Stand: 26.05.2017 17:00 Uhr

Blattmacher geben "Spiegel Daily" kaum eine Chance

von Daniel Bouhs
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Skeptisch: Paul-Josef Raue.

Etablierte Zeitungsmacher bleiben angesichts der neuen Konkurrenz von "Spiegel Daily" erstaunlich gelassen. "Ich gebe 'Daily' nicht lange - sie kommen zu spät und haben wenig Neues darin", sagt etwa der einstige Chefredakteur von "Braunschweiger Zeitung" und "Thüringer Allgemeinen", Paul-Josef Raue, in einer ZAPP-Umfrage auf dem Europäischen Zeitungskongress in Wien, bei dem die "Daily"-Macher wiederum nicht vertreten waren. Raue, der inzwischen Verlage berät, vermutet: "Journalistisch wird da nicht viel passieren."

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Keine Angst: Michael Bröcker.
"Nicht wirklich überzeugend"

Auch der Chefredakteur der "Rheinischen Post", Michael Bröcker, äußerte sich äußerst skeptisch über die Zukunft der Digitalzeitung, die das Nachrichtenmagazin seit Mitte Mai werktags pünktlich um 17 Uhr veröffentlicht. "Eine Abendzeitung? Da gibt es viele Ideen von anderen Verlagen, die das 'Best-of' des Tages noch mal anbieten, die [aber] alle nicht wirklich überzeugend funktionieren." Seine Redaktion wolle vielmehr auf Podcasts, also Audioangebote, für Pendler setzen. "Wir schauen uns das mit Neugier an und arbeiten weiter an unseren Modellen. Angst haben wir nicht", sagte Bröcker.

Julian Reichelt, Chefredaktion "Bild"

Julian Reichelt: "Ein sehr gewagtes Projekt"

ZAPP -

Welche Chancen hat "Spiegel Daily"? ZAPP hat sich beim Europäischen Zeitungskongress in Wien umgehört.

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Auch die Chefredaktion von "Bild" ist nicht vom Tageszeitungsmodell des "Spiegel" überzeugt. Julian Reichelt sagte ZAPP zwar, er halte das Projekt inhaltlich in weiten Teilen für gelungen, er glaube aber auch, dass "ein fester Erscheinungszeitpunkt für ein digitales Produkt ein sehr gewagtes Projekt ist". Reichelt wünschte den "Daily"-Machern allerdings auch "viel Erfolg", denn: "Diese Mentalität, dass für Journalismus wieder bezahlt werden muss, ist etwas, was wir zwingend in unserem Beruf und unserer Branche brauchen."

"Nötiger Preisdruck"

Verlagsberater Raue prognostizierte allerdings auch, der "Spiegel" werde mit seinem täglichen Ableger, der deutlich unter zehn Euro im Monat kostet, "andere in die Bredouille bringen" – und das sei sogar gut: "Das, was bei den Verlagen online passiert, ist zu teuer. Man versteht nicht, warum man 30, 40 Euro im Monat bezahlen muss, um etwas Digitales zu sehen." Die Tageszeitung des "Spiegel" könne hier für den nötigen Preisdruck sorgen.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 18.05.2017 | 23:20 Uhr

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