Stand: 09.07.2014 13:11 Uhr  | Archiv

Uber - die umstrittene Alternative zum Taxi

von Nils Kinkel, NDR Info

Taxifahrer protestieren europaweit gegen ein neues Modell aus dem Internet. Die Online-Plattform Uber vermittelt seit zwei Wochen auch in Hamburg Fahrgäste - ähnlich wie die ebenfalls umstrittene App Wundercar. Die Preise liegen teilweise unter den Taxigebühren. Unklar ist, ob Uber eine Zukunft in Deutschland hat. Die Wirtschaftsbehörde in Hamburg will nächste Woche bekannt geben, ob das Geschäftsmodell verboten wird. In amerikanischen Metropolen wie in New York ist der Fahrdienst sehr beliebt.

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Schnell unterwegs: Arik fährt für den Fahrdienst Uber in New York Kunden von A nach B.

Arik trägt ein schwarzes Hemd und Sonnenbrille. Der Fahrer fährt mit einem großen, schwarzen Auto mit Ledersitzen vor. Auf dem Rücksitz des Wagens ist so viel Platz wie auf einem Sofa. Das Auto hat Jamie im New Yorker Stadtteil Manhattan mit dem Handy bestellt. Zwei-, dreimal drückt er auf die App von Uber, dem Computerprogramm für den Fahrservice. Drei Minuten später steht ein riesiger Geländewagen mit getönten Scheiben vor seiner Haustür. "Die Fahrer sind freundlicher und erfahrener, die Autos sauberer. Die Fahrt ist also entspannter als im Taxi", zählt Jamie die Vorteile auf, die eine Fahrt mit dem von ihm gewählten Limousinenservice Uber Black seiner Meinung nach hat.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

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Fahrgäste wie Jamie sind mit dem schnellen, unkomplizierten Service zufrieden - auch wenn eine Uber-Fahrt mehr kostet als die mit einem normalen Taxi.

Für die Uber-Fahrt ins Büro zahlt er im Schnitt zwar 20 Prozent mehr als für eine Taxifahrt auf derselben Strecke, doch dafür könne er sich auch in Ausnahmesituationen auf den Fahrdienst verlassen: "Wenn es regnet und Du spät abends noch im Büro bist, gerade in Randbezirken, dann kommt Uber auch sofort." Damit bringt Jamie die Nachteile der normalen gelben New Yorker Taxis auf den Punkt. Das Heranwinken in der Rushhour oder im Regen kann ewig dauern. Auf seine Geschäftsidee kam der Uber-Gründer in Paris, als er 30 Minuten auf ein Taxi warten musste.

20 Prozent des Fahrpreises gehen als Vermittlungsgebühr an Uber. Der Preis wird über Angebot und Nachfrage bestimmt. Regnet es in New York, verdoppelt sich der Preis. Die Taxifahrer sind nicht glücklich über die Konkurrenz. Einige haben bereits den Arbeitgeber gewechselt, erzählt Arik auf der Fahrt: "Die gelben Taxis mögen uns nicht. Wir fischen in ihrem Geschäftsbereich", sagt der langjährige Fahrer.

Sind die Fahrgäste ausreichend versichert?

Aber die Wirtschaft verändert sich nun mal. Wie so oft bietet jede technische Entwicklung auch neue Chancen. Als Verlierer sehen sich auch die Taxifahrer in Deutschland, sollte sich Uber in Europa durchsetzen. "Es ist eine Sauerei. Wir verdienen sowieso kaum was. Und es wird natürlich sehr schwer für uns werden", sagt einer von ihnen. Kritik gibt es vor allem am Angebot Uber Pop. Das ist die günstige Variante, bei der auch Privatpersonen mit ihrem eigenen Wagen mitmachen können.

Aber wer kontrolliert die Hobby-Chauffeure? Weder das Finanzamt noch die Autoversicherung bekommt bislang Daten von Uber. Dabei verlangt das Personenbeförderungsgesetz einen ausreichenden Versicherungsschutz für die Fahrgäste. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA sind viele Fragen noch nicht beantwortet, sagt Anwältin Janelle Orsi, die sich auf Fälle der sogenannten Share Economy spezialisiert hat: "Versicherungen können sich eigentlich zurücklehnen und sagen: 'Wir zahlen nicht bei einem Unfall. Wir wussten gar nichts von ihrem Geschäft.'"

Vor allem in Metropolen ist Zeit Geld

Ganz legal geht die Fahrt mit Arik in New York zu Ende. Er hat eine Versicherung, die New Yorker Taxi-Lizenz und den Eignungstest bei Uber bestanden. Wer unzufrieden ist, kann ihn mit Hilfe der App schlecht bewerten. Aric darf dies auch mit den Fahrgästen machen. Bei der Ankunft gibt es von Arik und Jamie jeweils fünf von fünf Sternen.

43 Dollar kostet die Fahrt von Manhattan nach Williamsburg. Zum Vergleich: Mit der Fähre sind es nur vier Dollar. Das Boot kommt aber nur zweimal in der Stunde. Und gerade in New York kann sich das Warten keiner leisten. Zeit ist eben Geld.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 10.07.2014 | 08:08 Uhr

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