Stand: 09.12.2014 07:22 Uhr  | Archiv

Jörg Friedrich und die Suche nach Vernunft im Netz

Der Mensch in der modernen Gesellschaft ist vernetzt. Netzwerke versorgen uns mit Informationen, wissen auf jede Frage eine Antwort und schaffen Klarheit, wenn diese gefragt ist. Kurzum: Ohne Netzwerke sind vernünftige Entscheidungen eigentlich gar nicht möglich. Das zumindest meint Jörg Friedrich. Der Philosoph und Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach der Vernunft im Netz zu fahnden. Dabei ist er auf eine Vision gestoßen, die große Herausforderungen, aber auch Chancen birgt. Montagabend hat er im Pavillon in Hannover mit Jürgen Kuri, dem stellvertretenden Chefredakteur des Computermagazins "c't", und dem Publikum darüber gesprochen.

Wenn sich die Vernunft ins Netz verlagert

Auch Jörg Friedrich nimmt das Internet in den Fokus. Doch es sind andere Fragen, die ihn umtreiben. "Wann wird das Internet vernünftig?", fragt der Philosoph plakativ. Denn er sieht die Netzwerke, und ganz besonders das Internet, als eine Erweiterung des menschlichen Geistes. Somit verlagere sich auch die Vernunft selbst in das Netz. Die Vernunft wäre dann aber nicht länger nur Alleinstellungsmerkmal einer biologischen Art, sondern gleichwohl Attribut eines technischen Netzes, an das wir uns anschließen. Eine zentrale These des Philosophen lautet: "Diese freie Vernunft, die sich vernetzt und Netzwerke nutzt, ohne sich an diese zu verlieren, wird im digitalen Zeitalter nicht überflüssig, sondern immer wichtiger." Festgehalten hat Friedrich seine Überlegungen in dem Telepolis-Buch "Die vernetzte Vernunft", das 2012 im Heise Zeitschriften Verlag erschienen ist.

In der vorherigen Veranstaltung der Reihe "Netztalk" hatte Internet-Experte Sascha Lobo über das Netz und die digitale Kluft sinniert. Das IT-Nachrichtenportal "heise online" und der Pavillon führen diese Reihe zu aktuellen und hintergründigen netzpolitischen Themen als Teil des Projektes "upgrade Pavillon" weiter.