Stand: 12.08.2015 17:11 Uhr

Mit WhatsApp näher ran an die Hörer und Leser

von Kathrin Drehkopf, NDR Info

Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland haben auf ihren Smartphones oder Tablets den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp installiert. Das sind mehr Nutzer als Facebook oder Twitter hierzulande haben. Darum versuchen auch immer mehr Fernseh-, Hörfunk- und Online-Medien, ihr Publikum auf diesem Weg zu erreichen. Wie funktioniert Journalismus via Whatsapp?

Anfang Mai dieses Jahres: Hunderte Smartphone-Nutzer im Norden erhalten exakt die gleichen WhatsApp-Nachrichten. Darin zum Beispiel kurze Videos, alte Hörfunk-Ausschnitte oder Texte wie diese hier:

"Wenn morgen der Feind Hamburg besetzt, ist dies die schwerste Stunde meines Lebens."

"Britische Bomber haben den ehemaligen Luxusliner 'Cap Arcona' vor der Küste von Neustadt angegriffen und versenkt. Mehr als 7.000 KZ-Häftlinge kamen ums Leben."

Ein "historischer Nachrichtenticker" erzählte aus Anlass des Kriegsendes vor 70 Jahren sieben Tage die Ereignisse von damals nach. Christian Hinkelmann hatte dafür in Archiven recherchiert und insgesamt 80 Meldungen erarbeitet. Der Hörfunkjournalist beim NDR Radioprogramm N-JOY wollte die Ereignisse von damals den jungen Hörerinnen und Hörern nahe bringen: "Und zwar so, dass es keine Pflichtveranstaltung ist, sondern, dass sich ein junges, norddeutsches Publikum dafür begeistern kann."

N-JOY Projekt

Liveticker zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren

Verfolgt das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung Norddeutschlands vor 70 Jahren im Nachrichten-Ticker. mehr

"Wir haben die Chance, sehr viel Aufmerksamkeit zu erlangen"

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Christian Hinkelmann hat für N-JOY einen "historischen Nachrichtenticker" via WhatsApp umgesetzt.

Hinkelmann probierte für das Geschichts-Projekt mit dem "Chronik-Ticker" WhatsApp als neuen Kommunikationskanal aus. Die entsprechende App für Kurzmitteilungen habe fast jeder junge Smartphone-Besitzer installiert. "Wir kommen mit unseren Nachrichten direkt in die Hosentaschen der Leute. Und dann auch noch auf den Startbildschirm des Smartphones. Das heißt, die holen ihr Handy raus und sehen als erstes unsere Nachricht. Wir haben also die Chance, sehr viel Aufmerksamkeit zu erlangen", zählt der N-JOY-Formatentwickler die Vorteile auf, die man via WhatsApp nutzen konnte.

Rund 2.500 Nutzer haben bei der Aktion mitgemacht. Vor Beginn hatten sie sich mit ihrer Handynummer auf der N-JOY-Internetseite dafür registriert. Dort haben die Teilnehmer auch einen Datenschutzhinweis bekommen, da WhatsApp eine Tochter des sozialen Netzwerks Facebook ist.

Zeitungen bieten News-Service an

Neben N-JOY setzen auch immer mehr andere Medien auf den neuen Kanal: etwa die "Neue Osnabrücker Zeitung", die "Wilhelmshavener Zeitung", oder der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag. Sie alle bieten einen News-Service an, der die wichtigsten Themen des Tages via WhatsApp-Nachricht auf das Handy angemeldeter Nutzer schickt.

Zusätzliche Arbeit durch Kommunikation mit den Hörern

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Lars Reppesgaard warnt davor, den Usern immer weitere Inhalte kostenlos anzubieten.

Der Hamburger Medienberater Lars Reppesgaard warnt Verlage aber davor, nicht erneut den Fehler zu machen, Inhalte quasi kostenlos anzubieten: "Dafür, dass jemand eine Nachricht von mir auf WhatsApp liest, kriege ich nicht einen Cent. Wenn der Nutzer mir zeigt, dass er meine Inhalte interessant findet, dann muss ich sehen, dass er auf meine Webseite kommt. Dort muss die sogenannte Reise des Kunden weitergehen." Zum Beispiel könnten ihm kostenpflichtige Zusatzinhalte angeboten werden.

Nicht zu vergessen sei laut Reppesgaard, dass WhatsApp auch mehr Arbeit für die Redaktionen bedeute, da der Nutzer auf die Mitteilungen der Medien auch antworte. Die WhatsApp-Kommunikation dürfe nicht als Einbahnstraße verstanden werden: "Ich kann es mir nicht leisten, Inhalte einfach nur rauszuschieben. Ich muss die Ressourcen, ein Konzept und einen Plan haben, für die Antworten, die da kommen."

Via WhatsApp geht's direkt ins Programm von N-JOY

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In der N-JOY Redaktion liegt ein Smartphone mit externer Tastatur, über das die Mitarbeiter via WhatsApp mit den Hörern kommunizieren.

Bei N-JOY, der jungen Hörfunkwelle des Norddeutschen Rundfunks, ist dieser Plan bereits umgesetzt. In der Redaktion liegt ein Extra-Smartphone nur für die WhatsApp-Nachrichten von Hörern. Außerdem können die Moderatoren zum Beispiel bei Höreraktionen direkt aus dem Sendestudio auf WhatsApp zugreifen. Grüße und oder Mitteilungen der Hörer können so bei Bedarf schnell und direkt im N-JOY Programm landen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 13.08.2015 | 08:08 Uhr