Stand: 24.11.2015 19:50 Uhr

Populistische Töne im "SocialWeb"

"Focus Online" ist derzeit erfolgreich - sehr erfolgreich sogar. Zuletzt hat das Portal beim Social Media Ranking "100000flies" im Vergleich deutscher Medien sogar "Bild.de" überholt. "Focus Online" besetzt somit den Spitzenplatz.

Bei "10.000flies" fasst Jens Schröder die Reichweiten in sozialen Medien zusammen. Ihn wundert der Erfolg nicht: "'Focus Online' ist extrem auf das Flüchtlingsthema aufgesprungen und meldet da alles - auf eine populistische Art und Weise", berichtet Schröder.

Ein Screenshot eines Online-Artikels der Website Focus Online zur Flüchtlingspolitik. © NDR

Populistische Töne im "SocialWeb"

ZAPP -

Mit populistischen Tönen kann man in Krisenzeiten viel Erfolg auf Social Media Seiten haben. Doch die Strategie könnte sich als kurzsichtig erweisen.

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Setzt "Focus Online" bewusst auf rechte Klientel?

Schlagzeilen wie "Vorschlag der Fahrlehrer: Staat soll Flüchtlingen Führerschein bezahlen" oder "An Grenze zu Österreich: Polizeigewerkschaft fordert Grenzzaun" generieren Reichweite, besonders, so darf vermutet werden, bei AfD- und Pegida-Anhängern. Spielen die Macher von "Focus Online" also mit dem Feuer?

"Man sorgt mit den Headlines für Aufregung und Alarm bei den Lesern, die im Zweifelsfall dann die Geschichte gar nicht mehr durchlesen, sondern sofort bei Facebook weiterverbreiten“, meint Jens Schröder im ZAPP-Interview. "Und dann entsteht so eine Alarmwelle - und davon profitiert dann 'Focus Online'".

Doch die Methoden, mit denen "Focus Online" Reichweite macht, werden im Netz auch immer wieder stark kritisiert. Gern hätten wir auch die Verantwortlichen von "Focus Online" dazu befragt. Auf redaktioneller Ebene schien dies zunächst kein Problem zu sein. Doch am Tag des angefragten Interviews kam aus der Pressestelle die Absage: "Wir stehen aktuell nicht für ein Interview zur Verfügung", hieß es nun.

Auch andere setzen auf Facebooks Macht

Doch auch fast alle anderen Medien wollen die Reichweite von Facebook für sich nutzen. Das soziale Netzwerk ist neben der klassischen Homepage zum wichtigsten Ausspielkanal geworden - und Facebook ist sich dieser Macht bewusst. Der Algorithmus bestimmt, was wir neben süßen Katzenbildchen und Postings unserer Freunde sonst noch so angezeigt bekommen.

"Die Welt" versucht es mit Humor

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Steht nicht auf Populismus: Niddal Salah-Eldin.

Auch „Die Welt“ ist eine der Medienmarken, die derzeit viel ausprobiert: In den Social-Media-Charts zog sie zuletzt sogar an „Spiegel Online“ vorbei. Dabei setzt man an der Spree laut Social-Media-Redakteurin Niddal Salah-Eldin Humor als Strategie: "Wir haben uns überlegt, als wir angefangen haben: Wie kann man die Trolle von der Seite herunterbekommen und sich wieder für Leser, die für uns interessant sind, attraktiv machen? Sprich wir wollen unsere guten Leser bei uns halten, wir wollen Spammer, Hetzer, Trolle nicht dabei haben und dagegen gehen wir vor und wir setzen da ganz klar auf Humor und Ironie.“ Dieser Humor hat mittlerweile eigene Fans und eine eigene Facebook-Fanpage namens "Der ‘DIE WELT‘ Praktikant“.

"Uns ist natürlich auch klar, dass man gerade in so einer Krise mit sehr hetzerischen Themen vielleicht Punkte machen kann", meint Salah-Eldin, aber wir entscheiden uns dann individuell, Case to Case dafür, ob wir ein Thema machen oder nicht. Und ich kann ganz klar sagen, dass wir in der Flüchtlingskrise nichts übergeigt haben und uns da nicht an den ‘Focus Online‘-Zug angeschlossen haben.“

Kurzsichtige Strategie könnte Marke beschädigen

Jens Schröder glaubt ohnehin nicht, dass diese Richtung langfristig aufgeht: "Wenn man schmerzlos die meisten Menschen einfach nur erreichen will, dann ist das sicherlich ein Weg. Aber gerade 'Focus' war zumindest einmal eine Marke mit einem gewissen Anspruch. Im Internet habe ich das Gefühl, dass dieser Anspruch verloren geht."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.11.2015 | 23:20 Uhr