Stand: 30.08.2013 14:55 Uhr  | Archiv

Wie Kinder sicher surfen

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Die Risiken, die das Internet birgt, können Kinder gar nicht abschätzen.

Dinge im Internet zu entdecken, soll und kann Spaß machen. Doch genauso wie die reale Welt, birgt auch der virtuelle Raum Gefahren. Für Pädophile beispielsweise ist das Internet ideal, um Kontakte zu Kindern anzubahnen, weil es ihnen Anonymität gewährt. Eltern sollten mit ihren Kindern sachlich über die Gefahren sprechen, die es beispielsweise beim Chatten im Internet gibt. Ein gängiges Beispiel: Der zwölfjährige Tim, der in Foren oder sozialen Netzwerken Kontakt zu Jungen und Mädchen sucht, kann in Wirklichkeit ein 43-jähriger Klaus sein.

Das Internet "belohnt" mit Aufmerksamkeit

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Viele Kinder und Jugendliche hätten kein Gefühl für die möglichen Gefahren im Netz, erklärt der Psychotherapeut Jan Vespermann.

In jedem Moment sind Expertenschätzungen zufolge weltweit durchschnittlich 750.000 Pädophile im Netz auf der Suche nach Kontakten zu Kindern. Auch mithilfe von Webcams können die Täter "Zutritt" ins Kinderzimmer erlangen. Das Problem ist jedoch, dass viele Kinder und Jugendliche kein Gefühl dafür haben, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie etwa freizügige Fotos oder viele persönliche Informationen wie den echten Namen oder die Adresse von sich veröffentlichen. "Im schnellen Medium Internet bekommen sie schnell Feedback und damit vor allem Aufmerksamkeit. Sie haben das Gefühl, belohnt zu werden und das macht Kinder und Jugendliche anfällig dafür, mehr von sich preiszugeben, als gut ist", so Jan Vespermann vom Hamburger Opferschutzverein Dunkelziffer.

Gutes Vertrauensverhältnis hilft vorbeugen

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern sich entweder Zeit für ihre Kinder nehmen oder dafür Sorge tragen, dass diese eine Vertrauensperson haben, der sie alles erzählen können. Bei vielen Jungen und Mädchen, gerade während der Pubertät, müssen das nicht unbedingt die Eltern selbst sein. Es kann auch jemand aus dem vertrauten Umfeld sein.

Bei Fehlverhalten der Kinder ist es wichtig, offen mit ihnen zu sprechen und nicht etwa ein Computer-Verbot als Sanktion zu verhängen. "Damit tut man sich keinen Gefallen", warnt der Psychotherapeut Jan Vespermann. "Der Druck, sich zu präsentieren und zu kommunizieren, ist für Kinder und Jugendliche zu groß." Und nach den Erfahrungen der Pädagogen und Therapeuten von Dunkelziffer nennen Kinder Computerverbote häufig als Grund, weshalb sie ihren Eltern lieber nichts erzählen, wenn ihnen etwas zustößt.

Eltern müssen sich mit dem Internet auseinandersetzen

Manche Eltern würden bei der Hilfestellung sozusagen ausfallen, weil sie sich nicht mit dem Netz auseinandersetzten, erklärt Vespermann. "Eltern und Kinder haben ganz unterschiedliche Sprachen und bewegen sich in unterschiedlichen Welten", so der Berater. Genau das macht es für pädophile Täter, die Kontakte zu Kindern über das Internet anbahnen, einfacher: "Sie versuchen, einen Keil zwischen das Kind und seine Eltern zu treiben und den Weg zur Hilfe abzuschneiden", erklärt der Therapeut. Deshalb ist es auch unerlässlich, dass sich Eltern mit dem Medium Internet vertraut machen, um abschätzen zu können, was ihre Kinder dort tun.

Und sie sollten ihren Kindern natürlich auch nicht nur im Zusammenhang mit dem Internet ausreichend Aufmerksamkeit und Zuwendung geben. Denn pädophile Täter nutzen oft aus, wenn Kinder in einem sogenannten emotionalen Mängelmilieu aufwachsen. Wenn etwa die Vaterfigur fehlt (bei Jungen ist das besonders entscheidend) oder, wenn es keine Zuwendung gibt, ist es für Täter einfacher, die Rolle des netten Onkels zu spielen. Kinder sollten daher lernen, laut und deutlich artikulieren zu können, was sie möchten und was nicht.

Empfehlungen fürs Surfen

- Ein Computer, vor allem einer mit Internetanschluss, gehört bei unter 14-Jährigen nicht ins Kinderzimmer. Alternative: Wohnzimmer oder Flur.

- Surf-Zeit: Bei Zehnjährigen maximal eine halbe Stunde, bei älteren bis zu einer Stunde.

- Kinder und Jugendliche sollten möglichst keine Fotos von sich ins Netz stellen.

- Als Profilfoto ist ein Platzhalterbild wie eine Blume oder ein Tier besser geeignet.

- Sparsam mit persönlichen Angaben zur Person sein.

- Webcam zur Sicherheit nach dem Chat mit Freunden abkleben.

- Nicht mit Unbekannten aus dem Netz verabreden.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 02.09.2013 | 22:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/missbrauch134.html

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