sich widmen.

Lutz Büchner kam nach Hamburg und studierte Saxofon bei Herb Geller, dem damals bekanntesten Solisten der NDR Bigband. Schon bald spielte er dort im Saxofonsatz - zunächst als Gast, seit 1994 als festes Mitglied. In den Mittelpunkt zog es ihn, den eher besonnen Menschen, dabei nicht so sehr. Aber wenn das Scheinwerferlicht auf ihn zeigte und er zum Solo ansetzte, dann entwickelte sein Spiel eine ganz besondere Wirkung: Mit geschlossenen Augen stand er da, die Töne flossen ebenso überraschend wie logisch aus seinem Instrument, sein ganzer Körper schien sich dabei in Musik zu verwandeln.

In seinem Spiel steckte besondere Tiefe

Viele Gäste der NDR Bigband haben ihn und sein Spiel so erlebt und geschätzt: Jazzgrößen wie Al Jarreau, Bobby McFerrin, João Bosco, Omar Sosa oder Abdullah Ibrahim genossen es, wenn Lutz Büchner neben ihnen spielte. Der Amerikaner Dale Wilson widmete ihm und seinem Saxofon-Kollegen Fiete Felsch eine ganze Big-Band-Suite, und die Komponistin Maria Schneider wollte ihn nach einem Besuch bei der NDR Bigband am liebsten gleich nach New York mitnehmen. Es waren nicht nur seine technischen Fertigkeiten und seine nahezu grenzenlosen Ausdrucksmöglichkeiten, mit denen Lutz Büchner so begeisterte. In seinem Spiel steckte eine besondere Tiefe. "Es ist sein Sound", sagte Maria Schneider einmal, "Lutz berührt mich."

Solistische Höhenflüge und zarte Lyrik

In der Improvisation spiegelt sich ja immer der ganze Mensch. So konnte Lutz Büchner auf dem Tenorsaxofon unendlich packend, mitreißend und kraftvoll spielen. Unvergessen ist sein solistischer Höhenflug in der Duke-Ellington-Hommage "Diminuendo, crescendo and crescendissimo in blue", in der er minutenlang ein loderndes Feuer immer neu entfachte, bis die Zuschauer bei einem Auftritt der NDR Bigband in New York am Schluss buchstäblich aus den Sitzen gerissen wurden. Seine andere, lyrische Seite war besonders stark auf der Klarinette zu hören, auf der er zu den außergewöhnlichsten Stimmen des modernen Jazz zählte, vielleicht sogar weltweit. Intim und zart, wie gehaucht schwebten die Töne in die Luft, jeder von ihnen hatte Bedeutung.

Nicht nur in der NDR Bigband, auch in eigenen Formationen waren sein ausgeprägtes Spiel und seine ausgefeilten Kompositionen zu hören. Mit seinem Quartett (mit Sandra Hempel, Heinz Lichius und Pepe Berns) trat Lutz Büchner 2005 bei den 2. Hamburger Jazztagen in der Kampnagel-Fabrik auf. Im selben Jahr entstand mit dem Trio Connex (mit Björn Lücker und Philipp Steen) ein gleichnamiges Album, und 2006 erschien seine vielbeachtete, von der Kritik hochgelobte CD "Ring".

"Mein Ziel ist es", hat Lutz Büchner einmal gesagt, "ganz im Moment zu spielen." Wir verdanken ihm viele unvergessliche Momente. Mit ihm verlieren wir einen lieben Menschen, einen großen Künstler und einen wunderbaren Kollegen.

Stefan Gerdes
Redaktion NDR Bigband/Jazzredaktion