Sendedatum: 12.03.2014 23:20 Uhr

Ad-Blocker - der Preis der Werbefreiheit

Werbung ist der Treibstoff des Internets. Viele, gerade journalistische Webseiten finanzieren sich durch die Banner und Anzeigen, die Unternehmen auf ihren Seiten schalten. Denn bezahlen wollen die User für die Inhalte nur selten. Da aber die aufpoppenden, blinkenden, sich über die Seite legenden Anzeigen viele Nutzer nerven, erfreuen sich Ad-Blocker steigender Beliebtheit. Einmal heruntergeladen blockieren diese kleinen Programme Anzeigen auf den aufgerufenen Webseiten und in Videos - sehr zum Unmut der Betreiber. Denn dadurch sinkt ihre Werbereichweite - und sie erhalten weniger Einnahmen.

Für Jens Ihlenfeld, Gründer von Golem.de, ist das ein Problem: "Wir würden gerne viel besseren Journalismus und viel bessere Inhalte für unsere Leser machen, wenn wir das finanziert bekämen." Ganze 50 Prozent der Nutzer der Webseite haben bei sich einen Ad-Blocker installiert. Dieser hohe Anteil erklärt sich dadurch, dass auf Golem.de vor allem über Technik- und Netzthemen berichtet wird, die Leser sind zum einen technikaffin und zum anderen kritisch gegenüber Online-Werbung eingestellt.

Blockieren oder Bezahlschranke?

Mittlerweile suchen Website-Betreiber nach Wegen aus dem Dilemma. Golem.de rief 2013 ebenso wie weitere deutsche Webseiten dazu auf: "Bitte schalte deinen Adblocker aus!". Tagelange Diskussionen und ein Austausch mit den Usern folgten, erklärt Ihlenfeld. Einige User folgten der Aufforderung, andere jedoch lehnen Werbung weiterhin kategorisch ab. Eine mögliche Lösung: Für diese Nutzer soll ein werbefreies Bezahlangebot geschaffen werden. Golem.de geht nicht auf Konfrontation mit seinen Usern, denn natürlich gibt es bereits technische Möglichkeiten, User mit Ad-Blocker ebenfalls zu blockieren. Das passiert zum Beispiel allen, die auf den Videoplattformen der RTL Interactive GmbH ihre Lieblingsserie online sehen wollen.

Acceptable Ads: Sinnvolle Alternative oder "Wegelagerei"?

Für eine weitere Alternative wirbt der erfolgreichste Anbieter eines Ad-Blockers selbst: "Akzeptable Werbung". In der Ad-Blocker-Software gibt es eine Liste von Unternehmen mit Werbung, die "als nicht nervend eingestuft wurde", wie es auf der Webseite heißt. So soll ein Anreiz für den Einsatz "besserer Werbung" geschaffen werden. Allerdings kamen Hinweise auf, dass große Unternehmen wie Google dafür bezahlen, dass ihre Seiten nicht gefiltert werden. Dieses Geschäftsmodell, ein Unternehmen, das Werbung blockiert, zu bezahlen, dessen eigene Werbung jedoch nicht zu blockieren, erinnert Johannes Vogel, Geschäftsführer Digitale Medien GmbH, an "Wegelagerei". Till Faida, Geschäftsführer von Eyeo GmbH, die den Ad-Blocker AdBlockPlus anbieten, sieht das anders: "Es ist ganz klar so, dass wir einen klaren Mehrwert für unseren Partner schaffen und dafür werden wir bezahlt." Da Verlage und Medienhäuser auf die Werbeeinnahmen angewiesen sind, werden die Anbieter des Ad-Blockers mit dem einen oder anderen Unternehmen ins Gespräch kommen.

Der Ursprung des Übels, wird sich wohl erst einmal nicht ändern: nervige Werbeformen im Netz.

 

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ZAPP | 12.03.2014 | 23:20 Uhr