Stand: 14.12.2016 23:20 Uhr

Facebook braucht einen Chefredakteur

Facebook braucht dringend einen Chefredakteur. Bisher hat es bekanntlich nur einen Chef: Mark Zuckerberg. Der hat 2014 mal gesagt, sein Ziel sei die "perfekte personalisierte Zeitung für jeden". Eben Facebook - beziehungsweise jene Mischung aus Nachrichten, Witzbildern und Fotos von Freunden, die uns Nutzern dort anzeigt werden. Zusammengestellt von einem Algorithmus, nicht von Redakteuren.

Fiete Stegers, NDR-Onlineredaktion © NDR

Kommentar: Facebook braucht einen Chefredakteur

ZAPP -

Facebook ist nicht neutral, sondern greift bei Inhalten ein. Was es dringend braucht: Einen Profi, der solche Entscheidungen trifft, transparent macht und verteidigt.

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Die Regeln der Gemeinschaft bestimmt Facebook allein

Doch das Unternehmen Facebook trifft längst jeden Tag tausendfach inhaltliche Entscheidungen. Wenn es Beschwerden gibt, prüfen namenlose Kontrolleure, welche Kommentare, Fotos oder Video stehen bleiben dürfen und welche gelöscht werden. Richtschnur dafür sind Facebook sogenannte Community Guidelines. Aufgestellt wurden die aber nicht von der Nutzergemeinschaft, sondern allein von Facebook, nach eigenen, kalifornisch geprägten Maßstäben.

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Facebook-Gründer will die "perfekte personalisierte Zeitung" bieten, aber kein Chefredakteur sein.

Und im Zweifel entscheiden eine Handvoll oberer Manager und Zuckerberg selbst. Nämlich dann, wenn Facebook bei Sperrungen mal wieder mal so unzweifelhaft daneben liegt, dass sich größerer öffentlich Protest regt. Zum Beispiel, wenn ein weltbekanntes Bild verbannt wird, weil darauf ein nacktes Kriegsopfer zu sehen ist.

Natürlich ist es für Facebook bequem, sich auf den Standpunkt zurückzuziehen: Wir stellen nur die Plattform zur Verfügung - ganz neutral. Was damit geteilt wird und veröffentlicht wird, entscheiden unsere Nutzer. Das hat zum einen juristische Gründe: Facebook ist so nicht haftbar. Zum anderen könnten autoritäre Regierungen sich sonst ermuntert fühlen und gleich eine komplette Vorzensur aller Beiträge fordern, wenn die Infrastruktur dafür steht. Das will niemand.

Auch technisch wird gefiltert

Aber Facebook ist eben nicht komplett neutral, Facebook filtert längst – auch durch Technik. Über Software, die Pornographie erkennt und künftig auch Terror-Propaganda herausfiltern soll. Auch beim Identifizieren von Fake News soll künftig ein Algorithmus helfen - und bekannte Medienmarken durch ihre Faktenchecks. Aber wer wählt wiederum aus, welche Medien als glaubwürdig gelten? Und welche von Facebook als bevorzugter Partner gepusht wird?

Für letzteres hat Facebook gerade eine Stelle als "Head of News Partnerships" für einen erfahrenen Medienmanager ausgeschrieben. Aber das reicht nicht: Zuckerberg muss endlich dazu stehen, dass Facebook als Plattform eben nicht so neutral ist wie ein Telefonnetz. Und darum benötigt Facebook einen Profi, der inhaltliche Entscheidungen treffen kann. Und der vor allem öffentlich erklärt, warum Facebook wie handelt – und dafür einsteht. Also einen Chefredakteur.

Falls sich die Vertreter der alten Medien an diesem Titel stören: Es darf auch gerne eine Oberste Community-Beauftragte oder ein mehrköpfiger Inhalte-Beirat sein. Das wird den Job nicht leichter machen. Aber Facebook darf seine Rolle als Meta-Medium nicht weiter klein reden und bei Fragen mauern. Facebook muss endlich Transparenz und Verantwortung zeigen.

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ZAPP | 14.12.2016 | 23:20 Uhr

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