Stand: 26.04.2012 06:00 Uhr  | Archiv

Netzwelten: E-Learning - So geht Bildung heute

Auch an deutschen Universitäten hat das Internet inzwischen die Lehre erobert. Immer öfter werden sogenannte Blended-Learning-Seminare angeboten - eine Mischung aus Online-Seminar und Studium vor Ort. Die NDR Info Netzwelten.

Von Lu Yen Roloff, NDR Info

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Erste Erfahrungen mit dem Computer machen heutzutage schon die Jüngsten. Und so sind Schule und Universität ohne Computer längst undenkbar.

Eine Online-Vorlesung auf der Webseite tele-task.de: Links oben im Bildschirm ist der Dozent zu sehen, rechts unten die Folien, die er in seinem Seminar benutzt. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam stellt so gut wie alle Vorlesungen mit dieser Technik ins Netz. Das Aufzeichnungssystem erkennt automatisch die Folien und erstellt ein Inhaltsverzeichnis, über das man im Video navigieren kann. Wer die Vorlesung verpasst hat, kann sie so komfortabel und schnell nachholen.

Lernen im Netz und vor Ort wird integriert

Dieses "Teleteaching" ist nur eine von vielen möglichen Elementen des sogenannten Blended Learnings, das Lernen im Netz und vor Ort integriert. Viele Universitäten benutzen dafür inzwischen sogenannte Lernmanagement-Systeme wie die Software Moodle: "Moodle bietet den Studierenden ganz gute Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren. Das sind entweder Nachrichtenforen oder Diskussionsforen. Man kann Dateien hochladen und direkt von der Plattform untereinander Nachrichten schicken und auch Bewertungen abgeben. Als Dozent können sie Fragen stellen mit Multiple Choice. Sie sehen, wer wann aktiv war, wer was schon gelesen hat", erklärt Constanze Langer vom Studiengang Crossmedia an der Universität Magdeburg-Stendal.

Dort, so erzählt Langer, werden diese neuen Möglichkeiten für ein neues Lehrkonzept genutzt. Die Studenten müssen nur viermal im Semester nach Magdeburg kommen. 80 Prozent des Studiums können sie in selbstständiger Arbeit von Zuhause erledigen - so lässt sich die berufsbegleitende Weiterbildung besonders effizient organisieren. "Im Idealfall leistet es, dass sie die Präsenzphasen so nutzen, dass sie individuell auf die Studierenden eingehen könnten und die Präsenzlehre wirklich für den Austausch und den Diskurs nutzen. Und nicht die Zeit dafür verschwenden, dass man sich gegenseitig auf den Stand der Dinge bringen muss", so Langner

Verschiedenste Konzepte im Einsatz

An der Universität Hamburg werden schätzungsweise schon 30 Prozent der Veranstaltungen mit E-Learning-Angeboten begleitet. In manchen Seminaren landen nur ein paar Dokumente im Netz; engagierte Dozenten geben ihren Studenten ganz neue Werkzeuge zum Selbststudium an die Hand, erklärt Britta Handtke vom zentralen E-Learning-Büro der Universität Hamburg: "Die Didaktik hat sich auch gewandelt hin zum selbstgesteuertem Lernen der Studierenden. Dass die Studierenden in Foren und Wikis sich selbst bewerten, beurteilen, kritisieren. Da gibt es sehr, sehr viele Konzepte, die umgesetzt werden können mit E-Learning."

Hohe Kosten sind ein Hemmschuh

Für Vizepräsident Holger Fischer liegen die Vorteile auf der Hand: Zum Einen können Studenten in eigenem Tempo und passgenauer lernen - und sie können das Studium besser mit Nebenjobs kombinieren: "Das Blended E-Learning gibt den Studierenden die Möglichkeiten, dann reinzuschauen, wenn sie motiviert sind und Zeit haben. Das ist wirklich eine Erleichterung und Verbesserung." Dass sich das Blended Learning aber noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat, liege wie so oft am Geld, so Fischer: "Man braucht Leute, die das bedienen können und man braucht Hilfestellung für die Aufbereitung des Materials. Das kostet in der Tat viel Geld, und es kostet wahnsinnig viel Zeit, eine Lehrveranstaltung so aufzubereiten. Das Investment zahlt sich erst beim zweiten, dritten, vierten Mal aus."

"Neue Möglichkeiten noch mehr nutzen"

Etwa eine Million Euro jährlich gibt die Uni Hamburg für die zentrale Infrastruktur und E-Learning-Koordination in den Fakultäten aus - das ist weniger als ein halbes Prozent des Haushalts. Und so sieht es an vielen Universitäten aus. Constanze Langer von der Universität Magdeburg-Stendal findet, dass sich die Hochschulen mit den neuen Möglichkeiten stärker auseinandersetzen müssen: "Weil unsere Welt halt digital ist und diese Verknüpfung analog/digital ist nicht aufzuhalten. Diese Medienkompetenz werden wir alle ständig brauchen. Da macht es Sinn, die Technik, die es gibt, auch ins Leben zu integrieren."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.04.2012 | 08:08 Uhr

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