Stand: 17.03.2015 18:07 Uhr  | Archiv

5G: Geschwindigkeitsrausch in Echtzeit

von Oliver Strunk
Dieser Versuchsaufbau sieht etwas unordentlich aus und unspektakulär. Laut Vodafone sehen wir hier aber einen Weltrekord. Erstmals werde so auf der CeBIT eine Mobilfunk-Geschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde erreicht.

Auf der CeBIT lernen wir: 5G hat ganz viel mit den fünf olympischen Ringen zu tun. 2018 sind die olympischen Winterspiele in Südkorea, 2020 die Sommerspiele in Japan und diese beiden Jahreszahlen bestimmen zu einem Großteil die Entwicklung des neuen Mobilfunkstandards 5G. "Die Südkoreaner wollen 5G natürlich gerne während ihrer Spiele schon einsetzen, für Japan ist das Ziel 2020", so Dirk Wende, Sprecher der Deutschen Telekom, gegenüber NDR.de. "2020 ist auch unser Ziel für die Einführung von 5G", sagt Wende. Auch Vodafone plant für das Jahr 2020.

Frequenzversteigerung im Sommer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwähnte in ihrer CeBIT-Eröffnungsrede die Versteigerung von neuen Frequenzen für 5G in diesem Sommer, aber laut Telekomsprecher Wende sind diese Frequenzen für die Entwicklung des neuen Standards gar nicht von so hoher Bedeutung. Die technischen Herausforderungen lägen woanders, vor allem im Blick auf die Kommunikation zwischen Maschinen, also zum Beispiel von einem Auto zum anderen. Georg Fettweis, Professor für Nachrichtentechnik an der TU Dresden, arbeitet mit Vodafone zusammen im sogenannten 5G Lab. "Bei der Entwicklung von 5G geht es nicht nur darum, die Energiekosten niedrig zu halten und darauf zu achten, dass die Handys nicht wegschmelzen", so Fettweis am Dienstag in Hannover. "Wichtig ist die Latenz."

Echtzeit-Reaktionen im neuen Netz

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Gerhard Fettweis von der TU Dresden informiert auf der CeBIT über 5G.

Latenz bedeutet Verzögerung und wird in Millisekunden gemessen. Gamer kennen den Begriff von Monitoren oder auch Gamepads. Je geringer die Latenz, desto schneller und besser kann man im Spiel reagieren. "Wir Menschen interagieren in der Wirklichkeit innerhalb von einer Millisekunde", so Fettweis. Diese Latenz wolle man auch beim neuen 5G-Netz erreichen. Daneben sei auch die Synchronität der Datenübertragung wichtig. Falls in einigen Jahren Autos über das Mobilfunk-Netz gesteuert werden, müssten die Daten so gut wie gleichzeitig verteilt werden. Der Geschwindigkeitszuwachs von 5G sei zwar beeindruckend, "der große Schritt wird jedoch sein, Objekte steuern zu können."

5G auf der CeBIT

Vodafone hat auf der CeBIT nach eigenen Angaben erstmals außerhalb eines Labors gezeigt, dass Mobilfunk-Geschwindigkeiten von über 10 Gigabit pro Sekunde möglich sind. Die Anzeige auf dem Vodafone-Monitor schwankte zwischen 10,0 und 10,3. Wie schnell das ist, wird deutlich, wenn man sich klarmacht, dass allein diese Nachkommastelle 300 Megabit pro Sekunde ausmacht: Das ist die momentane LTE-Maximal-Geschwindigkeit.

LTE-Netz wird verbessert

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Die Telekom ist auf der CeBIT noch zurückhaltend mit dem Thema 5G - auf dem Stand findet es gar nicht statt.

Das bestehende LTE-Netz wird vor der Einführung von 5G noch weiter ausgebaut. Besonders viel Geld hat dafür Vodafone in die Hand genommen. Noch vor der Telekom gibt das Unternehmen den Kunden nun die Möglichkeit, über das LTE-Netz auch normale Telefongespräche führen zu können. Auf der CeBIT wurde der Start dieser neuen Technik gefeiert. Vodafone-Netzwerk-Chef Arash Ashouriha erklärte auf der Messe gegenüber NDR.de, dass es schon immer sein Traum gewesen sei, alle Gespräche über das Internet-Protokoll und nicht mehr im normalen Telefonnetz zu führen. Er verspricht stabilere Verbindungen, eine bessere Sprachqualität und auch einen schnelleren Aufbau des Telefonats. "Wenn Sie sich in Zukunft verwählen, wird die Verbindung bereits bestehen, noch bevor sie ihren Fehler bemerken", scherzt Ashouriha.

Die Telekom plant das auch, hat aber noch keinen konkreten Starttermin. "Netz und Geräte müssen harmonieren", so Telekom-Sprecher Wende. Da es zurzeit kaum Geräte gebe, die die Technik unterstützen, wolle man sich noch etwas Zeit dafür nehmen.

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