Stand: 02.10.2014 06:00 Uhr  | Archiv

Gegen Einsamkeit: Hat Seniorbook eine Chance?

Seit zwei Jahren versucht das Münchner Unternehmen Seniorbook Menschen miteinander zu vernetzen, die in ihrem Leben bereits 50, 60 oder 70 Mal Geburtstag hatten. Seniorbook ist ein Netzwerk speziell für ältere Nutzer. Das klingt erst mal nach einer spannenden Idee. Aber kann das funktionieren?

Von Daniel Bouhs, NDR Info

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Seniorbook versucht, ältere Menschen zu vernetzen.

Ein Büro in der Münchner Innenstadt - beste Lage. Hier tüfteln vor allem junge Mitarbeiter an einem sozialen Netzwerk für Senioren. Vor zwei Jahren sind sie angetreten, ältere Menschen zu vernetzen. Menschen, die Marketingexperten oft als "Silver Surfer" abtun - ergraute Internetnutzer.

Thomas Bily, einer der beiden Gründer und Vorstände der Seniorbook AG, aber sieht genau hier die Zukunft. "Es gibt diese Phase, wo man noch mal die Ärmel hochkrempelt und sagt: Jetzt will ich es noch mal wissen, jetzt habe ich Zeit, jetzt habe ich vielleicht sogar ein bissel’ Kleingeld. Und ich habe vor allem auch keine Angst mehr. Es gibt ja auch den alten Spruch: Alte Leute sind gefährlich, weil sie keine Angst mehr haben."

Jeder soll mit jedem diskutieren

Verglichen mit Facebook wirkt Seniorbook aufgeräumt. Das Netzwerk redet seine Nutzer mit einem gepflegten "Sie" an statt zu duzen. Und nicht zuletzt spielen hier klassische Pinnwände und Foren eine Rolle: Jeder soll mit jedem diskutieren statt sich - wie bei Facebook - vor allem mit Nutzern zu unterhalten, die er schon kennt. "Wir bieten wie im richtigen Leben Anlässe als wäre es quasi auf dem Marienplatz oder Hamburger Mönckebergstraße. Da wird etwas veröffentlicht und manche scharen sich eben um ein Bild und lernen sich über dieses Bild oder über diese Diskussion kennen."

Und tatsächlich: Schnappschüsse, die Nutzer auf der öffentlichen "Fotowand" eingestellt haben, oder Notizen auf dem "Schwarzen Brett" lösen teils Hunderte Kommentare aus - vieles wiederum fast nichts.

Kann das funktionieren? Immerhin war mit StudiVZ hierzulande schon mal ein Spartenportal groß, hat inzwischen aber fast alle Nutzer an Facebook verloren. Und das deutsche Netzwerk "Wer kennt wen" hat im Sommer sogar ganz aufgegeben.

Experte ist skeptisch - aber Gründer optimistisch

Jona Hölderle berät Vereine und Verbände bei der Frage, auf welche sozialen Netzwerke sie setzen sollen. Hölderle ist ein Freund der Mitmach-Portale im Netz. Bei Seniorbook ist der Berater skeptisch. "Seniorbook ist auch einfach ein anderes soziales Netzwerk, was versucht sich mit der speziellen Zielgruppe Senioren und einer vielleicht etwas einfacheren Funktion umzusetzen. Da ist sozusagen, wenn die es nicht schaffen eine wirklich eigene Community anzusprechen, wenig zu holen."

Glaubt man indes den Machern, dann wächst Seniorbook. Bily spricht von 140.000 aktiven Nutzern, 200 neuen pro Tag. Mit Werbung könnten die laufenden Kosten gedeckt werden. Und Gruß-Botschaften könnten bald weitere Einnahmen bringen. Eine richtig schöne Summe, auch Seniorbook will mit der Vernetzung eben vor allem eines: Geld verdienen. Doch ein Portal aus Deutschland, das sich auf Dauer nicht zuletzt gegen Facebook behauptet - das wäre gewiss eine kleine Sensation.

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NDR Info | Netzwelt | 02.10.2014 | 08:08 Uhr