Stand: 16.09.2015 17:05 Uhr  | Archiv

Weshalb Verlage Start-ups unterstützen

Weil Werbeerlöse und Aboverkäufe immer weniger Einnahmen bringen, suchen Verlage ihr Glück im digitalen Sektor. Diese Woche hat das Beschleunigungsprogramm Next Media Accelerator in Hamburg Fahrt aufgenommen. Es fördert mediennahe Start-ups mit bis zu 50.000 Euro.

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Max Koziolek (Mitte) und seine Kollegen Jendrik Hoeft (links) und Manfred Stellenberg haben das Start-up Spectrm gegründet.

Zur gewünschten Zeit die gewünschten Nachrichten direkt aufs Handy: Das verspricht das Start-up Spectrm. Einer der Gründer ist Max Koziolek. "Spectrm ermöglicht dir, deine Lieblingsautoren per Whatsapp zu abonnieren", sagt Koziolek. "Du sucht dir einfach Sascha Lobo oder Jakob Augstein aus, sagst uns den und ab sofort verpasst du keinen Artikel mehr."

Mit Programm am Start

Spectrm ist eines von drei jungen Unternehmen, das vom Beschleunigungsprogramm Next Media Accelerator (NMA) unterstützt wird. Das Start-up erhält eine Startfinanzierung von 50.000 Euro. Doch Gründer Koziolek interessiert sich nach eigener Aussage weniger für das Geld. "Der NMA ist der beste Ort, der beste Accelerator in Deutschland, weil wir hier die ganzen Verlagskontakte in Hamburg bekommen können und dann lernen können, wie wir Spectrm am besten nach vorne bringen."

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Mentoren und Geld für Gründer

Zehn namhafte Verlage, wie Gruner + Jahr oder der "Zeit"-Verlag, haben in den Fonds eingezahlt. Außerdem schicken sie Mentoren, die den Gründern wertvolle Tipps geben. Meinolf Ellers, Geschäftsführer einer DPA-Tochter und Mitbegründer des NMA, glaubt, dass sich die Verlage aus zwei Gründen beteiligen. "Auf der einen Seite kommt natürlich jeder und fragt: Kann ich bei Start-ups frühzeitig dabei sein? Kann das vielleicht irgendwann mal eine große Geschichte werden? Kann ich damit viel Geld verdienen?" Aber mindestens genauso wichtig sei die Einsicht, dass Start-ups vielleicht der Schlüssel sein könnten für eine erfolgreiche digitale Transformation von Medienhäusern.

Verlage auf der Suche nach Antworten

Denn Nachrichten sind im Internet überall zu lesen. Die Verlage müssen sich etwas einfallen lassen. Werbeerlöse fallen mager aus und auch das Geschäft mit Abonnenten funktioniert im digitalen Zeitalter weniger gut. Ellers meint: "Dass ein Journalismus sich aus sich selbst heraus finanziert, das hat es noch nie gegeben. Wir müssen nur neue Antworten finden. Dieses digitale Spielfeld ist ein völlig anderes."

Neues Spiel, neues Glück?

Auf diesem neuen Spielfeld bewegen sich Medienunternehmen in viele Richtungen. So hat Gruner + Jahr neben der Beteiligung am NMA einen eigenen Digital-Fonds auf den Weg gebracht. Geschäftsführer Nicolaus Kirschner fördert mit 50 Millionen Euro digitale Unternehmen, die mit klassischem Journalismus wenig zu tun haben. "Wir konzentrieren uns perspektivisch auf Unternehmen, die zum Verlag Gruner + Jahr passen. Das sind Unternehmen aus dem Bereich home and living, fashion and beauty, weibliche Themen wie Familie."

Produktinteresse statt Journalismus

Das Start-up Delinero hat Gruner + Jahr bereits gekauft. Es vertreibt Feinkost, die es im Supermarkt schwer zu kriegen gibt. Produktinteressen statt Journalismus - für Ellers der richtige Ansatz. "Das ist der zentrale Treiber - egal ob für Journalisten, Anzeigenleute, für Verlagsmanager: Wie schaffen wir im digitalen Zeitalter einen so hohen Wert, dass die Menschen bei uns bleiben?" Dennoch fördert der NMA erstmal mediennahe Unternehmen. Ob er ein zweites Facebook hervorbringt, wird sich zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 17.09.2015 | 08:08 Uhr

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