Stand: 27.11.2017 12:23 Uhr

Preis für Ehrenamt: Alle Projekte im Überblick

Jedes Jahr werden Preise in elf verschiedenen Kategorien beim Niedersachsenpreis für Bürgerengagement vergeben - jeweils mit 3.000 Euro dotiert. Zehn Preisträger wurden bereits von einer Jury ausgewählt - den elften Preis vergeben die Hörer von NDR 1 Niedersachsen. Folgende sechs Bewerber stehen zur Wahl.

First Responder Holle

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Schneller als der Rettungsdienst: Die First-Responder Holle.

Als erste Freiwillige Feuerwehr im Landkreis Hildesheim hat Luttrum eine "First-Responder-Einheit" gegründet. Wenn es in dem 360-Seelen-Dorf einen Notfall gibt, sind die Kameraden innerhalb von fünf Minuten vor Ort. Damit sind sie oft deutlich früher da, als der Rettungsdienst, der eine Anfahrtszeit von bis zu 15 Minuten hat. Die Luttrumer Ersthelfer können den Patienten beruhigen, erste Maßnahmen einleiten. Dafür haben die Ehrenamtlichen aus eigener Tasche zwei Notfallrucksäcke und einen Defibrillator gekauft. Zudem haben sich die Helfer in gut 100 Stunden zu Sanitätern ausbilden lassen. Das Projekt macht sogar Schule: Etliche Orte im Landkreis Hildesheim bilden mittlerweile Retter aus.

Landesverband der Pflege- und Adoptivdamilien aus Hannover

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7.000 Pflegekinder gibt es allein in Niedersachsen. Nevim Krüger macht für sie und die Familien Lobbyarbeit.

Kinder in Pflegefamilien werden kaum beachtet, sagt Nevim Krüger, sie ist im Vorstand des Landesverbands der Pflege- und Adoptivfamilien in Niedersachen. Die Mitglieder von "Pfad" begleiten Pflegeeltern zu Terminen mit dem Jugendamt und vermitteln, wenn es Probleme gibt. Außerdem beraten sie Paare, die überlegen, ein Kind bei sich aufzunehmen. Das sei schließlich ein 24-Stunden-Job, erklärt Krüger. Die Kinder hätten in der Regel schon vieles erlebt und überlebt. Das hinterlasse Spuren. Der Verein vertritt aber auch die Interessen von Pflege- und Adoptiveltern gegenüber der Politik. Das Preisgeld könne der Verein gut gebrauchen, sagt Krüger. Sie will Mitgliedsfamilien ein Wochenende in der Südheide ermöglichen. Ein persönlicher Wunsch sei es aber, Schulen mit Fachliteratur auszustatten, um den Umgang mit betroffenen Schülern zu erleichtern.

Boxtrainer Richard Biemann aus Bad Bevensen

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Bei Richard „Ritschi“ Biemann darf jeder mittrainieren – der passionierte Boxer will über den Sport Menschen zusammenbringen.

Richard "Ritschi" Biemann ist ehrenamtlicher Boxtrainer in Bad Bevensen und Lüneburg. Bei ihm kann jeder mitmachen, der sich austoben will. Sein jüngster Schüler ist 16 Jahre alt, sein ältester fast 90. Und es kann durchaus sein, dass er beide zusammen in den Ring schickt. Denn bei Biemann kommt es nicht darauf an, dass sich die Sportler prügeln, sondern dass sie gemeinsam Spaß haben und fit bleiben. Deshalb freut es Biemann besonders, wenn Jugendliche sich in seinem Training austoben, anstatt sich auf der Straße zu prügeln. Auch die Trainingsgeräte stellt der Boxtrainer privat zur Verfügung. Aber über die Jahre hat das Equipment gelitten. Von dem Preisgeld würde er deshalb neue Medizinbälle, Sandsäcke und Boxhandschuhe für seine Schüler kaufen.

Judotrainer Blau-Weiss Hollage

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Tim Trappe (Mitte): "Mehr Verantwortung stärkt das Selbstbewusstsein."

Akuter Trainermangel führte 2002 fast zum Aus der Judoabteilung in Hollage. Kurzerhand übernahmen zwei 15- und 17-Jährige die Aufgabe. Sie opferten ihre Freizeit und retteten so den Judosport im Verein - ehrenamtlich. Um nie wieder in eine ähnliche Situation zu kommen, wurden gleichzeitig judobegeisterte Kinder zwischen 12 und 14 Jahren zu Assistenz-Trainern ausgebildet. Bis heute lebt der Verein Blau-Weiss Hollage dieses Konzept und steht längst auf festen Beinen - mit rund 200 aktiven Mitgliedern, einem Stamm von 15 erwachsenen Trainern und zahlreichen weiteren Assistenz-Trainern. Tim Trappe war einer der Jugendlichen, der 2002 den Stein ins Rollen gebracht hat. Seiner Meinung nach sollten viel mehr Vereine Jugendlichen früh Verantwortung übergeben. Das stärke das Selbstbewusstsein der Kinder und habe auch ihm damals gut getan. Mit dem Preisgeld würde der Verein gerne ein großes Fest für die Kinder und Jugendlichen ausrichten, um ihnen für ihr ehrenamtliches Engagement zu danken.

Naturwissenschaftskurse für Kinder mit Hans-Jürgen Frerichs aus Oldenburg

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Das NAWI-Haus holt die Sterne herunter: Hier beobachtet der Astronomie-Kurs, wie die Venus vor der Sonne vorbeizieht.

Hans-Jürgen Frerichs arbeitet seit fast 20 Jahren ehrenamtlich beim Naturwissenschaftlichen Jugendhaus in Oldenburg. In verschiedenen Kursen werden Kinder im NAWI-Haus zu Tüftlern und Ingenieuren. Sie bauen umweltfreundliche Raketen, lernen Mikroprozessoren zu programmieren oder untersuchen Kleinstlebewesen aus dem Gartenteich unter dem Mikroskop. So lernen die Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse spielerisch mehr über Biologie, Elektronik oder Astronomie. Kursleiter Frerichs will den jungen Teilnehmern zeigen, dass Naturwissenschaften mehr sind als angestaubte Theorie. Die neu erlernten Fähigkeiten, sagt er, stärkten außerdem das Selbstbewusstsein der Kinder.

Greif- und Eulenstation Rüdershausen

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Friedrich-Karl Schöttelndreier ist Tierretter aus Leidenschaft.

Seit 40 Jahren leitet Friedrich-Karl Schöttelndreier die NABU-Greif-und Eulenstation in Rüdershausen. In seinem großen Garten hat er mehrere Schuppen und eine große Scheune zu komfortablen Volieren umgebaut.  Sein erster Schützling vor 40 Jahren war ein Turmfalke, der mit einem verletzten Flügel bei ihm abgegeben wurde. Schöttelndreier nahm insgesamt fast 2000 Eulen und Greifvögel auf: Bussarde, Falken und Schleiereulen. Diejenigen, die gemeinsam mit Tierärzten zurück auf die Beine kamen, wilderte er anschließend wieder aus. Außerdem rief er ein Steinkauzprojekt ins Leben, in dem er die seltenen Tiere zur Arterhaltung züchtete. Prominentester Gast in der der Greif-und Eulenstation war Fee, eine junge Störchin. Schöttelndreier setzte sich dafür ein, dass sie eine Prothese erhielt, nachdem ihr Bein amputiert werden musste. Fee starb später an einer Ballenentzündung, was den Tierfreund sehr mitnahm. Schöttelndreier geht außerdem mit seinem zahmen Wüstenbussard in Kindergärten und Schulklassen, um schon die Kleinsten für den Naturschutz zu begeistern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 28.11.2017 | 06:40 Uhr