Stand: 04.11.2013 15:40 Uhr  | Archiv

Preis für fälschungssichere Unterschriften

von Eva Werler
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Der Bio-Pen misst beim Schreiben zum Beispiel den Druck und die Geschwindigkeit.

Besonders in Zeiten von Abhör-Affären fragen sich viele, ob ihre Daten sicher sind. Nicht nur Handys sind abhörbar. Was ist mit wichtigen persönlichen Daten, beispielsweise wenn Bankverbindungen für den Interneteinkauf herausgegeben werden müssen oder auch an der Kasse am Supermarkt, wo die Rechnung des Kassenzettels unterschrieben werden muss. Oftmals geht es schon gar nicht mehr anders, der Kunde oder Verbraucher muss Vertrauen haben, ob er will oder nicht, sonst kann er bestimmte Dinge nicht kaufen, kein Hotelzimmer buchen oder nicht die Karten für ein Konzert bestellen.

Bereits bei der NATO im Einsatz

Einen Teil dieser Sorgen soll ein neuartiger Stift den Verbrauchern jetzt nehmen: Er nennt sich Bio-Pen, die Idee stammt aus England, die NATO setzt ihn bereits ein. Das Sicherheitsunternehmen HKS aus Hardegsen (Landkreis Northeim) überlegt seit sieben Jahren, wo dieser "fühlende Stift" auch in Europa eingesetzt werden könnte. Dafür erhält Firmenchef Heiko Keilholz am Dienstag auf der Euro ID, der internationalen Fachmesse für Identifikation, den Innovationspreis, den so genannten ID-Award. Denn das Unternehmen hat Ideen und Visionen entwickelt, wie der Bio-Pen auch in Deutschland genutzt werden könnte.

"Quasi fälschungssichere Parameter"

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Nur wenn die erfassten Daten mit den gespeicherten Parametern übereinstimmen, gibt der Bio-Pen grünes Licht.

Ein Stift, der erkennt, ob auch der Richtige mit ihm unterschreibt. Ein Stift, der fühlen kann, ob die Unterschrift stimmt, der herausfindet, wenn sie gefälscht wird. Wie funktioniert das? Der Bio-Pen sieht fast so aus wie ein ganz normaler Kugelschreiber. Aber er hat acht hochsensible Mikrosensoren in sich. Diese messen die Parameter des Schreibers, erstellen quasi ein typografisches Gutachten in Rekordzeit. Dabei kommt es noch nicht einmal so sehr auf das Aussehen der Unterschrift an. Viel wichtiger sind andere Faktoren: die Geschwindigkeit, mit der unterschrieben wird, der Druck, der dabei auf die Schreibunterlage ausgeübt wird, der Winkel, in dem der Stift gehalten wird oder auch wo und wie oft der Schreiber absetzt. "Das sind quasi fälschungssichere Parameter", sagt HKS-Geschäftsführer Heiko Keilholz, denn Schreibgeschwindigkeit oder Schreibdruck können nicht von anderen imitiert werden."

Druckkurve entlarvt falsche Unterschrift

Laut Keilholz ist der Bio-Pen zu 100 Prozent fälschungssicher. Eben weil die typografischen und biologischen Parameter wie beispielsweise der Druck, der auf die Schreibunterlage ausgeübt wird, nicht imitierbar sei. Mitarbeiter Tobias Braatz zeigt zur Bekräftigung ein Kurvendiagramm, auf dem der Druck der "echten" und einer gefälschten Unterschrift einander gegenübergestellt wurden. Auch wenn sich die beiden Unterschriften zum Verwechseln ähnlich sehen: Die Druckkurve der gefälschten Unterschrift weicht frappierend von der Originalunterschrift ab.

Jedem seinen Bio-Pen?

Der Bio-Pen ist mit einem Computer verbunden. In dem sind die biologischen Parameter der Handschrift gespeichert. Während der Unterschrift werden die Daten abgeglichen und erst wenn diese miteinander übereinstimmen, wird ein weiterer Zugriff erlaubt. Die Vision des Chefs der Sicherheitsfirma ist es, dass irgendwann jeder Mensch einen Bio-Pen besitzt und sich damit identifiziert, beispielsweise am Bankautomaten oder beim Einkauf im Supermarkt. "Mit dem Bio-Pen wollen wir unsere Welt sicherer machen", so Keilholz.

Noch hohe Herstellungskosten

Zurzeit scheitert das noch an den Kosten: Rund 400 Euro kostet ein Bio-Pen samt Computersoftware. Doch auch Handys waren vor langer Zeit einmal für die meisten unerschwinglich. Wenn der Stift in die Massenproduktion geht, könnte der Bio-Pen eines Tages zwischen 5 und 8 Euro kosten, sagt der Sicherheitsexperte. Dann könnte auch jeder mehrere dieser Stifte besitzen.

Stift soll auch bei Zeiterfassung helfen

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HKS-Mitarbeiter Braatz demonstriert die Funktion des Bio-Pens.

Die Ideen des Sicherheitsunternehmens gehen im Moment noch in eine andere Richtung: Der Stift kann von Unternehmen zur Zeiterfassung ihrer Mitarbeiter genutzt werden. Dass ein Mitarbeiter für den Kollegen "mitstempelt" wäre dann nicht mehr möglich. Oder an Universitäten könnten Studenten durch Unterschrift mit dem Bio-Pen ihre Anwesenheit belegen. "Überall dort, wo bisher eine 'normale' Unterschrift ausreicht, könnte der Bio-Pen zum Einsatz kommen, beispielsweise am Kassenschalter der Bank. Und überall dort, wo ich mich identifizieren muss, durch eine Sicherheitskontrolle gehen muss: am Flughafen, um einen Hochsicherheitstrakt im Gefängnis zu betreten oder um in bestimmte, geschützte Bereich wie das Arbeitszimmer des Chefs zu gelangen", sagt Geschäftsführer Keilholz augenzwinkernd.

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