Stand: 23.01.2015 12:14 Uhr  | Archiv

Stratfor-Hack: US-Journalist muss ins Gefängnis

von Andrej Reisin
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Anonymous-Aktivisten benutzen häufig eine Guy Fawkes-Maske zur Tarnung. Hier wurde das Antlitz von Justitia damit verhüllt.

Der US-Journalist Barret Brown, der in den spektakulären Hack des amerikanischen Sicherheitsunternehmens Stratfor verwickelt sein soll, bleibt im Gefängnis. 2011 hatten Hacker des sogenannten "Anonymous"-Kollektivs (dessen Mitglieder oder Nicht-Mitglieder unbekannt sind) gemeinsam mit Hacken der Grupp "LulzSec" die Server mehrerer staatlicher und privater Sicherheitsdienste geknackt, darunter auch Stratfor.

Mehr als fünf Jahre Haft

Brown soll in diesem Zusammenhang als Pressesprecher der Gruppe fungiert, Informationen weitergegeben und die Ermittlungen behindert haben. Am Donnerstag verurteilte ein Gericht im texanischen Dallas den 33-Jährigen zu insgesamt 63 Monaten Haft. Die gut zweieinhalbjährige Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet. Zudem muss Brown Entschädigungen in Höhe von 890.000 US-Dollar zahlen.

Die gehackten Informationen waren auch durch die Plattform Wikileaks verbreitet worden. ZAPP hatte 2012 ausführlich über den Stratfor-Hack und die Verbreitung der gehackten Informationen durch die Plattform Wikileaks berichtet.

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Link zu illegalem Material strafbar?

Besonders brisant für Journalisten ist, dass Brown ursprünglich auch angeklagt war, einen Link zu den gehackten Daten verbreitet zu haben. Wenn allein das Teilen eines Links bereits strafbar wäre, könnten viele Journalisten, die gehacktes oder geleaktes Material als Quellen benutzen, ihre Arbeit allerdings einstellen. Unterstützer Browns sehen daher durch das Urteil die Pressefreiheit gefährdet - allerdings ließ die Staatsanwaltschaft diesen Anklagepunkt fallen.

ZAPP hatte am 21. Januar ausführlich über die Strafverfolgung investigativer Journalisten in den USA berichtet:

Newsroom einer großen Zeitungsredaktion. © NDR

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ZAPP -

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Verurteilung wegen anderer Delikte

Das Gericht befand Brown in drei Anklagepunkten für schuldig: Er wurde verurteilt wegen der Bedrohung eines FBI-Beamten in einem YouTube-Video, wegen des Behinderns einer Hausdurchsuchung, weil Brown einen Laptop vor den Ermittlern versteckte und weil er nach dem Hack die Identitäten der "Anonymous"-Hacker gezielt verschleiert habe.

Der Richter hielt ihm außerdem vor, tiefer in den Hack selbst verwickelt gewesen zu sein, als er vor Gericht zugegeben habe. Brown bestreitet dies und ließ verlauten, er werde nun "investigativ" aus dem US-Gefängnissystem berichten.

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