Stand: 19.02.2013 13:03 Uhr  | Archiv

Gefährliche Engpässe bei der Feuerwehr

von Volkmar Kabisch & Alexandra Ringling

Stell Dir vor es brennt - und keiner kommt. Was wie eine Schreckensvision klingt, könnte schon bald bittere Realität sein - jedenfalls außerhalb der großen Städte. Denn hier übernimmt die Freiwillige Feuerwehr die Versorgung bei Bränden, Unfällen und Umweltkatastrophen. Neben rund 30.000 aktiven Feuerwehrmännern und -frauen der Berufsfeuerwehr, sorgen etwa eine Million Freiwillige für Hilfe an den Einsatzorten.

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Gefährliche Engpässe bei der Feuerwehr

Panorama 3 - 19.02.2013 21:15 Uhr

Die Freiwilligen Feuerwehren haben immer weniger Mitglieder. Die Folgen sind dramatisch: Weniger Personal führt im Notfall zu schlechterer Versorgung und längeren Wartezeiten.

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Alltäglicher Einsatz: Ein Carport brennt, die Freiwillige Feuerwehr verhindert das Übergreifen der Flammen.

Doch das bisher einzigartige Netz lückenloser Hilfe bekommt Risse. Immer wieder sind die Feuerwehren nicht in der gebotenen Zeit an Ort und Stelle. Oder mit weniger Einsatzkräften als gewollt. Die Feuerwehren beklagen geringer werdende Mitgliederzahlen. Die Rechnung ist so einfach wie offensichtlich: Weniger Personal führt im Notfall zu schlechterer Versorgung und längeren Wartezeiten. Eigentlich müssten die Kommunen Geld bereitstellen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Entweder, damit Berufsfeuerwehren die Aufgabe übernehmen oder um Anreize für Freiwillige zu schaffen. Doch das passiert selten. Dabei zählt im Brand- oder Katastrophenfall jede Minute. Innerhalb von wenigen Minuten kann zum Beispiel ein Gebäude im Vollbrand stehen und schließlich nicht mehr zu retten sein.

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Haus brennt bis auf die Grundmauern nieder

Das passierte auch Inga Rehbein aus Warder bei Rendsburg. Die Gastronomin wollte für Besorgungen nur kurz in die Stadt. Während ihr Mann zu Hause schläft, entzündet sich der Trockner. Innerhalb von Sekunden breitet sich das Feuer aus. Wolfgang Rehbein bemerkt den Brand, versucht ihn mit der Dusche zu löschen. Erfolglos. Er kommt gegen die Flammen nicht an. Schließlich gibt er auf, herbeigeeilte Nachbarn helfen ihm aus dem Haus. Als Inga Rehbein wieder zu Hause eintrifft, brennen ihr Haus und ihr Restaurant bereits lichterloh. Die Feuerwehr ist zwar nach wenigen Minuten vor Ort, aber weil Atemschutzgeräte-Träger fehlen, kann der Brandherd nicht adäquat bekämpft werden.

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Nicht immer sind genug Personal und die richtige Ausrüstung schnell genug vor Ort.

Noch während der Löscharbeiten meint ein Feuerwehrmann: "Wir haben einen Wochentag, Montagvormittag. Da ist es ganz schwer Personal zu bekommen. Die meisten sind zur Arbeit und wir müssen demnach hier auch umfassend nachalarmieren." Die Folge: Das Haus brennt bis auf die Grundmauern nieder. Zwar bezahlt die Versicherung anstandslos den Schaden, doch es gibt Dinge, die nicht zu ersetzen sind. "Schmuck, Bilder, Möbel, die man geliebt hat. Die gibt’s natürlich nicht zurück", erzählt Inga Rehbein.

Mitgliederwerbung bleibt häufig erfolglos

Fälle wie dieser sind bisher selten. Doch der demografische Wandel wird die Situation in Zukunft verschärfen, meinen Experten. Die meisten Bundesländer haben deshalb in den vergangenen Jahren Kampagnen gestartet, um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken. Schnupperkurse für Migranten, Straßenwerbung, Lockprämien gegen eine mehrjährige Verpflichtung bei der Feuerwehr oder Vergünstigungen in der Freizeit - die Aktionen der Kommunen und der Länder sind vielfältig - doch häufig erfolglos. Sicher ist: Brandschutz hat seinen Preis. Und den müssen Kommunen und letztlich der Steuerzahler tragen.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 19.02.2013 | 21:15 Uhr

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