Stand: 29.02.2016 14:28 Uhr

Was Sie über Darknets wissen müssen

von Daniel Moßbrucker, NDR.de

Was versteht man unter Darknet?

Es gibt nicht das Darknet, sondern viele verschiedene Darknets, also "dunkle Netze". Es sind Netzwerke, die auf der technischen Infrastruktur des Internets aufsetzen und es ihren Nutzern ermöglichen, anonym miteinander in Kontakt zu treten und Inhalte auszutauschen.

Wie funktionieren Darknets?

Das Internet ist ein Zusammenschluss vieler verschiedener Netze, das bekannteste davon ist das World Wide Web. Meistens bietet hier ein Server für viele verschiedene Nutzer einen Dienst an, man spricht deshalb vom Client-Server-Modell. Darknets sind anders aufgebaut: Dort treten einzelne Computer direkt miteinander in Kontakt und bilden ein eigenes Netzwerk. In diese sogenannten Peer-to-Peer-Netze kommt dann nur hinein, wer mindestens einen Teilnehmer (möglichst persönlich) kennt. Im besten Fall wissen nur die Mitglieder eines Darknets von dessen Existenz. Deshalb werden Darknets auch als verborgene Seite des Internets bezeichnet.

Wer nutzt Darknets?

Grundsätzlich jeder, der seine Privatsphäre schützen und im Internet anonym bleiben will. Das können Kriminelle sein, aber auch Aktivisten oder Oppositionelle in autoritären Staaten. Betreiber von Darknets geben häufig an, sich gegen Zensur einzusetzen. Es ist extrem schwierig, dort Inhalte löschen zu lassen - selbst wenn dort rechtswidrige Inhalte wie Kinderpornos gezeigt werden.

Was macht Darknets so attraktiv?

Das Zauberwort heißt "Anonymität". Wer in ein Darknet aufgenommen wurde, bekommt mitgeteilt, wie er sich einwählen kann, wann die anderen Nutzer erreichbar sind und wo sie Inhalte finden können. Diese Vorsichtsmaßnahmen werden durch technische Standards während der Nutzung verstärkt: Darknet-User verstecken sich gewissermaßen beim Surfen. Das heißt, ihre Anfragen werden über verschiedene Stellen weitergeleitet, sodass am Ende kaum noch erkennbar ist, wer sie anfangs gestellt hat. Datenübertragungen werden zudem verschlüsselt. Dieser Dreiklang - miteinander bekannte Teilnehmer, anonymes Surfen, Verschlüsselung - macht es für Außenstehende extrem schwierig, Darknet-Nutzer zu identifizieren.

Welche sind die wichtigsten Darknets?

Das bekannteste Darknet ist Freenet (hat nichts mit dem Internetprovider zu tun). Dort gibt es mittlerweile sogar frei abrufbare Websites mit Listen von Links zu Inhalten, die im Freenet zu finden sind. Ebenfalls verbreitet ist der stark anonymisierte I2P-Browser sowie das GNUnet. Für die meisten Darknets müssen Teilnehmer spezielle Software und den Tor-Browser installieren, der anonymes Surfen ermöglicht.

Warum gehen Strafermittler so häufig gegen Darknets vor?

Für Kriminelle ist es verlockend, sich vor Strafermittlern verstecken zu können. Deshalb boomen seit einigen Jahren der Waffen- und der Drogenhandel über Darknets, auch gestohlene Daten werden häufig angeboten. Bezahlt wird meistens mit der digitalen Währung "Bitcoin". Einige Mythen über das Darknet sind aber übertrieben: Auftragsmörder bieten nicht an jeder Ecke ihre Dienste an. Manch angebotenes Produkt ist auch gar nicht vorhanden und soll nur dazu dienen, Interessierten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Kann ich mich dort umsehen - oder ist das schon illegal?

Wer sich in Darknets umsieht, macht sich nicht automatisch strafbar. Es kommt darauf an, wie Sie sich dort verhalten - und genau hier liegt das Problem. Vielen Seiten ist vor dem Aufruf nicht anzusehen, dass sich dort rechtswidrige Inhalte befinden. Auch wer mit Waffen- oder Drogenhändlern den Kontakt sucht, könnte wegen der Vorbereitung einer Straftat belangt werden. 

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