Stand: 22.04.2015 15:43 Uhr  | Archiv

Exklusiv: IT-Konzerne umgarnen Journalisten

von Daniel Bouhs
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Soll für den Konzern der nächste Hit werden: die Apple Watch.

Das neue Smartphone, die neue Computer-Uhr: IT-Konzerne suchen für ihre Neuerungen die mediale Aufmerksamkeit, Journalisten wiederum Hightech-Geschichten. In diesem Geschäft umgarnen viele Konzerne die Berichterstatter: Sie laden Journalisten zu Produktshows und Messen nach Übersee ein und übernehmen dabei nur allzu gerne gleich die Reisekosten.

 

Exklusiver Zugang hat seinen Preis

Handverlesenen Journalisten bieten sie zudem einen exklusiven Zugang zu Testgeräten - wenn die sich im Gegenzug verpflichten, so lange zu schweigen, wie das der Hersteller wünscht. Damit das auch wirklich klappt, drohen einige Konzerne in ihren "Verschwiegenheitsvereinbarungen" gar hohen Strafen an - bis zu 250.000 Euro.

Für Konzerne wie Samsung ist das ein Schutz vor der Konkurrenz: "Bei Produktvorstellungen mit globaler Marktrelevanz könnte Samsung durch eine vorzeitige Veröffentlichung erheblicher Schaden entstehen." Für die Journalisten heißt das aber, dass sie Kompromisse eingehen müssen - gegossen in Verträge.

Testgeräte für zwei Redaktionen

IT-Konzerne und Journalisten - wer für die Hersteller wichtig ist, wird in diesem Verhältnis gezielt hofiert. Beispiel Apple: Die neue Computer-Uhr, die Apple Watch, haben nur zwei Redaktionen in Deutschland vorab zum Test bekommen - "Spiegel Online" und "Bild". Sie dürfen jubeln: "Exklusiv!"

Alle anderen durften die Uhren nur für einen Moment auf einem Sammeltermin in den Geschäften des Herstellers fotografieren und filmen. Das Gerät für einen sorgfältigen Test mitnehmen, das durften sie allerdings nicht. Das trennt das Gros der Technikjournalisten von wenigen privilegierten.

Die Konzerne bestimmen

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Das iPhone 6: Über die Biegsamkeit des Geräts wollte Apple lieber keine Berichterstattung.

Wer für den Geschmack der Konzerne zu kritisch berichtet, der wird von ihnen mitunter auch sanktioniert. Dann droht der Liebesentzug: das Aus für Vorab-Testgeräte und der Ausschluss von den exklusiven Veranstaltungen. Für Technikjournalisten ist das ein Risiko: Nur wer früh mit dabei ist, bekommt Klicks, Käufer und Zuschauer. Damit scheint das Machtverhältnis zwischen IT-Konzernen und Technikjournalisten klar geregelt zu sein: Im Zweifel haben die Konzerne das Sagen.

Allen voran geht dabei das an den Börsen derzeit wertvollste Unternehmen der Welt: der iPhone-Hersteller Apple. Der Konzern aus San Francisco hat den Umgang mit Journalisten regelrecht perfektioniert, wie mehrere Technikjournalisten berichten: Wollen sie auf einer Produktshow für einen Foto-Vergleich etwa ein Konkurrenzgerät zücken, werden sie zurechtgewiesen - freundlich, aber bestimmt. Die Show soll eben möglichst makellos sein, damit am Ende die neuen Produkte glänzen.

Weitere Informationen

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Keine Testgeräte und keine Event-Einladungen von Apple sollen die Journalisten von "Computerbild" jetzt nicht mehr bekommen. Der Grund ist wohl ein kritisches Video. mehr

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ZAPP | 22.04.2015 | 23:20 Uhr

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