Stand: 16.02.2013 15:52 Uhr  | Archiv

Kurz und knackig: Politik per Twitter

von André Klohn
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Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner ist eifriger Twitter-Nutzer.

US-Präsident Barack Obama tut es, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) auch und Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner sowieso: Weltweit setzen immer mehr Politiker ihre Inhalte mit maximal 140 Zeichen ab - per Twitter. Stegner zählt im Norden zu den eifrigsten Nutzern des sozialen Netzwerks. Und schon mehr als 13.000 Menschen verfolgen seine Kurznachrichten. So viele Follower hat kein anderer Politiker aus Schleswig-Holstein.

Doch zwischen Nord- und Ostsee gibt es auch echte Twitter-Muffel: So "zwitschert" keiner der drei SSW-Abgeordneten in Kiel Nachrichten. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) nicht. "Die sind trotzdem alle glücklich in ihrem Leben", kommentiert SSW-Sprecher Per Dittrich lakonisch. Er selbst habe allerdings einen Twitter-Account. Besonders aktiv ist beispielsweise der CDU-Kreisverband Segeberg. Fast 600 Tweets haben die Christdemokraten dort bereits verbreitet und es so auf immerhin mehr als 700 Follower gebracht. Politiker schreiben aber längst nicht immer nur politische Statements, oft erfährt man als Leser auch etwas Privates. Das kann etwa die große Freude über die Geburt eines Kindes sein, oder auch ein lustiges Erlebnis.

  • Das "zwitschern" Landespolitiker aus Kiel:

    Grünen-Landeschefin Marlene Löhr am 31.1.2013: "Da hält man sich brav an die Geschwindigkeitsbegrenzung und auf einmal saust der Innenminister an einem vorbei. ;)"

  • Das "zwitschern" Landespolitiker aus Kiel:

    SPD-Landeschef Ralf Stegner am 12.2.2013: "'I was so much older then, I'm younger than that now', singt Bob Dylan aus den Autolautsprechern - keine üble Vorstellung;-}"

  • Das "zwitschern" Landespolitiker aus Kiel:

    FDP-Landtagsabgeordneter Oliver Kumbartzky am 15.3.2011: "Nora ist da! 9.32 Uhr, 51 cm, 3320 g. Alle wohl auf."

  • Das "zwitschern" Landespolitiker aus Kiel:

    Piraten-Landtagsabgeordnete Angelika Beer am 20.1.2013: "Es geht voran: zurück in Berlin: mein Taxi Fahrer wird nun im September #Piraten wählen . Hatte vorher einen korrupten FDP ler gefahren"

  • Das "zwitschern" Landespolitiker aus Kiel:

    CDU-Landtagsabgeordneter Axel Bernstein am 4.5.2012: "Im Endspurt!"

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Die Zahl der Twitter-Abonnenten mag vergleichsweise gering erscheinen, aber: Durch das Weiterleiten der Nachrichten, das sogenannte Retweeten, erhöht sich der Verbreitungsgrad teilweise erheblich. Bundesumweltminister Altmaier zählt mit mehr als 5.000 Tweets zu den aktivsten Nutzern unter den Spitzenpolitikern. Altmaier twittert stets selbst und verfügt über eine ansehnliche Fangemeinde von mehr als 33.000 Followern. Mehr hat unter den Spitzenpolitikern nur Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (beide CDU) mit gut 36.000 Lesern. Übrigens: Nicht jeder Politiker hält es wie Altmaier und verbreitet seine Nachrichten persönlich. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) etwa lässt Mitarbeiter in seinem Namen twittern.

Schleswig-Holstein hinkt bei Twitter etwas hinterher

Im bundesweiten Vergleich hat Schleswig-Holstein eher den Status eines Entwicklungslandes: "Nicht einmal jeder dritte Landtagsabgeordnete nutzt diesen Dienst", sagt Politikberater Martin Fuchs. Von den 69 Parlamentariern in Kiel haben nach seinen Worten nur 21 einen Account angemeldet. Im Bundestag dagegen ist es jeder zweite Abgeordnete. Auch wenn laut Fuchs längst nicht alle dieser Politiker aktiv in die Tasten hauen, sondern einige sich nur informieren. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) zum Beispiel hat zwar einen Twitter-Account, schickt damit aber keine Nachrichten um die Welt. Und FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki kokettiert gern damit, dass ihm seine Mitarbeiter eine Nutzung der sozialen Netzwerke verboten hätten: "Facebook und Twitter haben mir meine Mitarbeiter untersagt, weil ich sehr schnell reagiere und sie das dann nicht mehr kontrollieren können", sagte er Studenten der Universität Tübingen in einem Interview für das Buch "Die gehetzte Republik".

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Twitter-Experte: Hauptsache authentisch

Politiker nutzen Twitter als direkten Verbreitungsweg für ihre Ansichten. Im Norden "zwitschern" laut dem Hamburger Experten Martin Fuchs jedoch relativ wenige Politiker regelmäßig. mehr

"Obama oder Osama?"

Tatsächlich ist das mit den 140 Zeichen bei Twitter so eine Sache. Sie sind schnell geschrieben, manchmal auch sehr spontan und vielleicht etwas unüberlegt.

So kann leicht ein falscher Zungenschlag entstehen. Diese Erfahrung hat SPD-Landeschef Stegner mehr als einmal gemacht. Eine seiner Äußerungen via Twitter nahm die CDU 2009 gar zum Anlass, die damals regierende Große Koalition aufzukündigen. Fatale Wirkung kann aber sogar ein einziger falscher Buchstabe entfalten, wie Regierungssprecher Steffen Seibert vor einiger Zeit erleben musste. Er twitterte, als US-Truppen den Terroristenführer Osama bin Laden töteten: "Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger". Statt Osama bin Laden wurde also versehentlich US-Präsident Barack Obama an den Pranger gestellt.

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