Stand: 16.03.2017 11:14 Uhr

Faktenprüfer in den USA setzen auf Computerhilfe

von Jan Bösche, ARD-Korrespondent in Washington
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Beim Enttarnen von Fake-News sollen zukünftig Computerprogramme Analysten unterstützen.

Faktenprüfer haben Konjunktur in den USA. Nicht erst seit dem hitzigen Wahlkampf gibt es zahlreiche Angebote, die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und erklären, welche Fakten es gibt und welche stimmen. Bei der Konferenz "South by Southwest" in Austin diskutierten die Faktenprüfer darüber, wie Computersysteme ihre Arbeit unterstützen können.

Software wertet auch Fernseh-Untertitel aus

Bill Adair ist Gründer von PolitiFact, einer preisgekrönten Seite in den USA: "Wir machen Fortschritte: Entscheidende Dinge sind schon erledigt, aber wir sind noch weit entfernt vom völlig automatisierten Fakten-Checken." Der britische Dienst Full Fact arbeitet an mehreren Softwarelösungen, die das Fakten-Überprüfen erleichtern. Ein Dienst verfolgt, wann und wo eine falsche Behauptung auftaucht. Dafür wertet er Internetseiten aus, aber auch Fernseh-Untertitel. Mevan Babakar von Full Fact erklärt den Dienst am Beispiel der Behauptung, im britischen Verteidigungs-Budget klaffe ein Milliarden Pfund großes Loch. Darüber wurde wochenlang debattiert, es gab aber keine Belege. "Wir gaben das in unser System ein und fanden heraus, dass über die Hälfte der Vorfälle von einem Mann stammten. Mein Job war plötzlich nicht mehr, jeden Vorfall zu finden, sondern mit Frederik Fullsight zu sprechen und zu sagen: Stop!", sagt Babakar.

An der Universität von Texas wurde der Dienst Claimbuster entwickelt. Er analysiert Reden und findet Tatsachen-Behauptungen, erklärte Chengkai Li: "Wir haben ein System, das jeden Satz danach bewertet, ob er es wert ist, dass seine Fakten überprüft werden." Mit der Bewertung können Faktenprüfer dann entscheiden, wo sie mit der Arbeit anfangen.

Datenanalyse muss weiterhin von Menschen gemacht werden

Alle diese Dienste erleichtern die Arbeit, aber sie erledigen sie nicht. PolitiFact-Gründer Adair sagt, dafür seien Computersysteme noch nicht intelligent genug: "Sie können eine Vielzahl von Dokumenten durchsuchen und Dinge finden, Zusammenhänge finden, für die Menschen nicht die Geduld haben. Die meiste Analyse ist aber noch zu komplex, zu nuanciert für Computer." Darum gibt es zwar schon Systeme, die in Echtzeit Donald Trumps Rede vor dem Kongress mit Analysen von Faktenprüfern verknüpfen - diese Analysen müssen aber vorher von Menschen geschrieben worden sein.

Faktenchecks sollen möglichst viele Menschen erreichen

Präsident Trump hält die Faktenprüfer in den USA ziemlich auf Trab. "Donald Trump mag Faktenprüfer, wenn es ihm nützt. Im Wahlkampf war er auf unserer Seite, als wir auf Hillary Clintons Fehler hinwiesen. Den Rest der Zeit beschimpfte er uns. Er ähnelt anderen Politikern: Sie lieben uns, wenn es ihnen passt", sagt Adair. Gleichzeitig bedauert er, dass es viele Leute gebe, die sich weigerten, die Ergebnisse der objektiven Faktenprüfer anzuerkennen. Das Ziel von Adair: Mit neuen Diensten sollen die Ergebnisse ihrer Faktenchecks möglichst weit verbreitet werden. Auch dabei sollen automatisierte Systeme helfen.

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NDR Info | Netzwelt | 16.03.2017 | 08:08 Uhr

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