Stand: 16.09.2016 11:00 Uhr

Frisch und innovativ: Chefdirigent Geir Lysne

Er steht für neue Dimensionen im Bigband-Genre: der 1965 im norwegischen Trondheim geborene Geir Lysne.

Geir Lysne ist ein freundlicher Mensch, entspannt und aufmerksam, es ist leicht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Doch man sollte sich nicht täuschen: Was seine Musik angeht, ist der Saxofonist, Komponist und Bandleader ein Getriebener, ein manischer Arbeiter und Sturkopf, der sich bei all seiner Offenherzigkeit nicht von den hohen Ansprüchen abbringen lässt, die er an seine Arbeit stellt. Seit der Spielzeit 2016/17 steht Lysne für - zunächst - drei Jahre der NDR Bigband als neuer Chefdirigent vor. Und wer Lysne kennt, ahnt, dass das etwas anderes bedeutet als "weiter so".

Lustvoll und groovy zwischen traditionell und experimentell

Interview

"Ich will eine Plattform schaffen"

Sie kennen sich seit vielen Jahren: Geir Lysne und die NDR Bigband. Im Gespräch verraten der neue Chefdirigent und der Manager der NDR Bigband Axel Dürr, wie ihre Zusammenarbeit aussehen wird. mehr

Als Geir Lysne beim Berliner Jazzfest 2001 sein Listening Ensemble vorstellte, spitzte die Fachwelt die Ohren. So lustvoll und ausdrucksstark, so farbenfroh und frei von Scheuklappen, so frisch und mitreißend groovy hatte man lange keine Bigband mehr erlebt. Fortan war Lysne gefragt als ein freischaffender Arrangeur und Bandleader, dem man zutraute, zwischen Jazz und Klassik, traditioneller und experimenteller Musik Aufsehen erregende Produktionen zu realisieren, die dem Bigband-Genre neue Dimensionen öffnen, ohne die Tradition mit Füßen zu treten.

Die Liste seiner Kooperationspartner wuchs schnell, neben Jazz-Bigbands wie derjenigen des NDR, des Hessischen Rundfunk und des Dänischen Radios, zählen auch hoch ambitionierte klassische Ensembles dazu wie die fünf Orchester der norwegischen Streitkräfte oder das Bläserensemble Norwegian Wind.

Aufbruch zu neuen Ufern

In seiner neuen Funktion hat Lysne alle weiteren Engagements auf Eis gelegt, um seine volle Energie der NDR Bigband zu widmen. An diese Konsequenz müssen sich die Musiker der Band nun gewöhnen, denn Lysne wünscht sich den Aufbruch: gemeinsam. Einerseits möchte er den besonderen Charakter der NDR Bigband als einer Solistenband weiterentwickeln, die ihre großen Momente dann hat, wenn die Leidenschaft der ausgezeichneten Solisten in der Band zum Tragen kommt.

Andererseits ist dafür ein Prozess der kollektiven Selbstvergewisserung notwendig, dessen Inhalte nicht von oben herab verkündet werden können. Jedes einzelne Bandmitglied muss in diesem Prozess seine persönlichen Vorlieben, Wünsche und Leidenschaften einbringen, und jedes einzelne Bandmitglied muss dabei Gehör finden.

Moderieren statt dirigieren

So soll die Band die Komfortzone namens Routine hinter sich lassen und einen neuen dynamischen Team- und Aufbruchsgeist entwickeln. Wer sich auf den Weg macht, sollte zunächst seinen Kompass einstellen, so sieht es zumindest Lysne, und dass die NDR Bigband das Ziel verfolgt, sich von einer sehr guten Band zu einer wirklich außergewöhnlichen Spitzenband zu entwickeln, das setzt er voraus.

Ansonsten sieht Lysne sich selbst in diesem Prozess eher als Moderator und weniger als Dirigent im Sinne von Wegweiser. Wahrscheinlich ist die Mischung aus Gelassenheit und Entschlossenheit, die der freundliche Bandleader ausstrahlt, dafür die notwendige Voraussetzung.