Stand: 17.09.2014 20:24 Uhr

Fragwürdige Jugend-Nachrichten im Netz

von Steffen Grimberg

Die Szenerie taugt zur Realsatire, ist aber leider bitterer Ernst: Jugend-tv.net präsentiert sich mit jungen Moderatorinnen und Moderatoren selbstbewusst als Internet-Angebot, das harte Themen wie Kriege, Staatsverschuldung und ganz allgemein "politische Zusammenhänge" verständlich für eine junge Zielgruppe aufbereiten möchte. Tatsächlich ruft der zum Umfeld des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek gehörende Telemediendienst jetzt die Jugendschützer auf den Plan.

Jugend-tv.net macht sich formal stark gegen Medienzensur und einseitige Berichterstattung, leistet aber genau dies: 14-jährige Mädchen verlesen treuherzige Pamphlete, in denen dazu aufgefordert wird, den "Mainstream-Medien" nicht zu trauen. So wird in einem Beitrag auf den Umstand abgehoben, dass viele Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender nach sieben Tagen aus den Mediatheken offline gestellt werden. Dass dies durch medienpolitische Vorgaben so gesetzlich vorgeschrieben ist, wird dabei nicht erwähnt. Jugend-tv.net suggeriert vielmehr, dass es sich hierbei um einen perfiden Akt von "Zensur durch die Hintertür" handele.

Jugendaffine Präsentation

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In den Videos werden Kinder und Jugendliche direkt angesprochen.

Jugendschützer wie der stellvertretende Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle  Multimedia (FSM), Martin Drechsler, sehen in Jugend-tv.net besonders für Kinder und Jugendliche eine Gefahr, da die skurrilen Inhalte und Verschwörungstheorien auf jugendaffine Weise präsentiert werden. "Die Nutzer werden geduzt und direkt angesprochen. Das ist von der Machart ähnlich wie bei richtigen Jugendnachrichten, zum Beispiel im Kinderkanal von ARD zu ZDF". Diese direkte Ansprache sorge für einen Bezug zur kindlichen Lebenswelt und führe durch ihren Appell-Charakter zu "sozialethischer Desorientierung". Den Kindern und Jugendlichen falle es "dann schwer, selbst und kritisch zu hinterfragen, was ihnen dort präsentiert wird".

Laut Impressum der Website von Jugend-tv.net sitzt das Angebot im sächsischen Wachau-Leppersdorf bei Dresden. Gegenüber ZAPP wollte sich die im Impressum als für das Telemedienangebot verantwortlich genannte Katharina Wolff nicht zu den Vorwürfen äußern. Per Fax teilte Jugend-tv.net mit, dass "derzeit viel Böses durch die Medien läuft" und "auf unserem Sender schon alles gesagt ist".

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 17.09.2014 | 23:20 Uhr

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