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"Habe weniger vermögende Kontakte entfernt"

von Fiete Stegers

"Die Schufa will Facebook-Daten sammeln" - der Bericht von NDR Info hat bei vielen Internet-Nutzern für Empörung gesorgt. Gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, in denen die Schufa gerne die Nutzer-Profile nach Informationen über deren Kreditwürdigkeit scannen würde, machen sie ihrem Ärger Luft.

"Könnte die Schufa nicht einfach anfangen Mülltonnen zu durchwühlen?", meint Twitter-Nutzerin "Nienor86" sarkastisch. "Leider müssen wir Ihren Visa-Kreditrahmen auf 25 € reduzieren, da einer Ihrer Facebook-Kontakte mit einem Hartz-IV-Bezieher befreundet ist" - solche unschönen Briefe von der Bank könnten Wirklichkeit werden, befürchtet Holger Dittmann bei Twitter.

"Es ist mir wirklich schleierhaft wie es Unternehmen in Deutschland nach wie vor erlaubt wird, derart persönliche Daten zu sammeln und darüber hinaus auch noch relativ einfach und größtenteils ungefragt an Dritte weiterzugeben! Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern sollten umgehend mal aus ihrem Schlaf erwachen", empört sich Kommentator "TS/Köln" bei NDR.de stellvertretend für viele.

 

"Nutzer sind selbst schuld"

"Das kommt davon, wenn Millionen von Social-Media-Experten predigen, Unternehmen sollten bei Twitter und Facebook zuhören", kommentiert Twitter-Nutzerin "paulinepauline".

NDR.de-Nutzer "naKlasse" sieht eine Mitschuld der normalen Internet-Nutzer: "Erst registrieren sich alle wie die Verrückten bei Facebook - gegen die ausdrücklichen Warnungen von Datenschützern - und helfen fleißig beim Aufbau dieses riesigen Daten-Kraken. Und jetzt geht das Gejammer los, weil diese Daten genutzt werden... " Ähnlich sieht das Nutzerin "anne": "Da die meisten Nutzer ihre Facebook-Konten immer noch auf 'öffentlich' gesetzt haben, sind sie selbst schuld, dass sie ausspioniert werden. Oft genug wurde darauf hingewiesen, dass es durchaus Sinn macht, die Konten auf 'privat' zu setzen."

 

Weitere Informationen

Was hat die Schufa mit Facebook vor?

Auszüge aus internen Dokumenten von Schufa und Hasso-Plattner-Institut. mehr

Twitter-Vorschlag: "Kaufe die dritte Finca auf Mallorca"

Twitter-Nutzer Hanno Zulla kündigt mit leichter Ironie seine Reaktion auf die Pläne der Schufa an: "Habe meine weniger vermögenden Kontakte in Xing, Facebook und G+ entfernt. Die Schufa kann kommen."

Clothilde Wegner schlägt bei Facebook vor, der Schufa ein Schnippchen zu schlagen: "Einfach mal twittern: 'Meine Aktien steigen rasant; kaufe bald meine dritte Finca auf Mallorca; für meine Zweitjacht suche ich immer noch einen Skipper'". Jens Ferner formuliert einen eigenen "Schufa-Tweet" zur Verbesserung seiner Kreditwürdigkeit: "Diese ständigen Lottogewinne nerven, weiß gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Geld." Bov Bjerg treibt das Satire-Spiel noch weiter: "Ah, herrlich! Jeden Morgen achthundert Meter Kraul im Geldspeicher und man fühlt sich wie neu geboren!" Mittlerweile hat sich dafür ein eigenes Schlagwort durchgesetzt: "#twitternfuerdieschufa".

Entsprechend zweifeln andere Internet-Nutzer an der Effektivität der Schufa-Pläne: "Was ist mit den Zweit-, Drittprofilen? Was ist mit der ganzen Aufschneiderei? Wer da verwertbare Daten ziehen will, kann auch im Zirkus als Wahrsager anfangen", meint Björn Aicher bei Facebook.

Wie reagiert die Schufa auf die Kritik?

Trotz aller Kritik: NDR.de-Nutzer "hrool" glaubt nicht daran, dass diese die Schufa von ihren Plänen abbringt: "Das gibt jetzt einen Shitstorm, man wird einen verbalen Rückzieher machen und wenn sich die Aufregung gelegt hat, werden sie es doch tun. Dagegen hilft nur Transparenz. In diesem Fall die Offenlegung des Schufa-Bewertungsalgorithmus." Das fordert auch der Verein Digitale Gesellschaft, der sich für Bürger- und Verbraucherrechte im Netz einsetzt: "Wir sind besorgt, dass hier Unfug getrieben wird. Facebook und Twitter sind vielleicht öffentlich, aber keine Geschäftsdaten. Diese Daten gehen die Schufa nichts an."

Blogger und Journalist Thomas Knüwer wünscht sich als eine der wenigen Stimmen mehr Gelassenheit in der Debatte: Die Schufa erfülle eine wichtige Funktion - und derzeit sei es ja nur ein Forschungsprojekt.

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