Sendedatum: 11.04.2013 08:08 Uhr  | Archiv

Wann geht's in Hamburg kostenlos ins Netz?

Immer mehr Cafés und Lokale in Deutschland bieten ihren Gästen einen kostenlosen Internetzugang an. Auch die Deutsche Bahn plant noch in diesem Jahr, alle ICEs mit drahtlosem Internet auszurüsten. Die Stadt Hamburg will jetzt noch einen draufsetzen. In Zukunft soll es möglich sein, nahezu überall im Stadtgebiet umsonst im Netz zu surfen. Soweit die Theorie. In der Praxis kämpft der SPD-geführte Senat noch mit einigen juristischen Hindernissen. Einer kleinen Gruppe von Informatik-Studenten dauert das zu lang: Sie fordert "Freies Internet für alle" und geht ihren eigenen Weg.

Von Katharina Buss, NDR Info

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Auf einer Buslinie in Hamburg ist kostenloses Surfen im Rahmen eines Pilotprojekts schon möglich.

Unterwegs mit dem Bus Nummer 3 in Hamburg-Altona. Seit vier Monaten können Fahrgäste auf dieser Linie kostenlos ins Internet gehen: Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein haben ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet. Und das kostenlose Angebot kommt bei den Fahrgästen gut an: "Für die Leute, die ein Smartphone haben, finde ich das sehr gut. Internet umsonst, wer will das nicht? Man kann ja dann kurz seine E-Mails abchecken oder sonstiges. Und nicht einfach in die Luft starren", meint beispielsweise der 17-jährige Simon.

Ein paar Reihen hinter ihm sitzt Yael aus Israel. Sie verbringt ihren Urlaub in Hamburg und versteht nicht ganz, warum der freie Internetzugang so etwas Besonderes sein soll. In Tel Aviv könne man überall kostenlos ins Netz: "In den Cafés, im Park, an allen möglichen Orten. Bei uns ist das normal. Aber ist doch cool, dass man in Hamburg jetzt auch mehr freies WLAN bekommt."

Juristische Bedenken bei der Stadt Hamburg

Bald schon soll es an fast allen Orten in Hamburg möglich sein, kostenlos online zu gehen. Der Hamburger Senat will Cafés, Kneipen und Hotels dazu ermuntern, eigene WLAN-Hotspots einzurichten. Die Stadt selbst schafft ebenfalls kostenlose Zugänge: in den öffentlichen Bücherhallen etwa, oder auf der Internationalen Gartenschau im Stadtteil Wilhelmsburg, die in zwei Wochen beginnt.

Allerdings hält sich das Engagement der Stadt noch in Grenzen. Zu groß sei das rechtliche Risiko, sagt Senatssprecher Christoph Holstein: "Das juristische Problem besteht darin, dass ein Nutzer von einem WLAN-Netz böse Sachen machen kann. Der Anbieter des Netzes, also ein Café, eine Kneipe oder ein Hotel, kann dann für das Fehlverhalten der eigenen Kunden in Haftung genommen werden. Das führt dazu, dass viele wahrscheinlich sagen, wir riskieren das gar nicht erst, wir bieten kein WLAN an."

"Freifunk Hamburg" fordert freies Internet für alle

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André Schmidt (links) und Arndt Siebke von der Intitiative "Freifunk Hamburg".

Die Initiative "Freifunk Hamburg" will sich durch juristische Hindernisse jedoch nicht stoppen lassen. Die Aktivisten fordern freies Internet für alle. Seit vier Monaten rüsten sie Haushalte in der Hansestadt für das Freifunk-Netz um. Die jeweiligen Internet-Router sind dann in der Lage miteinander zu kommunizieren und so ein flächendeckendes, einheitliches WLAN zu bilden.

Etwa 170 modifizierte Router gibt es in Hamburg bereits, erklärt "Freifunker" Arndt Siebke: "Wenn Du in der Nähe bist, klappst Du einfach Dein Laptop auf. Das erkennt dann: Hier Hamburg.Freifunk.Net. Da klickst Du drauf und der verbindet sich und Du bist drin in Anführungsstrichen, das war's."

Umweg über die Niederlande

Das Freifunk-Netz soll jedem zugänglich sein, ohne hohe technische Hürden. Jeder der mag, kann mitmachen. Je größer die Community, desto besser, sagt Siebke. Er versichert, dass niemand Sicherheitsbedenken haben müsse: "Wir können ja schwer jemanden dazu animieren, sein Internet zur Verfügung zu stellen, wenn der dann hinterher juristisch dafür belangt wird. Deswegen sammeln wir den gesamten Internetverkehr in Hamburg aus dem Freifunk-Netz an verschiedenen Gateways. Von diesen Gateways wird dann dieser gesamte Verkehr zusammen in die Niederlande getunnelt. Das Hamburger Freifunk-Netz ist dann quasi niederländisches Internet. Und in diesen Ländern greift halt die Störerhaftung nicht."

Die Stadt Hamburg billigt die Initiative der Freifunk-Aktivisten. Den Umweg über das niederländische Internet sieht der Senat jedoch kritisch. Die Hamburger SPD will jetzt dafür sorgen, dass die Störerhaftung in Deutschland teilweise abgeschafft wird. So sollen die juristischen Konsequenzen für die Anbieter von freiem WLAN eingeschränkt werden. Eine entsprechende Bundesratsinitiative hat die Stadt bereits auf den Weg gebracht.

Weitere Informationen

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NDR Info | Netzwelt | 11.04.2013 | 08:08 Uhr

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