Stand: 23.09.2015 16:57 Uhr  | Archiv

Jugendportale: Verlage wollen junge Nutzer

Der Druck auf deutsche Medienhäuser wächst: Ihre Online-Inhalte werden zunehmend nicht mehr über die eigenen Homepages erreicht, sondern über die Posts und die Verlinkung in sozialen Medien. Der Grund: "Das, was das Internet für die Menschen ist, hat sich einfach verändert", sagt der Chefredakteur von "Bild.de", Julian Reichelt: "Da gibt es ein völlig neues Leseverhalten. Das hat sich fragmentiert Die Leute haben andere Einstiegsszenarien in journalistische Angebote. Sie kommen zum Beispiel über Facebook und Twitter." Und dem wolle sich Bild anpassen.

Die eine große Webseite reicht nicht mehr - auch nicht als Werbefläche, um Redaktionen zu finanzieren. Scott Lamb von Buzzfeed International drückt es so aus: "Das derzeitige Nutzungsverhalten von klassischen Onlineseiten zu sozialen Medien ist ebenso bedeutend wie die Entwicklung von Print zu Online."

Verlage gehen dahin, wo die Nutzer sind

Und so gehen die Medienhäuser und Verlage also dorthin, wo ihre Nutzer und Zielgruppen bereits sind: Zu WhatsApp, Snapchat, Instagram, Facebook oder Twitter. Einige Medien veröffentlichen ihre Inhalte sogar komplett auf Facebook - in sogenannten "Instant Articles".

"Spiegel“ und "Bild“ gehören in Deutschland zu den ersten, die Nutzer gar nicht mehr weg Facebook von auf ihr eigens Portal locken wollen: "Wir glauben, dass es keinen Sinn mehr macht, an Plattformen festzuhalten wie zum Beispiel nur der stationären Webseite, nur dem Browser die von sehr vielen Menschen auf der Welt schlicht nicht mehr aufgerufen wird“, sagt Julian Reichelt.

Viele neue Web-Formate

Fast alle großen Verlage arbeiten an jungen Formaten: "Byou" heißt es bei "Bild.de", "ze.tt" bei "Zeit Online", mit "Bento" will "Spiegel Online" demnächst punkten und "Bnow" heißt das Lifestyle-Pendant von "Bunte.de". So sollen jüngere Zielgruppen auf die Verlagsinhalte gestoßen werden. Diese sind zumeist bunt und flippig, das amerikanische "Buzzfeed" dient bei vielen zumindest indirekt als Vorbild.

Die klassische Homepage ist gerade im Hinblick auf jüngere Zielgruppen dagegen ein Auslaufmodell. Ob die neuen Formate beim Publikum ankommen, bleibt abzuwarten. Das Rennen um Millionen junger Nutzer ist jedenfalls eröffnet.

Weitere Informationen

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ZAPP | 23.09.2015 | 23:20 Uhr