Stand: 26.02.2016 17:10 Uhr

Zuckerberg lässt Kritik teilweise abprallen

Facebook wird für den Umgang mit Nutzer-Daten und Hass-Kommentaren seit einiger Zeit heftig kritisiert. Am Freitag hat sich nun Mark Zuckerberg, der Chef des Online-Netzwerks, von der Facebook-Community in Berlin Fragen dazu stellen lassen. Bei der Beantwortung zeigte sich: Zuckerberg sieht die Kritik nur zum Teil als berechtigt an.

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1.400 Gäste durften zur Fragestunde mit Mark Zuckerberg in eine große Halle in Berlin.

Ganz locker war Mark Zuckerberg am Vortag noch durchs Brandenburger Tor gejoggt - mit Leibwächter freilich, und ganz zufällig war ein Fotograf anwesend, der ihn abgelichtet hat. Solche Aufnahmen kennt man von amerikanischen Politikern oder Rockstars. Und ganz ähnlich wie bei diesen waren auch die Sicherheitsvorkehrungen für Zuckerbergs Frage- und Antwort-Stunde mit der "Facebook-Community", wie er sich ausdrückte. Rund 1.400 Gäste durften kommen, darunter viele Studenten von ausgesuchten Technischen Universitäten in Deutschland. Andere hatten sich vorab via Facebook mit einer speziellen Frage an Zuckerberg gewandt, und waren dann ausgesucht worden.

Zuckerberg lässt die Facebook-Fans warten

Der Ort des Ganzen - eine Berliner Veranstaltungshalle - wurde den eingeladenen Gästen erst am Tag vorher mitgeteilt. Dort waren überall Sicherheitsleute zu sehen, Metalldetektoren und Taschenkontrolle. Getränke, Deo-Spray und Fotoapparate waren beim Auftritt des milliardenschweren Konzernchefs nicht erlaubt, Handyfotos durften gemacht werden. Und das taten die Zuhörer in der Halle dann reichlich, während sie nach dem Einlass eine knappe Stunde auf Zuckerberg warten mussten. Aus den Boxen dröhnte derweil Popmusik.

Und dann hieß es "Hey! Hey!" Facebook-Gründer Zuckerberg betrat die Bühne im üblichen Arbeits-Outfit mit Jeans und grauem T-Shirt. Wie in seinen auf Facebook geposteten Ankündigungen der Fragestunde machte er erst einmal Berlin Komplimente - als unfertige Stadt und Boden für Innovationen. Ob er damit auch den Berliner Flughafenbau gemeint hat?

"Hass hat keinen Platz auf Facebook"

Gleich die zweite Frage - vorab von einem Potsdamer-Studenten eingereicht - zielt auf einen der beiden Punkte, für die Facebook in Deutschland besonders in der Kritik steht: den Umgang von Facebook mit Hass-Kommentaren, die Nutzer in dem sozialen Netzwerk posten - besonders in der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Zuckerberg betonte: "Hass hat keinen Platz auf Facebook." Bei der Veranstaltung räumt er persönlich ein, was Mitarbeiter vorher schon gesagt haben: "Da haben wir in der Vergangenheit keine gute Arbeit geleistet. Die Botschaft ist angekommen." Dann zählt er die Maßnahmen auf, die Facebook angesichts der politischen und gesellschaftlichen Kritik in den vergangenen Monaten angeschoben hat: die Zusammenarbeit mit Anti-Diskrimierungsorganisationen und Änderungen bei den Gemeinschaftsrichtlinien. Erstmals nennt er eine konkrete Zahl der Mitarbeiter, die neuerdings direkt in Deutschland Beschwerden über Hass-Kommentare von anderen Nutzern bearbeiten: rund 200 seien es. "Noch sind wir aber nicht perfekt", sagt Zuckerberg.

Umgang mit Nutzer-Daten unproblematisch?

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Joggend durchs Brandenburger Tor: Facebook-Chef Mark Zuckerberg (l.) in Berlin.

Dem würde wohl auch Anwalt Chan-jo Jun aus Würzburg beipflichten, der es irgendwie ins Publikum geschafft hat. Er hat gemeinsam mit einem Kollegen Zuckerberg als obersten Facebook-Verantwortlichen wegen Beihilfe zur Volksverhetzung angezeigt, darf aber keine Frage stellen. Stattdessen spricht jemand anderes aus dem Publikum den zweiten wunden Punkt von Facebook in Deutschland an: den Umgang mit Nutzer-Daten. Die Kritik kann Zuckerberg nicht nachvollziehen: "Über jedes Stück Information, das Nutzer über Facebook mit anderen teilen, behalten sie die komplette Kontrolle", sagt Zuckerberg. "Die Leute werden uns keine persönlichen Daten anvertrauen, wenn sie nicht glauben, dass sie bei uns in guten Händen sind. Dass wir sie zum Beispiel an Regierungen weitergeben, Hacker daran gelangen oder wir sie so benutzen, wie die Nutzer es nicht wollen." Durch die Möglichkeit, geschlossene Gruppen einzurichten oder Fotos nur mit einem ausgewählten Nutzerkreis zu teilen, sei Facebook sogar ein "Privatsphären-Innovator" - so sieht es Zuckerberg.

"Social Media erweitert Deinen Horizont"

Dass Facebook durch seinen Algorithmus, der bewertet, welche Inhalte einen Nutzer interessierten könnten und ihm deshalb angezeigt werden, für die Verengung von Weltbildern in einer "Filterblase" sorge, nannte Zuckerberg einen "Mythos". Seine Sicht der Dinge: "30 Prozent der Inhalte von Deinen Facebook-Freunden entsprechen nicht Deinem eigenen Weltbild. Social Media erweitert Deinen Horizont. Wenn Du Fernsehen schaust, siehst Du im Endeffekt nur wenige Kanäle. Oder Du liest nur eine bestimmte Zeitung."

Die meisten anderen Fragen waren angenehmer für Zuckerberg: nach seinem Baby, seinem Hund, nach Facebooks aktuellen (Video-Livestreaming-Funktion jetzt auch für alle Android-Nutzer verfügbar) und künftigen Projekten (Virtual Reality soll wichtiger werden). Ein wenig aus dem Konzept zu bringen schien ihn nur die Frage einer Zuhörerin, was er tun würde, wenn er Chef des für manche schon todgeweihten Konkurrenten Twitter wäre: "Ich habe keine Ahnung. Es gibt keinen richtigen Weg, wie ich diese Frage beantworten kann."

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