Stand: 05.12.2015 11:57 Uhr

61 Minuten Sex? Jan Winter klärt via YouTube auf

von Thomas Hans

Jan Winter ist ein gefragter Mann: Im Internet werden seine YouTube-Videos gleich millionenfach geklickt. Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen lädt den 35-Jährigen wohl auch deshalb zu ihrer Jahrestagung als Referent ein. Der Sexualpädagoge betreibt zusammen mit einer Komoderatorin Aufklärung - und zwar im Internet und eben mit ziemlich großem Erfolg. Im Hannover Congress Centrum hat Winter diese Woche anderen Experten von seiner täglichen Arbeit und seinen Erfahrungen berichtet.

Youtuber Jan Winter schaut in die Kamera. © NDR Fotograf: Thomas Hans

"Ein Porno ist wie ein Actionfilm"

Sexualpädagoge Jan Winter klärt junge Menschen via YouTube auf. Zusammen mit seiner Komoderatorin spricht er in Videos über Sexualpraktiken, Verhütung und Fragen zum eigenen Körper.

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Statt eines Buchs einen YouTube-Kanal angefangen

Entstanden ist die Idee von Jan Winter, der im wahren Leben einen anderen Namen trägt, bereits vor fünf Jahren. "Ich wollte ein Buch schreiben, damit Männer einfach besser aufgeklärt sind und besser mit den Frauen zurechtkommen", sagt Winter. Doch dann habe er gemerkt, dass schon viele Bücher zu diesem Thema existierten. Aber: Im Internet habe es noch nichts Vergleichbares gegeben. Deshalb sei er auf die Idee gekommen, einfach Videos zu produzieren. Schließlich seien dort auch die Jugendlichen zu finden, sagt Winter, der ausgebildeter Sexualpädagoge und Physiotherapeut ist.

"Viele kennen ihren eigenen Körper nicht wirklich"

Winters YouTube-Kanal trägt den Namen "61 Minuten Sex". So hätte auch sein Buch heißen sollen, erklärt Winter. Der Titel mache einfach neugierig und klinge auch ein bisschen wie ein Versprechen. "Anfangs habe ich immer gedacht, dass Zufrühkommen bei Männern das größte Problem ist", so Winter weiter. Doch es sei ihm dann klar geworden, dass es bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen schlichtweg an Basiswissen fehle - zum Beispiel, was den eigenen Körper oder das Thema Verhütung betrifft. Die Themen der Videos wählt Winter nach den Wünschen der Nutzer des YouTube-Kanals aus. Sie schreiben in den Kommentaren, was sie genau als Nächstes wissen wollen.

YouTuber als Vollzeit-Job

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Gemeinsam als Aufklärer vor der Kamera: Gianna Chanel und Jan Winter.

Jan Winter kann inzwischen von seinem Beruf als YouTuber leben, die Arbeit finanziert sich durch Werbung. Mit seiner Kollegin veröffentlicht Winter jede Woche mehrere Videos. Für den Kanal hat er sogar eine eigene Firma gegründet, die ihren Sitz in Köln hat. "Natürlich versuchen wir, über bestimmte Begriffe und Vorschaubilder die User zu locken", räumt Winter ein. Aber: Bestimmt sei dann auch der eine oder andere darunter, der sich das Video anschaut, dann doch dabei bleibt und am Ende vielleicht sogar ein bisschen schlauer ist als vorher. Winter produziert auch Videos im Auftrag eines Sexspielzeug-Versandhandels. Diese Videos hätten mit "61 Minuten Sex" aber nichts zu tun, der Versandhändler veröffentliche sie auf einem eigenen Kanal.

Folgen des Porno-Konsums werden überschätzt

In den Medien sei oft die Rede davon, dass Jugendliche wegen des Internets heutzutage viel früher Sex hätten, sagt Winter. Doch schaue man sich repräsentative Studien - zum Beispiel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - im Detail an, dann zeichne sich ein anderes Bild. "Ja, die Jugendlichen haben heute vielleicht 0,4 Jahre früher Sex als noch vor 20 Jahren", sagt Winter. Aber: Insgesamt habe sich eben auch die Gesellschaft gewandelt. Somit könne man nicht einfach sagen, dass die Gründe dafür das "böse Internet", Pornos und unser Umgang damit sind. Trotzdem warnt Winter: Es sei eine große Gefahr, die Jugendlichen bei der Aufklärung allein zu lassen - vor allem die, die kein gefestigtes soziales Umfeld haben. Wer aber Rückhalt in der Familie und bei Freunden genießt, der werde sich in der Pornowelt auch nicht so schnell verlieren. Das sei, sagt Winter, mit Pornos genauso wie mit Drogen.

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