Stand: 16.03.2016 15:43 Uhr

Lebendige Litfaßsäulen säubern die Luft

von Oliver Strunk

In der äußersten Ecke der Halle 4 wartet auf die CeBIT-Besucher ein Produkt, das die Arbeit von Bäumen übernehmen soll. Der sogenannte CityTree der Dresdner Firma Green City Solutions säubert die Luft und kühlt die Umgebung. "Ein CityTree hat die Leistung von 275 Bäumen auf nur drei Quadratmetern", erklärt Geschäftsführer Peter Sänger. Gemeint ist damit unter anderem die Feinstaub-Filterleistung. Zudem wird CO2 gebunden, Stickstoff reduziert. Das funktioniert nicht etwa mit hochmodernen Filteranlagen, sondern mit Moos. "Das Moos wächst vertikal in Kulturen und ist so besonders platzsparend", sagt Sänger. Durch die vielen kleinen Moosblättchen arbeite die Kultur auch viel effizienter als ein normaler Baum.

Mooskulturen als Baum-Ersatz auf der CeBIT

Eine Mooskultur als Internet-Hotspot

Damit allein wäre die Firma aber wohl bei der CeBIT fehl am Platz und daher steckt natürlich doch eine Menge Technik in dem CityTree. Zum einen werden die Pflanzen ständig überwacht: Haben sie genug Wasser? Wie sieht es mit den Nährstoffen aus? Wie ist die Umgebungstemperatur? Zum anderen sind die Konstrukte auch Teil des "Internet of Things". Eine Kommune kann die Bildschirme an den CityTrees nutzen, um beispielsweise Informationen wie Busfahrpläne anzuzeigen. Und sie stellen die über Sensoren gesammelten Umgebungstemperaturen auch freizugänglich online. Zudem verfügen sie über WLAN und können als Internet-Hotspots eingesetzt werden.

Asien als wichtiger Zielmarkt

"Wir haben bereits CityTrees in Oslo und in Jena aufgestellt und die Resonanz der Bevölkerung ist großartig", so Sänger. Da auf den Bildschirmen auch immer angezeigt wird, wieviel CO2 bereits gebunden ist, was der CityTree für die Umwelt tut, wüssten die Leute auch sofort, wofür die Mooskulturen gedacht sind. Ein besonders wichtiger Zielmarkt für Sängers Firma ist Asien: "Da ist das Problem Luftverschmutzung viel präsenter als in Deutschland - weil man sie sieht." Zurzeit arbeite man etwa an einer Zusammenarbeit mit Hongkong. "Vor lauter Dreck sieht man dort manchmal kaum den Sonnenuntergang", erklärt Sänger.

Keine Alternative für echte Bäume

Und wenn diese Mooskulturen tatsächlich flächendeckend zum Einsatz kommen? Sieht man dann den Wald vor lauter CityTrees nicht mehr? Sollen sie die echten Bäume ersetzen? "Wir sehen uns als Ergänzung zum vorhandenen Stadtgrün", erklärt Sänger. Die CityTrees sollen die Bäume nicht verdrängen, sondern zusätzlich da zum Einsatz kommen, wo wegen unterirdischer Leitungen oder Schächte gar keine Bäume gepflanzt werden können.

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