Stand: 03.05.2012 06:00 Uhr  | Archiv

Netzwelten: Wahlkampf im Web 2.0

Von Nils Kinkel, NDR Info

Torsten Albig hat 5.000 Freunde auf Facebook, sein letzter Eintrag ist zwei Wochen alt. Auf Twitter verzichtet er genauso wie Jost de Jager. Der schleswig-holsteinische Landtagswahlkampf im Web 2.0 sei sterbenslangweilig, meint "Wahlbeobachter" und Blogger Martin Fuchs: "Grundsätzlich ist Schleswig Holstein weiter Entwicklungsland in Sachen Socialmedia. Coole Ideen und Konzepte wurden da nicht aufgegriffen." Von außen betrachtet, so Fuchs weiter, habe er den Eindruck, dass die schleswig-holsteinischen Parteien im Internet Wahlkampf machen wie im Jahr 1995.

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"Es geht nicht mehr um eine Einweg-Kommunikation"

US-Präsident Barack Obama macht auch gerade wieder Wahlkampf in Amerika. 15 Millionen Menschen folgen seinen Nachrichten auf Twitter, 26 Millionen auf Facebook. Dort teilen die Anhänger ihre gemeinsamen Interessen, erklärt Gunnar Bender, Director Public Policy bei Facebook: "Ich glaube, nie war der Bürgerdialog so einfach wie heute. Es geht nicht mehr um eine Einweg-Kommunikation. Das ist möglichweise etwas, was Politiker heute noch nicht so begriffen haben: dass man einfach die Möglichkeiten hat Bürgern Fragen zu stellen, aber dann auch Antworten parat haben muss."

Bei konservativen Politikern setzt Umdenken ein

Wie einfach Nichtwähler zu mobilisieren sind zeigen gerade die Piraten. Durch ihren Erfolg entdecken jetzt auch immer mehr konservative Politiker das Internet und lassen ihre E-Mails nicht mehr ausdrucken. Der Bundestagsabgeordnete Peter Tauber ist Spitzenreiter in der Twitter-Tabelle der CDU. Mehr als 5.000 Kurznachrichten, sogenannte Tweets, hat er schon verschickt: "Man trifft die Bürger in Fußgängerzonen, im Festzelt, aber auch auf Twitter und Facebook", begründet der Politiker sein Socialmedia-Engagement.

Mit dem Handy alleine ist noch kein Wahlkampf zu gewinnen. Allerdings verändert die Technik auch die Meinungen im Bundestag. Die Abgeordneten sitzen dort nicht mehr abgeschnitten von der Außenwelt: "Politiker neigen natürlich dazu, die großen Überschriften der Zeitung zu nehmen und zu sagen, das ist jetzt offenbar das, worüber die Republik redet. Meine Erfahrung ist, dass Menschen oft ganz andere Themen umtreiben. Und das kriegt man über Socialmedia ganz gut mit."

Provokation wird mit Pöbeleien beantwortet

Was früher faule Eier auf Wahlkampfveranstaltungen waren, ist heute ein sogenannter Shitstorm. Wer im Netz provoziert, wird im Netz auch angepöbelt. Trotz wüster Beleidigungen antwortet CDU-Politiker Tauber aber seinen Kritikern. Allerdings sei dort nicht jede Debatte in 140 Zeichen zu lösen. Manche Dinge beantworte er dann eben nicht, weil er erst einmal darüber nachdenken müsse. "Ich habe auch schon Debatten beendet und gesagt: Geben sie mir ihre Telefonnummer, wir telefonieren jetzt lieber darüber. Das wird mir zu kompliziert", so Tauber.

An Socialmedia kommt niemand vorbei

Weil Politik so kompliziert ist, wird auch in Zukunft in sozialen Netzwerken eher über die Fußball-Europameisterschaft oder das schöne Wetter diskutiert. Trotzdem müssen auch die Politiker in Schleswig Holstein die wenigen Interessierten im Internet ansprechen, glaubt Blogger Fuchs: "Es ist immer eine begrenzte Elite die Politik macht, die sich beteiligt, die quasi Input gibt, die Rückkanal ist für Politiker. Und das sind auch die Leute, die im Freundeskreis gefragt werden: 'Was soll ich denn wählen?'"

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.05.2012 | 08:08 Uhr

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