Stand: 16.03.2015 06:55 Uhr  | Archiv

Merkel und Ma eröffnen die CeBIT

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntagabend gemeinsam mit Chinas Vize-Ministerpräsident Ma Kai und Alibaba-Gründer Jack Ma in Hannover offiziell die weltgrößte Computermesse CeBIT eröffnet. Für das Fachpublikum öffnet die Messe heute ab 9 Uhr ihre Tore. Merkel bezeichnete China, das diesjährige Partnerland, als den wichtigsten Handelspartner außerhalb der EU. Chinas Vize-Ministerpräsident Ma Kai versprach, sich dafür einzusetzen, den Schutz geistigen Eigentums bei der Zusammenarbeit mit Deutschland noch mehr in den Fokus zu stellen. Der Gründer-Star Jack Ma prophezeite in seiner Rede, dass in Zukunft nur die Geschäftsideen erfolgreich sind, die vom Benutzer intuitiv bedient werden können. Er überraschte während seines Auftritts, indem er live bei Alibaba eine Briefmarke für Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) kaufte - und per Gesichtserkennung bezahlte.

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In einer Video-Botschaft nannte Chinas Regierungschef Li Keqiang Deutschland einen wichtigen Pionier bei der digitalen Umsetzung der Wirtschaft. China und Deutschland ergänzten sich in hohem Maße. Vize-Ministerpräsident Ma Kai sagte in seiner Rede anschließend, China wolle Hindernisse, die einem globalen Markt im Wege stünden, beseitigen und ein internationales Regelwerk für IT-Sicherheit etablieren. Bundeskanzlerin Merkel sprach sich ebenfalls für eine noch engere Zusammenarbeit aus und forderte faire Spielregeln. Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Gleichbehandllung für Unternehmen in beiden Ländern seien wichtige Rahmenbedingungen. Die Kanzlerin will sich deshalb für die schnelle Umsetzung eines Abkommens zwischen der EU und China einsetzen, das Investoren im Gastland vor staatlicher Bevormundung schützen soll.

Menschenrechtler kritisieren Messe-Partnerland China

Das Partnerland China ist laut Messechef Oliver Frese ein Staat, der großes Potenzial habe, die globale IT-Weltkarte zu verändern: "China gewinnt massiv an Kraft im IT-Sektor". Das Land ist mit 600 Ausstellern in Hannover vertreten und damit laut Frese das bisher stärkste Partnerland. Das Thema Digitalisierung sei dazu aktueller denn je, hieß es weiter. Durch die Digitalisierung entstünden neue Geschäftsmodelle quasi im Minutentakt. Dass ausgerechnet China das diesjährige Partnerland ist, hatte aber bereits im Vorfeld bei einigen für Unmut gesorgt. Und so haben am Sonntag Menschenrechtler in der Stadt gegen Überwachung und Verfolgung im Messe-Partnerland China protestiert. Aktivisten von Amnesty International forderten, politische Gefangene freizulassen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzte sich mit einer Mahnwache für mehr Internetfreiheit in China ein. Amnesty kündigte eine weitere Protestaktion für Montag an. Während der Messe wollen die Menschenrechtler zudem auf großflächigen Plakaten an zentralen U- und S-Bahn-Stationen und in Werbespots im Fahrgastfernsehen des Nahverkehrs auf die Situation von gewaltlosen politischen Gefangenen in China hinweisen.

Sechs Prozent mehr Ausstellungsfläche

Bei der Messe gibt man sich optimistisch, dass die diesjährige CeBIT ein Erfolg wird. Ein seit 2001 anhaltender Niedergang sei gestoppt, sagte Messe-Chef Frese in Hannover. Der Grund: Erstmals wird die CeBIT im Jahr 2015 wieder größer ausfallen als im Jahr zuvor. Insgesamt 3.300 Aussteller aus 70 Ländern sind in diesem Jahr auf der CeBIT vertreten. Das sind zwar genauso viele wie im Jahr 2014 - aber viele Unternehmen werden ihre Stände vergrößern. Die Ausstellungsfläche steigt um sechs Prozent. Die Messe hat sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentriert und die Fachbesucher in den Mittelpunkt gerückt.

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Die CeBIT will diesmal unter dem Kunstbegriff "d!conomy" (digital economy) die zunehmende Durchdringung von Wirtschaft und Gesellschaft durch die Neuerungen der Informationsindustrie thematisieren. Das Kunstwort soll andeuten, wie stark die Trend-Technologien in der digitalen Wirtschaft miteinander verzahnt sind. Die Digitalisierung stellt Unternehmen in Deutschland heute jedoch vor ähnlich große Probleme wie der Fachkräftemangel. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom. Bei der Digitalisierung gehe es heute nicht mehr um einzelne Produkte oder Dienstleistungen, sondern um das große Ganze, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf am Sonntag zum Start der IT-Messe. Der Verband hob seine Wachstumsprognosen für das laufende Jahr an. Der Umsatz wird in der Branche demnach um 1,5 Prozent auf 155,5 Milliarden Euro wachsen. Zuvor gingen die Branchenbeobachter von einen Anstieg um 0,6 Prozent aus.

Neues "digitales Wirtschaftswunder"?

Microsoft hat vor dem Messestart am Sonntag das "enorme Potential" für Unternehmen betont, das jedoch vielfach nicht erkannt werde. Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, sagte am Sonntag in Hannover: "Wir können die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland digital fortschreiben, wenn wir jetzt entschlossen die Voraussetzungen für ein digitales Wirtschaftswunder schaffen." Auch die Telekom spricht vom "Wirtschaftswunder 4.0". Das Unternehmen will über ein Bündnis mit dem Software-Konzern SAP mehr Gewicht bei Standards für die Digitalisierung der Industrie bekommen. Plattformen für Maschinen-Vernetzung und Daten-Auswertung sollen die Telekom zur Anlaufstelle für den Mittelstand machen. Der Konkurrent Vodafone sieht sich bereits als Weltmarktführer. "Wir haben die Marke von 20 Millionen vernetzten Maschinen durchbrochen", sagte Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum am Sonntag in Hannover.

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