Stand: 13.01.2014 15:38 Uhr  | Archiv

Ex-Gefahrengebiet: Reporter kommt auf Knopfdruck

von Christoph Heinzle und Fiete Stegers

Reporter eines Hamburger Lokalblogs lassen sich per App alarmieren, wenn im Gefahrengebiet etwas passiert. Außerdem bei Netzwelt kompakt: Ein neuer Supercomputer in Hannover und die Zukunft der Vorratsdatenspeicherung.

Hamburger Lokalblog: "Call a Journalist"

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Das polizeiliche Gefahrengebiet wurde mittlerweile aufgehoben Die Proteste sollen weiter gehen.

Zehn Tage lang war das von der Polizei ausgerufene und mittlerweile aufgehobene Gefahrengebiet in Hamburgein Riesen-Thema im Netz. Die Onlineseite "Mittendrin" ging bei ihrer Berichterstattung über Polizeikontrollen und Proteste neue Wege. Mit ihrem Angebot "Call a Journalist" gibt sie Nutzern die Möglichkeit, "Mittendrin"-Reporter direkt dorthin zu rufen, wo gerade etwas passiert.

"Das war zum Beispiel eine Versammlungsauflösung vor der Davidwache, während parallel eine Demonstration lief", erzählt Isabella David, Chefredakteurin von "Mittendrin". "Mein Kollege und ich haben uns dann aufgeteilt. Ich habe weiter die Demo begleitet. Er ist da hin und hat sich von der Polizei und den ehemaligen Versammlungsteilnehmern alle Infos geholt."   

Das Prinzip ist simpel: Wer unterwegs etwa auf dem Smartphone eine Webseite der Redaktion aufruft und dort einen roten Knopf drückt , der übermittelt seine Standortdaten an die Reporter, die sich dann auf den Weg machen können. Die Redaktion will damit noch schneller Ereignisse vor Ort mitbekommen - und die Leser noch stärker einbinden.

Die Idee dafür hatten der Entwickler Markus Gottschau und Journalist Marco Maas, der sich auf die grafische Aufbereitung von Daten im Internet spezialisiert hat. Zusammen mit dem Grafiker Lukas Bischof setzten sie App innerhalb weniger Tage um.
Damit geht "Mittendrin" bewusst einen anderen Weg als viele, auch große Medien, die Leser zum Einschicken von Bildern und Berichten aufrufen. Chefredakteurin Isabella David: "Gerade im Falle des Gefahrengebiets halten wir es für sehr, sehr wichtig, dass wir eigentlich auch nur wirklich berichten, was wir gesehen haben, was wir überprüfen können. Deshalb ist für uns wichtig, dass wir dann auch vor Ort sein können."    

Ein Instrument der Massenkommunikation ist "Call a Journalist" noch nicht. Es lief am Wochenende eher gemächlich an.

Vorratsdatenspeicherung: De Maizière betont Einigkeit

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Bundesinnenminister de Maizière glaubt, dass der Vorratsdatenspeicherungs-Streit beigelegt wird.

Wann werden in Deutschland wieder Telefon- und Internetdaten für Polizei-Ermittlungen gespeichert? Die Zukunft der Vorratsdatenspeicherung hatte SPD und Union den ersten öffentlichen Zoff beschert - trotz Festlegung im Koalitionsvertrag. Jetzt sieht Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU Chancen zur Beilegung des Streits mit seinem SPD-Kollegen Heiko Maas, dem Justizminister.

 "Herr Maas und ich haben uns längst getroffen. Wir haben eine Einigung im Verfahren erzielt. Ich bin guten Mutes, dass wir hier zu einem guten Ergebnis kommen", sagte de Maizière im ZDF.

Doch einig ist man sich nur, wie man das Thema weiter bespricht, nicht im Inhalt. Anders als die Union will Minister Maas mit einem neuen Gesetzentwurf warten, bis der Europäische Gerichtshof sich zur Vorratsdatenspeicherung geäußert hat.

Super-Rechenleistung für norddeutsche Unis

Norddeutschland hat einen neuen Super-Computer: Am Donnerstag soll er an der Leibniz-Universität Hannover offiziell in Betrieb gehen. Der Cray CX30 wird von mehreren norddeutschen Bundesländern genutzt. Die Anlage steht deshalb je zur Hälfte in Hannover und in Berlin. Sie kann 2,6 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunden ausführen, zehn Mal mehr als das Vorgängersystem, was aber weltweit trotzdem nicht zu einem Spitzenplatz reicht. Die Wissenschaftler simulieren mit dem Computer unter anderem komplexe Klimaentwicklungen  und den Abgas-Ausstoß von Flugzeugtriebwerken.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 13.01.2014 | 15:38 Uhr

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