Stand: 07.10.2015 16:00 Uhr

Googles Beschleunigungsprogramm für Handy-Surfer

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Google verspricht eine Open-Source-Initiative, von der alle Beteiligten profitieren.

Zeitungsverlage und andere Internet-Häuser wollen künftig gemeinsam mit Google entwickelte Programmcodes benutzen, damit Artikel, Bildergalerien, Videos und andere Inhalte schneller auf dem Schirm des Nutzers erscheinen. Es ist das erste sichtbare Ergebnis von Googles angekündigter Partnerschaft mit europäischen Zeitungsverlagen, der Digital News Initiative, die Google im April angekündigt hat. Mit an Bord sind bei diesem Schritt die "FAZ", "Guardian", "New York Times" und "La Stampa".

Ziel sind vor allem Nutzer, die mit Tablet oder Smartphone unterwegs sind: "Accelerated Mobile Pages" heißt das Projekt. Unter einer Open-Source-Lizenz sollen Bausteine für Videoplayer oder Bildergalerien zur Verfügung gestellt werden, die schneller laden, weil sie auf bereits vorgeladene oder bei Google-Servern zwischengespeicherte Programmcodes zurückgreifen. "Unabhängig davon, auf welchem Gerät sie aufgerufen werden", verspricht Google. So könnte bei den Ergebnissen der Google-Suche direkt eine Vorschau des Artikels angezeigt werden, die beim Anklicken scheinbar mühelos sofort den kompletten Beitrag anzeigt.

Das gleiche Ziel wie Instant Articles von Facebook

Das von Google initiierte Beschleunigungsprogramm greift wiederum auf Bestandteile der Technik AMP HTML zurück, die laut Google auch andere Web-Unternehmen wie Twitter oder LinkedIn einsetzen. Nicht auf der Liste in der Pressemitteilung: Facebook und Apple. Die beiden Google-Konkurrenten haben mit Instant Articles (Facebook) und Apple News ähnliche Programme gestartet, bei denen Medienhäuser ihre Inhalte an die jeweiligen Vorgaben der Plattform anpassen und dafür schneller geladen werden. Bei Facebook werden die Artikel auch auf den Seiten der Plattform selbst gespeichert - ein Grund für manche Medienhäuser, davor zurück zu schrecken, weil sie sich dem Diktat des Plattformbetreibers nicht unterwerfen wollen.

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Bei Google dabei, bei Facebook skeptisch: "FAZ"-Digitalchef Blumencron.

Google verspricht einen offeneren Ansatz: Welche Bedingungen hier an die schnellere Ausspielung geknüpft sind, ob diese eventuell vom Browser Chrome oder der Datenübertragung an Google-Dienste abhängen, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Mehrfach herausgestellt wird hingegen die Möglichkeit, über Accelerated Mobile Pages auch Werbeanzeigen schneller darstellen zu können. Googles Versprechen: Das gilt nicht nur für seine eigenen Anzeigen, sondern auch die anderer Werbenetzwerke.

Auch die Facebook-skeptische "FAZ" ist dabei

Die offerierten Bedingungen haben auch die "FAZ" überzeugt, die bei Facebooks Instant Articles erst einmal skeptisch blieb. "Wir erwarten, dass dieses Projekt die Abrufe unserer mobilen Seiten deutlich erhöht. Wir werden genau beobachten, wie sich die Initiative auf unsere Werbeeinnahmen auswirkt", erklärt Mathias Müller von Blumencron, Digitalchef der "FAZ". Spannend wird sein, ob die Beschleunigungstechnik in irgendeiner Weise auch den vielen, vielen Nutzern hilft, die Artikel über die Facebook-App auf ihrem Handy konsumieren. Prognose: Da bleibt die Konkurrenzinitiative erst einmal ausgebremst.