Stand: 18.03.2016 12:50 Uhr

Gründer wollen lieber verkaufen als tanzen

von Oliver Strunk

"Was bringt mir eine tolle Party am Abend, wenn ich auf meinem Produkt sitzen bleibe?" Dominic Adenuga ist auf der CeBIT in Hannover und stellt auf der Messe ein Gerät vor, mit dem sich Nutzer im Netz sicherer identifizieren können. CosmoKey heißt das Produkt, Adenuga ist einer von zwei Geschäftsführern der Bielefelder Firma. Er hält nicht viel von dem ganzen Rauch und Rausch, der die Gründerszene umgibt. Mit 349 anderen Start-ups präsentiert er sich in der Halle 11 im Rahmen der CeBIT-Plattform Scale11, die die Messe für die Gründer und mögliche Investoren reserviert hat. Eine gewöhnliche Halle, in kühlem Blau gehalten.

Scale11: Die Start-up-Halle auf der CeBIT

Nischensuche in großen Themenfeldern

Im vergangenen Jahr gab es zusätzlich noch die Plattform CODE_n, die nun eine eigenständige Messe geworden ist. Die CODE_n hatte sich von der übrigen Messe abheben wollen, mit besonders aufwendigen Hallen-Konzepten. Es sollte jung, bunt und laut sein. Für den jungen Gründer Adenuga zu laut. "Haben Sie da mal versucht, sich zu unterhalten?" fragt er und lacht. Das übermachtige CODE_n-Gesamtkonzept habe die Auftritte der kleinen Start-ups überschattet. Da sei ihm die nüchterne Scale11 lieber. Ahnlich denken viele andere junge Start-up-Unternehmer in der Halle 11.

15 Themenfelder für die Gründer

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Ein auf der Messe populäres Themenfeld bei den Start-ups ist "Virtuelle Realitäten".

In der Halle finden sich viele Ideen, mit denen die jungen Geschäftsleute versuchen, Nischen zu besetzen, die von den großen Unternehmen eher stiefmütterlich behandelt werden. Es gibt 15 Themenfelder, in denen die Gründer ihre Plätze gefunden haben, zum Beispiel "Internet der Dinge", "Virtual Reality", "Big Data" und "E-Commerce". Seit Jahren wird etwa das intelligente, vernetzte Haus, das "Smart Home", als Trend angepriesen. Ein französisches Start-up stellt auf der CeBIT nun einen Dimmer für schlaue Häuser vor. Wenn der Nutzer an dem Knopf dreht, wird es heller oder dunkler. Zugegeben: Dem ein oder anderen mag das bekannt vor kommen. Der Clou an dem Dimmer ist aber, dass er völlig draht- und batterielos ist. Per Funk steuert er die Lichter im Haus an, und seinen Strom zieht er aus einem Generator, der allein aus der Drehbewegung des Dimmerknopfes Energie erzeugt.

Big Player machen Big Business

Dem Endkonsumenten erschließt sich der Nutzen vieler Start-up-Ideen nicht unmittelbar. Sie lösen oft Teilprobleme von komplexeren Zusammenhängen. Für die Gründer ist deshalb die Zusammenarbeit mit den großen, etablierten Unternehmen wichtig. Auch diese sind in der Halle 11 vertreten, zum Beispiel die Deutsche Bahn und SAP. Für Gründer Adenuga sind solche Kontakte unverzichtbar. "Erst gestern kamen SAP-Leute hier am Stand vorbei und waren begeistert."

Viel Durchhaltevermögen und ein wenig Glück

Gibt es ein Rezept für den Erfolg eines Start-ups? Wie wichtig sind zum Beispiel Innovationspreise? "Überhaupt nicht, null, gar nicht", so Adenuga bestimmt. "Ich muss möglichst schnell viel Geld machen, mein Produkt verkaufen, sonst geht mir kurzfristig das Geld aus und ein anderes großes Unternehmen übernimmt meine Idee." Dafür bräuchte man zuallerst ein gutes Produkt, das benötigt wird, ein wenig Glück und viel Durchhaltevermögen. Darüber hinaus wünscht er sich aber mehr Offenheit in der etablierten Wirtschaft und Unterstützung aus der Politik. Besonders erfolgreich gelinge das offenbar in Süddeutschland, auch wenn viele die Gründer-Szene in Berlin glorifizierten. Viel und schnell Geld werde aber eher in Bayern gemacht als im klammen Berlin.

Damit Deutschland international nicht den Anschluss verliere im Technologie-Bereich, müssten vor allem viele Entscheider im Mittelstand mehr wagen, so Gründer Adenuga. Dort hieße es oft: "Nette Idee, könnten wir machen, aber ist bis jetzt ja auch immer so gut gegangen."

Rückblick
mit Video

CODE_n: "Wunderbare" Sieger in stylisher Halle

Auf der CeBIT haben die jungen Gründer wieder eine eigene Plattform: CODE_n. Die Start-up-Unternehmen stellen ihre Ideen vor und sind vom Konzept begeistert. (19.03.2015) mehr