Stand: 27.10.2011 08:00 Uhr  | Archiv

Facebook und die fehlende Kontrolle

Von Nils Kinkel, NDR Info

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Google, Facebook und Co. sammeln fleißig Nutzerdaten. Wofür genau? Keiner weiß es so genau!

Sie wissen viel, doch niemand weiß genau wieviel: Google, Amazon, Facebook und Apple speichern jede Menge Daten von den Computer- und Internetnutzern weltweit. Doch die User wissen eben nicht genau, was genau die US-Computerfirmen alles über sie gespeichert haben. Diese Unwissenheit verunsichert die Nutzer, es wächst die Angst vor einer unkontrollierten Datenkrake. Und in Deutschland wird jetzt darüber gestritten, wer eigentlich die Internet-Konzerne kontrollieren soll.

Facebook will das ganze Leben digitalisieren. Neu im virtuellen Lebenslauf sind die Möglichkeiten, ein Geburtsfoto oder das Bild des Haustiers hochzuladen. Auch kann man freiwillig im Profil angeben, ob man einen geliebten Menschen verloren oder eine Krankheit überwunden hat. Die Daten sind jederzeit abrufbar, natürlich nur für die Freunde. Ein Traum von Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Ein Albtraum für deutsche Datenschützer.

Datenschützer droht juristische Schritte an

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Der "gefällt mir"-Button auf Facebook-fremden Seiten gefällt dem schleswig-holsteinischen Datenschützer Weichert nicht.

"Nach unserer Überzeugung sind die Zustände, die wir derzeit haben, rechtswidrig und auch nicht zu halten. Weil im Hinterzimmer dieser Netzwerke eine Vielzahl von personenbezogenen Daten verarbeitet werden, die von den Betroffenen nicht eingestellt werden." Diese Meinung vertreten die norddeutschen Datenschützer Thilo Weichert (Schleswig-Holstein) und Peter Schaar (Hamburg). Bei einer Anhörung im Bundestag hatten sie viele Fragen an den Vertreter von Facebook.

Weichert ärgert sich besonders über den "Gefällt mir"-Button. Wer bei Facebook nämlich eingeloggt ist, der übermittelt auch Daten, wenn er auf anderen Seiten im Internet surft, die eben diesen Button eingebaut haben. Im November droht Weichert mit einem Verbot durch Verwaltungsgerichte.

Hackerangriff wäre ein Super-GAU für Facebook

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Facebook hat durch die Daten der Nutzer einen tiefen Einblick in ihr Surf-Verhalten.

Facebooks Europa-Manager Richard Allen ist zwar im Gespräch mit den deutschen Datenschützern, die Probleme bleiben aber die alten. "Wir sind stolz darauf, eine der sichersten Seiten im Internet anzubieten", so Allen.

Einen Angriff von Hackern hat es bislang tatsächlich nicht gegeben. Das würde auch den geschätzten Börsenwert des Unternehmens von 100 Milliarden Dollar an einem Tag vernichten. Deutsche Politiker wie Konstantin von Notz von den Grünen beruhigt der Auftritt im Bundestag aber wenig: "Sie sind ein globales Unternehmen. Facebook ist ja keine Garagenklitsche mehr. Und deshalb darf ich ihnen mit aller Ernsthaftigkeit sagen, dass wir uns wünschen, dass sie sich an deutsches Recht halten."

Wichtiges Formular im Kleingedruckten

Das Wunschkonzert dirigiert zur Zeit der Bundesinnenminister. Und der setzt auf eine freiwillige Selbstkontrolle. Das wundert Sascha Adamek nicht, weil sich die Behörden schon immer für die Daten der Bürger interessiert haben. Adamek hat das Buch "Die Facebook-Falle" geschrieben: "Ich denke, das Innenministerium ist vielleicht nicht so sensibel, wenn es darum geht, dass auch große private Konzerne Datensammlungen anlegen, von denen Geheimdienste nur träumen. Insofern könnte man polemisch sagen, das Innenministerium fühlt sich ein wenig verbrüdert mit den Datenspeichern der großen amerikanischen Konzerne.

Wer auf ein angepasstes Datenschutzgesetz nicht mehr warten will, der kann sich inzwischen auch direkt an Facebook wenden. Das Online-Formular hat Facebook wie immer im Kleingedruckten versteckt. Facebook schickt den Nutzern dann die gespeicherten Daten zu und jeder kann danach selber entscheiden, ob er sich überwacht fühlt oder nicht.

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Wie erteilt Facebook Auskunft

NDR Info

Eine Erklärung, wie man von Facebook Auskunft erhält. extern

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Prüfung von Facebook-Cookies offenbart Widersprüche

NDR Info

Informationen zum Trackingverdacht bei Facebook auf der Internsetseite des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 27.10.2011 | 08:08 Uhr

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