Stand: 25.09.2014 11:41 Uhr  | Archiv

MetaGer ermöglicht spurenlose Suche im Netz

von Eric Klitzke
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Die Metasuchmaschine MetaGer sammelt anders als Konkurrent Google keine Nutzerdaten.

Was wäre das Internet ohne Suchmaschinen? Wie könnte ein Nutzer die vielen Seiten aufspüren, die sich auf sein Stichwort beziehen, wenn er sie nicht googeln könnte? Spätestens seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden surft aber bei manchem ein mulmiges Gefühl mit. Auf US-Servern ist kaum ein Datensatz vor dem Zugriff amerikanischer Geheimdienste sicher. Und natürlich haben auch Marktführer Google sowie Bing und Yahoo ein großes Interesse an den Daten ihrer Nutzer. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap zufolge sehen rund 50 Prozent der Deutschen ihre Grundrechte durch die Überwachung im Internet verletzt. Dabei gibt es durchaus Alternativen zu den Datenkraken: eine davon ist die Metasuchmaschine MetaGer. Entwickelt wird sie in Hannover.

Sechs Kriterien zum Schutz der Privatsphäre

Viele Experten halten MetaGer für die sicherste unter den Suchmaschinen. Anfang des kommenden Jahres erscheint die mittlerweile dritte Generation. Momentan läuft der öffentliche Beta-Test. Genau genommen ist MetaGer ein Metacrawler, der andere Suchmaschinen wie Google, Yahoo und Bing abfragt, deren Ergebnisse bewertet und gewichtet. Das Besondere an MetaGer ist, dass die Privatsphäre des Nutzers bei der Suche geschützt ist. Um das zu erreichen, hat Wolfgang Sander-Beuermann, Geschäftsführer des MetaGer Trägervereins SUMA-EV, sechs Kriterien entwickelt.

Kein Tracking, kein Datensammeln

Wichtig ist für Sander-Beuermann zum einen, dass die Besitzverhältnisse geklärt sind. Eine Suchmaschine, die von einer Briefkastenfirma in der Karibik geführt werde, scheide aus, da die Integrität des Betreibers nicht überprüft werden könne. Außerdem müssen ihm zufolge die Server in einem Land beheimatet sein, das nicht dem US-amerikanischen Patriot Act oder vergleichbaren Gesetzen unterworfen ist, die den Behörden den Zugriff auf alle Daten gestatten. Ein weiter wichtiger Punkt für den Experten ist, dass keine personenspezifischen Daten wie IP-Adresse oder Browser-Fingerprints gespeichert werden. Auch Nutzer-Tracking, etwa über Cookies, sei tabu. Weiterhin müsse ein Zugang zu der Suchmaschine über das Tor-Netzwerk existieren, das einen besonders hohen Schutz der Anonymität bietet. Zu guter Letzt müsse die Suchmaschine selbst in der Lage sein, über einen anonymisierenden Proxy Zugriff auf Ergebnisse zu bieten.

Individuelle Suchmaschine für jeden Nutzer

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Auf der klassischen Seite von MetaGer können Nutzer unter verschiedenen Optionen wählen. (Screenshot)

Das Interface von MetaGer ist dabei eher auf Experten zugeschnitten. Die Urteile reichen von "versatil" über "kompliziert" bis hin zu "einschüchternd". Nutzer können bei dem Metacrawler aus einem Pool von 40 deutschsprachigen und internationalen Suchmaschinen auswählen. Sie können wissenschaftliche Quellen oder PDF-Dokumente in der Rangliste bevorzugen und die Suchzeit auf 200 Sekunden einstellen, um besonders intensiv zu suchen. Der Nutzer kann sich so seine eigene persönliche Suchmaschine auf den Leib schneidern.

Neue Version für weniger versierte Nutzer

Die Vielzahl von Optionen, die jeden Internet-Geek vermutlich in Verzückung versetzt, wirkt auf den durchschnittlichen Computernutzer aber eher abschreckend. Um mal eben den neuen Arbeitskollegen im Netz zu suchen, wollen viele eben nicht zehn Minuten lang die Optionen studieren. Mit der neuesten Version, MetaGer3, wollen die Entwickler nun aber gezielt auch weniger versierte Nutzer ansprechen. In ihrer Schlichtheit kann die Version es mit Google aufnehmen. Für die Zukunft plant SUMA-EV, parallel MetaGer3 extended für Experten anzubieten. Sander-Beuermann nennt das augenzwinkernd eine akademische Tradition: "Kompliziertheit ist ein Wert an sich."

"Server steht an einem der sichersten Orte der Welt"

MetaGer ist ein Veteran unter den Metasuchmaschinen. Die erste Version wurde schon im April 1996 entwickelt, damals noch unter der Ägide der Leibniz Universität Hannover. Seitdem befinden sich die Server im Regionalen Rechenzentrum Hannover, "einem der sichersten Orte der Welt vor Hackern und unberechtigtem Zugriff", sagt Sander-Beuermann. 2005 entstand der Nachfolger namens MetaGer2, ein Metacrawler, der jedes Ergebnis zum Zeitpunkt der Suchanfrage noch einmal überprüft und dadurch "tote" Links ausschließt. 2012 übernahm der Verein SUMA-EV die Pflege und Weiterentwicklung von MetaGer. Seit 2013 arbeiten die Experten nun an der dritten Generation der Suchmaschine. Für Anfang 2015 ist die Veröffentlichung von MetaGer3 geplant.