Sendedatum: 14.11.2013 08:08 Uhr  | Archiv

LTE-Ausbau im Norden kommt nicht gut voran

von Daniel Bouhs
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Trotz Auflagen des Bundes ist die LTE-Technik in ländlichen Bereichen längst noch nicht überall verfügbar.

Mal eben den nächsten Jahresurlaub buchen oder eine verpasste Folge der Lieblingsserie schauen: Wer keinen schnellen Internet-Anschluss hat, lebt hinterm Mond - oder zumindest im Grünen. Mobilfunkbetreiber rühren zwar kräftig die Werbetrommel für das mobile Internet, doch die Realität beim Ausbau sieht teils anders aus: Wer auf dem Land lebt, sucht auch heute mitunter noch vergeblich nach Empfang. Dabei hatten vor gut drei Jahren die Deutsche Telekom, Vodafone und O2 mehr als vier Milliarden Euro auf den Tisch gelegt, um die vierte Generation der Mobilfunktechnik auszubauen: LTE, das Turbo-Internet auch für mobile Geräte verspricht. Damals verpflichtete der Bund die Anbieter dazu, zunächst ländliche Gebiete mit dem Breitband-Internet zu versorgen. Vom "letzten Bauernhof" war plakativ die Rede. Daraus geworden ist aber nicht überall etwas.

Weiße Flecken auf der Ausbau-Karte

Technik im Internet - ein Überblick

ISDN (integrated services digital network) ist ein digitales Telekommunikationsnetz. Bevor es ISDN gab, hatten Telefon oder Fernschreiber jeweils ein eigenes, analoges Netz.
DSL (digital subscriber line) funktioniert über Kupferleitungen. Die Leistung reicht bis zu 500 Megabit pro Sekunde. Die Geschichte von DSL begann bereits Ende der 1980er-Jahre.
GPRS (general packet radio service) gilt als Wegbereiter des mobilen Internets und ist eine Vorstufe der UMTS-Technik.
UMTS (universal mobile telecommunication system) ist eine Technik, die vor allem im Bereich des mobilen Internets zum Einsatz kommt - also bei Handys, Smartphones oder Laptops.
LTE (long term evolution) ist eine Nachfolgetechnik von UMTS und ermöglicht besonders hohe Datenübertragungsraten. Die Frequenzen für LTE wurden 2010 versteigert, die Anbieter verpflichteten sich, zuerst den Ausbau in den ländlichen Regionen voranzutreiben.

"Es gibt insbesondere im Harz und in der Lüneburger Heide noch Flächen, die nicht erschlossen sind", sagt Peer Beyersdorff. Er leitet das niedersächsische Breitbandkompetenzzentrum. Darin haben sich Gemeinden zusammengetan, um den Netzausbau voranzutreiben. Zwar deckt LTE in Niedersachsen inzwischen 85 von 100 Gebäuden ab - aber eben noch lange nicht alle. "Das ist auch letztlich ganz normal, weil da manchmal eben auch sehr, sehr wenig Menschen wohnen", sagt Beyersdorff dazu.

Wenig Menschen? Genau die sollten doch zumindest per Funk ans Netz kommen, dort, wo sich der Anschluss über Telefonleitungen, sprich DSL, oder auch per Fernsehkabel einfach nicht rechnet. Die Anbieter aber haben ihre vertraglichen Pflichten schon vor einem Jahr erfüllt. Den "letzten Bauernhof" mussten sie dafür gar nicht mit schnellem Internet versorgen. Die Verpflichtung hatte von vornherein Lücken.

Staatliche Auflagen erfüllt

Niedersachsen

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"Zufrieden sind wir nicht, weil es Flecken gibt, die nicht versorgt sind", sagt auch Bernd Holter, der für das Breitbandkompetenzzentrum für Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin verantwortlich ist. Auch im Nordosten klaffen weiter Lücken in der LTE-Versorgung. Auch hier haben die Konzerne ihre Auflagen längst erfüllt und überlegen sich jetzt gut, wo sich weitere Investitionen lohnen.

Und dann ist da noch ein ganz anderes Problem in Mecklenburg-Vorpommern, gibt Holter zu bedenken: "Das Frequenzband LTE wird zum Beispiel in Polen noch für Fernsehen genutzt. Und damit da keine Störungen der Systeme untereinander eintreten, kann Deutschland momentan nicht LTE ausbauen, sondern muss warten, bis in Polen diese Frequenzen freigemacht worden sind."

Selbst wenn LTE irgendwann wirklich überall sein sollte, werde niemand einen Haken an den Breitbandausbau machen können, mahnt Holter: "LTE wird kein Allheilmittel sein. Für den normalen Haushalt, für den normalen Endnutzer wird es sicherlich eine Freude sein, LTE zu nutzen. Aber wir wissen auch, dass unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen nach wie vor Probleme haben."

Kabelausbau in Selbsthilfe

Nach dem Ausbau des mobilen Internets wird es also auch in der Fläche weiterhin darum gehen, ganz klassisch Datenkabel zu verlegen. Doch wie soll sich das rechnen? Erste Gemeinden helfen gezielt nach, erzählt Niedersachsens Breitband-Experte Beyersdorff: "Das Teure am Breitbandausbau ist der Tiefbau. Wenn man da die Gräben für die Kabel schon mal zieht, ist es eine riesige Hilfe. Und es gibt Beispiele wie den Landkreis Wolfenbüttel oder die Landkreise Uelzen und Lüneburg, die sich jetzt eben auf den Weg gemacht haben mit einem eigenen Netzausbau."

Und so baggern allein in Niedersachsen derzeit mehr als ein Dutzend Landkreise auf eigene Faust - oder haben zumindest mit der Planung dafür begonnen.

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NDR Info | Netzwelt | 14.11.2013 | 08:08 Uhr

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