Stand: 04.09.2015 11:19 Uhr

Facebook: Die ersten "Instant Articles" sind da

von Daniel Bouhs

Fünf Sekunden sind in der "Wir haben doch keine Zeit"-Gesellschaft eine gefühlte Ewigkeit. Entsprechend nervig ist die Ladezeit, wenn User auf ihrem Smartphone über ein Facebook-Posting auf die entsprechende Website geführt werden. Eine Verkürzung der Ladezeit und ein besseres Lesererlebnis verspricht Facebook mit "Instant Articles", bei dem die Publisher die Inhalte direkt bei Facebook einbinden. Der Praxistest eines Nutzers mit einem "Instant Article" von "Bild" belegt die Vorzüge. Nun experimentiert auch "Spiegel Online" damit – noch für einen begrenzten Nutzerkreis, doch für besonders Neugierige hat Social-Media-Mann Torsten Beeck den ersten "Instant Article" seiner Redaktion einfach abgefilmt.

Bislang tüftelt Facebook nur mit neun "Start-Partnern" an seinem neuen Modell. Neben Marken wie der "New York Times" und "National Geographic" sind hierzulande "Bild" und "Spiegel Online" dabei. Publizieren sie eine Geschichte als "Instant Article", dann erscheint auf Facebook der gesamte Text. Für den Nutzer ist das zweifellos eine praktische Sache. Um an die Geschichte zu kommen, muss er sich nicht mehr erst auf das Mobilportal des jeweiligen Mediums leiten lassen. Facebook zieht also das Tempo beim Medienkonsum ordentlich an. Die große Frage ist: Wer hat am Ende wirklich etwas davon - Facebook, die Medien oder tatsächlich beide, wie das soziale Netzwerk beteuert?

"Instant Articles" in der Branche umstritten

Interview
03:13 min

"FAZ": "Wir werden erst mal zuschauen"

NDR Fernsehen

Die "FAZ" fürchtet bei Instant Articles die Abhängigkeit von Facebook und hält sich deshalb vorerst zurück. Warum, erklärt Digital-Chef Matthias Müller von Blumencron im ZAPP-Interview. Video (03:13 min)

Den Vorteil für die Medienhäuser bezweifelt jedenfalls manch einer in der Szene, allen voran der Digitalchef der "FAZ", Mathias Müller von Blumencron. Als die neue Liaison von Facebook und traditionellen Publishern bekannt wurde, hatte er ZAPP bereits gesagt: "Wenn ich für Facebook schreibe und der Link nicht mehr da ist, dann ist das Schaufenster ganz, ganz weit weg." Mit anderen Worten: Einzelne Geschichten würden auf Facebook vielleicht gut gelesen, aber das ganze Paket, das eine Redaktion zusammenschnürt, steuert so niemand mehr an. Seine Redaktion habe "lange und wirklich offen" darüber diskutiert, ob sie sich an Facebooks Modell beteiligen sollte, und habe sich entschieden, "erst mal zuzuschauen".

Seiner Redaktion sei allerdings auch bewusst, dass sich "zukünftige Leser" morgens vor allem bei Facebook orientieren. "Wenn wir dort überhaupt nicht mehr stattfinden, haben wir natürlich auch weniger Möglichkeiten, junge Leser damit zu berühren, was wir eigentlich machen - nämlich glaubwürdigen, hochwertigen Journalismus", sagte Blumencron, der wiederum bei einer Digital-Initiative vom Netz-Giganten Google bereitwillig mitmacht.

Facebook will Partner an Werbeeinnahmen beteiligen

"Spiegel Online"-Mann Beeck verteidigt hingegen im ZAPP-Interview die Zusammenarbeit mit Facebook. Seine Redaktion wolle nun mal lernen, wie sie Inhalte auf andere Plattformen bringen könne, neue Nutzer ansprechen, zusätzliche Reichweite und "im Idealfall" auch noch Geld damit verdienen. Beeck sprach von einem "großen Spielplatz" und betonte: "In dem Moment, wo wir auf Facebook selbst die Vermarktung übernehmen, haben wir beide etwas davon."

Tatsächlich hat Facebook angekündigt, seinen Medien-Partnern einen Großteil der Werbeeinnahmen abzugeben, die das Unternehmen im Umfeld der "Instant Articles" generiert. Wer will, der soll sich sogar selbst um Werbung kümmern und die kompletten Werbeeinnahmen einstreichen können.

Abhängigkeit von Google wird kleiner

Und auch sonst warb Beeck für Verständnis dafür, dass sein Haus mit Facebook kooperiere. Wer "Spiegel Online" und Co. vorwerfe, nun in die Abhängigkeit zu marschieren, habe die Mechanismen "gar nicht" verstanden: "Wir sind schon zu einem gewissen Grad abhängig", erklärte Beeck. Bereits jetzt käme "ein durchaus signifikanter Anteil der Nutzer von externen Plattformen. Allein: Zuletzt seien einige Angebote noch von Google abhängig gewesen. Dass sich Facebook nun ebenfalls um Inhalte bemühe, sorge doch dafür, dass sich solche Abhängigkeiten verteilten.

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