"Nicht gedacht, dass ich noch soviel Neues lerne"

Ingmar Heller schätzt Kontrabass und E-Bass gleichermaßen und freut sich, dass er bei der NDR Bigband beides spielen kann.

Bevor Sie 2009 festes Mitglied der NDR Bigband wurden, haben Sie über 25 Jahre lang als Freelancer Ihr Geld verdient. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert?

Ingmar Heller: Da hat sich ziemlich viel verändert! Neben den vielen einzelnen Gigs, bei denen jemand für ein Konzert eine Besetzung zusammenstellte, habe ich in verschiedenen festen Bands gespielt, die mehrmals im Jahr für Produktionen und Tourneen zusammengekommen sind. Mit der NDR Bigband ist das insofern ganz anders, als dass wir kontinuierlich die verschiedensten Programme mit den verschiedensten Gastmusikern erarbeiten und aufführen, beziehungsweise aufnehmen, quasi jede Woche etwas total anderes.

Biografisches in Kürze

Jahrgang 1967, aufgewachsen im westfälischen Hohenlimburg. Lebt heute in Hamburg und Köln.

Instrumente: Kontrabass, E-Bass

Ab 1986 Studium an der Musikhochschule in Köln. Arbeitete über 25 Jahre als Freelancer, ist auf über 70 CDs vertreten, spielte mit Johnny Griffin, Ack van Rooyen, Bob Brookmeyer, Mel Lewis, Charlie Mariano, Peter Herbolzheimers, Bob Mintzer und vielen weiteren. Außerhalb der NDR Bigband spielt er regelmäßig in Bands mit seinem Bruder, dem WDR Big Band-Saxofonisten Paul Heller, der Sängerin Fay Claassen, dem Pianisten Olaf Polziehn und mit der Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai.

Seit 2009 ist er festes Mitglied in der NDR Bigband.

Mussten Sie als "Neuer" in der NDR Bigband durch eine Feuerprobe?

Heller: Nein, eine Feuerprobe gab es nicht. Wenn man als Musiker eine so feste Bindung mit einer Band eingeht, ist es sehr wichtig, dass die Chemie stimmt - musikalisch und persönlich. Viele der Bandkollegen kenne ich schon sehr lange aus den unterschiedlichsten musikalischen Zusammenhängen, das geht teilweise zurück bis 1984. Da fühlt man sich schnell zu Hause.

Was schätzen Sie an der Arbeit in der NDR Bigband?

Heller: Da gibt es vieles. Ich finde es unheimlich inspirierend, mit ein und derselben Band so unterschiedliche Musik zu spielen. Fast jede Woche findet eine andere Produktion statt, mit immer wieder neuem Material, das exklusiv für uns geschrieben wurde.

Auch die Tatsache, dass wir keinen festen Schlagzeuger haben, sondern dass sich die tollsten Drummer hier sozusagen die Klinke in die Hand geben, finde ich total spannend. Dadurch hatte ich die Gelegenheit, mit legendären Drummern zu arbeiten, die ich von zig Aufnahmen kenne und die ich sehr bewundere, wie zum Beispiel Steve Gadd, Alex Acuna oder Horacio "El Negro" Hernandez, und das ist toll!

Seit ich hier angefangen habe, habe ich sehr viel dazu gelernt. Ich hätte nicht gedacht, dass das in meinem Alter überhaupt noch möglich ist!

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Ingmar Heller - Elektrisch oder konträr?

In der NDR Bigband spielt er beides, E-Bass und Kontrabass. Wie gelingt es ihm, die Spielweise - eben so, dann so - umzuschalten? Welches Instrument liegt ihm mehr? Audio (00:41 min)

Was liegt Ihnen eher: Studio oder Bühne?

Heller: Beides gehört zusammen. Wenn ein Projekt in konzentrierter Studioatmosphäre gut vorbereitet ist, kann sich die Energie auf der Bühne immer besser entwickeln. Ich habe auch bei der Studioarbeit hier im NDR noch einmal viel dazugelernt. Als Freelancer habe ich zwar mittlerweile über 50 CDs eingespielt, aber in so geballter Folge wie hier, hatte ich vorher nie aufgenommen.

Empfinden Sie den häufigen Wechsel zwischen E-Bass und Kontrabass hin und wieder auch als Belastung?

Heller: Nein, es ist vielmehr eine Herausforderung, die man als Musiker ohnehin immer wieder suchen will. Bei Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass habe ich auch schon immer beide Instrumente gespielt. Ansonsten war ich aber hauptsächlich als Kontrabassist unterwegs, deshalb freue ich mich sehr darüber, in der NDR Bigband wieder regelmäßig E-Bass spielen zu können.

Das Interview führte Jessica Schlage (2011).