Stand: 17.01.2017 18:01 Uhr

Hintergrund: Flüchtlinge in Norddeutschland

Wie haben sich die Asylbewerberzahlen in Deutschland entwickelt?

Krisen, Kriege und Armut in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Südosteuropa haben die Zahl der Asylbewerber in Deutschland in den vergangenen Jahren steigen lassen. 2016 gingen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 722.370 Erstanträge auf Asyl ein. Zwei Drittel der Antragsteller kamen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Bundesweit wurden 321.371 neue Asylbewerber registriert. Dabei nahm die Zahl der Neuankünfte im Laufe des Jahres wegen der Schließung der Balkanroute und des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei deutlich ab. Wurden im Januar noch fast 92.000 Asylsuchende gezählt, waren es im Dezember gut 16.000 Neuankömmlinge.

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In 2016 stellten 722.370 Menschen einen Erstantrag auf Asyl - so viele wie noch nie.

Im gesamten Jahr 2015 waren beim BAMF knapp 442.000 Asyl-Erstanträge gestellt worden, nach 173.000 im Jahr 2014. Allerdings waren 2015 deutlich mehr Asylbewerber nach Deutschland gekommen als die Anträge vermuten lassen: Etwa 890.000 Asylsuchende sollen laut Bundesinnenministerium 2015 neu angekommen sein. Die Menschen mussten aber oft mehrere Monate warten, um einen Asylantrag stellen zu können. Der Anstieg bei den gestellten Asylanträgen in 2016 korrespondiert daher mit den Anstrengungen der BAMF-Mitarbeiter, Rückstände abzubauen.

Lange Zeit - nämlich von 1992 bis 2008 - waren die Asylbewerberzahlen in Deutschland kontinuierlich geschrumpft. Zuvor, als Folge der Grenzöffnungen früherer Ostblockländer und der Jugoslawien-Kriege Anfang der 1990er-Jahre, waren sehr viele Menschen nach Deutschland geflüchtet: 1992 stellten fast 440.000 Menschen einen Asylantrag. Der Bundestag verabschiedete daraufhin im Mai 1993 den sogenannten Asylkompromiss. Das Grundrecht auf Asyl wurde damals eingeschränkt, mit dem Ziel, "Asylmissbrauch" zu verhindern. Ein Flughafenverfahren und die Definition sicherer Herkunftsländer und Drittstaaten erleichterten die Abschiebung offenkundig aussichtsloser Antragsteller. Zudem wurde ein Asylbewerberleistungsgesetz eingeführt, das Antragsteller schlechter stellte als einheimische Sozialhilfeempfänger. Erst seit 2008 stieg die Zahl der Asylbewerber in Deutschland wieder.

Wie viele Flüchtlinge nehmen die norddeutschen Länder auf?

Abhängig von der Bevölkerungszahl und den Steuereinnahmen nimmt jedes Bundesland unterschiedlich viele Asylsuchende auf. Das Verteilungsverhältnis wird nach dem "Königsteiner Schlüssel" ermittelt, der jedes Jahr neu festgelegt wird. Das Prinzip: Wirtschaftlich starke Länder müssen mehr übernehmen. Fast die Hälfte der Asylsuchenden in Deutschland ist in den Erstaufnahme-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg untergebracht. In Norddeutschland sind es zusammengenommen etwa 17,3 Prozent der Asylbewerber.

Wie kommen Flüchtlinge in Hamburg unter?

2016 meldeten sich in Hamburg 16.167 neue Asylsuchende. Knapp 10.000 von ihnen blieben in der Stadt. Gut 7.500 davon musste die Stadt in ihren Unterkünften unterbringen. Im Jahr 2015 hatten sich knapp 62.000 Schutzsuchende registrieren lassen. Etwa 22.000 von ihnen blieben in Hamburg. Im Herbst 2015 trafen täglich mehrere Hundert Menschen neu ein, die auch in Zelten und großen, kurzfristig zu Flüchtlingsunterkünften umgebauten Hallen untergebracht werden mussten.

Seit Mai 2015 befindet sich die Zentrale Erstaufnahme in Rahlstedt. An den 32 Standorten der Erstaufnahme gab es Ende Dezember rund 13.000 Plätze. Außerdem stehen rund 27.000 Plätze in Folgeunterkünften zur Verfügung. Mehr als 6.000 Menschen lebten Ende 2016 wegen Platzmangels noch in einer Erstaufnahmeeinrichtung statt in einer Folgeunterkunft. Neue Folgeunterkünfte sollen künftig nicht mehr als 300 Plätze haben. Darauf verständigte sich der rot-grüne Senat mit einer Volksinitiative und wendete damit einen drohenden Volksentscheid gegen Großunterkünfte für Flüchtlinge ab. Bestehende größere Unterkünfte sollen schrittweise verkleinert werden. In einige können nun auch nicht geflüchtete Wohnungssuchende einziehen. Im Dezember 2016 schob Hamburg erstmals Asylbewerber aus Afghanistan in ihr Heimatland ab.

In Hamburg brannten bereits aus unterschiedlichen Gründen Flüchtlingsunterkünfte - in Sülldorf und Hammerbrook.

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Wie ist die Lage in Schleswig-Holstein?

2016 kamen etwa 10.000 Asylbewerber in Schleswig-Holstein an. 2015 hatte das Land 35.000 Menschen aufgenommen. Viele der Flüchtlingsunterkünfte waren daher zeitweise voll oder sogar überfüllt. 2016 hat sich die Lage deutlich entspannt. Im Dezember 2016 brachte das Land 497 neue Asylsuchende unter.

Die fünf Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt, Glückstadt, Kiel, Neumünster und Rendsburg mit fast 5.900 Plätzen waren im Januar 2017 durchschnittlich nur noch zu 20 Prozent ausgelastet. Mit 45 Prozent war die Auslastung in Neumünster am höchsten. Zahlreiche Unterkünfte wurden bereits geschlossen oder sollen schließen. Für den Notfall werden Reserve-Unterkünfte vorgehalten. 2016 reisten fast 2.000 abgelehnte Asylbewerber freiwillig aus. Gut 900 Menschen wurden abgeschoben.

Unter anderem in Escheburg und Flensburg setzten Täter bereits geplante Flüchtlingsunterkünfte in Brand.

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Was sind die Besonderheiten in Niedersachsen?

Im vergangenen Jahr kamen 31.000 Asylsuchende nach Niedersachsen; 2015 waren es etwa 102.000. Damals stellten sie das Land vor einige Schwierigkeiten bei der Unterbringung. So war das Lager Friedland, das regulär 700 Plätze hat, im Sommer 2015 mit mehr als 3.000 Menschen völlig überbelegt. Viele Flüchtlinge wurden in Zelten untergebracht. Um die ankommenden Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren, verpflichtete Innenminister Boris Pistorius (SPD) per Amtshilfe "als letzte Option" kreisfreie Städte und Landkreise dazu, kurzfristig Plätze bereitzustellen. Diese Amtshilfe lief Ende März 2016 angesichts sinkender Flüchtlingszahlen aus. Von Oktober 2015 bis März 2016 diente der Bahnhof Hannover-Laatzen als Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen in Norddeutschland.

Die Landesregierung beschloss angesichts der aktuellen Zahlen, zwölf Notunterkünfte zu schließen. Fünf sollen als Reserve vorgehalten werden, um bei einem erneuten Anstieg kurzfristig für die Aufnahme gerüstet zu sein.

Mehr als 1.500 abgelehnte Asylbewerber wurden im vergangenen Jahr aus Niedersachsen abgeschoben. Knapp 8.000 Menschen beantragten Hilfen zur freiwilligen Ausreise. Etwa 5.000 Menschen sind ausreisepflichtig.

In Niedersachsen hat es bereits Anschläge auf Häuser gegeben, in denen Flüchtlinge wohnen - zum Beispiel in Salzhemmendorf, Barnstorf und Sehnde.

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Wie sieht die Situation in Mecklenburg-Vorpommern aus?

2016 haben gut 7.000 Menschen einen Asylantrag in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. Im Vorjahr waren es knapp 20.000. Der Großteil zog allerdings in andere Bundesländer weiter; nur schätzungsweise ein Viertel der Menschen blieb im Nordosten. Ende des vergangenen Jahres lebten im Land rund 7.500 Personen, die Asylbewerberleistungen erhielten.

Derzeit erfolgt die Erstunterbringung von Flüchtlingen in den beiden regulären Aufnahmeeinrichtungen in Nostorf/Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) und Stern-Buchholz bei Schwerin. Letztere hatte wegen Überfüllung in Nostorf Mitte 2015 eingerichtet werden müssen. Zeitweise lebten fast 4.000 Menschen in großen Hallen. Außerdem waren Kasernen in Basepohl und Fünfeichen bei Neubrandenburg zu Unterkünften umfunktioniert worden. Das Land hatte 2015 zwischenzeitlich mehr als 20 Notunterkünfte in Betrieb.

Mehr als 1.200 abgelehnte Asylsuchende wurden im vergangenen Jahr abgeschoben. Etwa 700 Menschen reisten "freiwillig" aus.

Auch im Nordosten gab es Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte - unter anderem auf Usedom und in Boizenburg.

Welche Rechte und Pflichten haben Asylbewerber?

Asylbewerber müssen in der Regel sechs Monate in der ihnen zugeteilten Erstaufnahme-Unterkunft wohnen. Vor der Verabschiedung des Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes im November 2015 waren es nur drei Monate. Anschließend entscheiden die Behörden, wo sie leben dürfen - häufig in Gemeinschaftsunterkünften. Laut Integrationsgesetz können die Länder den Menschen in den ersten drei Jahren einen Wohnsitz zuweisen. Grundsätzlich dürften sich die Asylsuchenden ab dem vierten Monat nach ihrer Ankunft frei durch Deutschland bewegen - Sozialleistungen erhalten sie aber nur an ihrem behördlich festgelegten Wohnsitz. Diese Wohnsitzauflage kann in Einzelfällen entfallen, beispielsweise bei einem Umzug zu Familienmitgliedern oder für einen Job.

Seit November 2015 dürfen nicht nur anerkannte Flüchtlinge, sondern auch Asylbewerber, die voraussichtlich anerkannt werden, die Integrationskurse besuchen. Laut dem im Frühjahr 2016 in Kraft getretenen Asylpakt II werden Flüchtlinge inzwischen an den Kosten für Integrationskurse beteiligt. Ihre Asylbewerberleistungen wurden dafür um zehn Euro gekürzt.

Zahlreiche Gesetzesänderungen haben es Flüchtlingen und Asylsuchenden erleichtert, in Arbeit zu kommen. Mittlerweile dürfen Asylbewerber nach drei Monaten arbeiten. Nur in Mecklenburg-Vorpommern gilt noch 15 Monate lang die sogenannte "Vorrangprüfung", bei der Asylbewerber offene Stellen nur besetzen dürfen, wenn sich kein geeigneter Deutscher oder EU-Bürger findet. Bei Praktika wird das Einkommen auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angerechnet.

Wovon leben Asylbewerber?

Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Dort soll jeder neben einem Bett auch Essen, Bettwäsche, Kleidung aus Kleiderkammern und Produkte zur Körperpflege und Hygiene sowie Reinigungsmittel erhalten. Zudem bekommen die Menschen ein Taschengeld. Für Alleinstehende beträgt der Satz 135 Euro im Monat. Jugendliche bekommen 83 Euro. Dieses Taschengeld soll laut Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz vom November 2015 möglichst komplett durch Sachleistungen ersetzt werden. Grund hierfür ist, dass die Regierung davon ausgeht, dass das Taschengeld ein Anreiz für Menschen auf dem Balkan ist, in Deutschland Asyl zu beantragen. Ihr Gesuch wird in der Regel abgelehnt. Allerdings hat bisher kein norddeutsches Bundesland auf Sachleistungen umgestellt - der Verwaltungsaufwand sei zu hoch.

Nach maximal sechs Monaten sollen die Menschen in eine sogenannte Folgeunterkunft ziehen. Auch diese wird bezahlt. Dort erhalten sie in der Regel eine Erstausstattung an Haushaltsgegenständen und Wäsche. Ansonsten müssen sie sich selbst versorgen. Alleinstehende bekommen dafür monatlich das Taschengeld von 135 Euro und eine Bedarfszuwendung von 219 Euro. Damit müssen unter anderem Nahrungsmittel und Bekleidung bezahlt werden. Sind die Asylbewerber seit mehr als 15 Monaten in Deutschland oder werden als Flüchtling anerkannt, erhalten sie den Sozialhilfesatz von 409 Euro.

Der Bundestag hatte am 1. Dezember 2016 eine Gesetzesänderung verabschiedet. Das Gesetz sah geringere Regelleistungen in Sammelunterkünften vor. Der Bundesrat hat jedoch bisher nicht zugestimmt.

Woher kommen die Flüchtlinge?

Das hängt von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt ab. Bis 1994 kamen vor allem Menschen aus europäischen Staaten - Polen, Ungarn und Rumänien - nach Deutschland. Später folgten Flüchtlinge aus Jugoslawien. 2016 kam gut ein Drittel der Antragsteller aus Syrien, gefolgt von Menschen aus Afghanistan und dem Irak.

Seit November 2015 gelten Albanien, Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten. Somit haben Anträge aus diesen Ländern in der Regel keine Aussicht auf Erfolg. Marokko, Tunesien und Algerien befinden sich nicht unter den Top zehn der Herkunftsstaaten.

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR anlässlich des Weltflüchtlingstags 2016 sind weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Ein trauriger Rekord: Noch nie sei die Zahl der Flüchtlinge so hoch gewesen. Zudem hätten sich die Gefahren auf Fluchtrouten vervielfacht. "Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht", erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grando. 40,8 Millionen Menschen seien Vertriebene innerhalb ihrer Heimatstaaten, heißt es in dem UN-Bericht. Insgesamt 21,3 Millionen Flüchtlinge hielten sich Ende 2015 in fremden Ländern auf. Und weitere 3,2 Millionen warteten im Ausland auf Entscheidungen über ihre Asylanträge.

Kommen mehr Flüchtlinge nach Deutschland als in andere Länder?

Deutschland ist für Schutzsuchende seit Herbst 2015 die wichtigste Anlaufstelle in der EU: Im dritten Quartal 2016 stellten zwei von drei Asylbewerbern in der EU ihren Antrag in Deutschland. Laut Eurostat traf die Bundesrepublik fast 120.000 der gut 280.000 Entscheidungen über Erstanträge. Eine Jahresbilanz für 2016 steht noch aus.

Auch im Vergleich zur Einwohnerzahl des jeweiligen Mitgliedsstaates übernahm Deutschland in den vergangenen Monaten den Spitzenplatz. Im dritten Quartal 2016 kamen hier 2.890 Asylbewerber auf eine Million Einwohner; gefolgt von Griechenland (1.152) und Malta (1.091). EU-weit kamen 702 Asylbewerber auf eine Million Einwohner. 2015 hatten noch Ungarn, Schweden, Österreich und Finnland vor Deutschland gelegen.

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Weltweit sind rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht.

Bis September 2016 wurden 950.000 sogenannte erstmalige Asylbewerber in den EU-Staaten registriert. 2015 waren es 1,26 Millionen, davon 441.800 in Deutschland. Ganz andere Relationen bei den Flüchtlingszahlen findet man übrigens in Asien und Afrika: Laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Türkei insgesamt mehr als 2,7 Millionen Menschen aus Syrien aufgenommen, der Libanon mehr als eine Million und Jordanien mehr als 600.000 Syrer.

Wer ist ein Flüchtling und was unterscheidet ihn vom Migranten?

Umgangssprachlich wird das Wort "Flüchtling" in Deutschland für alle Menschen benutzt, die hier einen Asylantrag stellen - also Asylbewerber sind. Jeder Ausländer, der in Deutschland Schutz vor Verfolgung sucht und nicht illegal leben will, beantragt Asyl. Das Recht auf Asyl ist in Artikel 16a des Grundgesetzes geregelt. Es steht allen Menschen zu, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden. Allerdings wird nur ein Teil der Asylbewerber auch als Flüchtling anerkannt. Anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention sind diejenigen, deren Leben oder Freiheit in ihrer Heimat aufgrund der Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung bedroht ist. In diesem Fall ist es egal, ob diese Gefahren vom Staat oder beispielsweise von einer Partei oder Organisation drohen.

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In Deutschland ist der Umgang mit Asylsuchenden im Asylverfahrensgesetz und im Aufenthaltsgesetz geregelt. Deutschland ist durch internationale Abkommen verpflichtet, Flüchtlingen zu helfen. Sie fliehen, da ihr Heimatland sie nicht schützen kann oder will. Migranten hingegen verlassen ihr Land freiwillig aus eigenem Antrieb - oft, um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Wie läuft ein Asylverfahren ab?

Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird in einer Erstaufnahmeeinrichtung der Länder untergebracht. Zuständig für die Bearbeitung von Asylanträgen ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Lehnt es den Antrag ab, muss der Betroffene meist innerhalb eines Monats in seine Heimat zurück. Ein Asylsuchender kann auch an einen anderen, zuständigen Staat verwiesen und dorthin geschickt werden.

Wird der Asylantrag anerkannt, gibt es drei verschiedene Arten von Schutz: Der Antragsteller kann als Flüchtling nach der Genfer Konvention anerkannt werden, laut Grundgesetz Asyl bekommen oder unter subsidiären Schutz gestellt werden. 2016 wurden etwa ein Viertel der Anträge abgelehnt, knapp 60 Prozent erhielt Schutz. Gut drei Prozent bekamen ein Abschiebungsverbot. Die restlichen etwa zwölf Prozent der Anträge erledigte sich aus anderen Gründen, zum Beispiel, weil der Antrag zurückgezogen wurde oder ein anderes Land aufgrund des Dublin-Verfahrens zuständig ist.

Das Asylpaket II sieht beschleunigte Verfahren für Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive in gesonderten Aufnahmeeinrichtungen vor. In sogenannten Registrierzentren sollen die beschleunigten Verfahren für Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern innerhalb von drei Wochen abgeschlossen werden. Die Bearbeitung neuer Anträge dauert nach Angaben das BAMF gut zwei Monate.

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Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Das Bundesamt ist zuständig für die Bearbeitung der Asylanträge. Es bietet auf seiner Webseite alle Informationen über Asylverfahren und Migrationsforschung. extern

Wer bekommt Asyl?

Jeder, der in Deutschland Schutz sucht, muss Asyl beantragen, sonst lebt er illegal im Land. Asyl erhalten jedoch laut Artikel 16a Grundgesetz nur politisch Verfolgte, die vom Staat verfolgt werden. Dabei muss der Betroffene in seiner Menschenwürde verletzt worden sein und dies das Ausmaß dessen überschreiten, was die Bürger in dem Staat "ansonsten allgemein hinzunehmen haben", so das Bundesamt für Migration. Asyl bekamen 2016 in Deutschland 0,3 Prozent der Antragsteller.

Als Flüchtling anerkannt wird, wer aus Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung geflohen ist. 2016 erhielten 36,8 Prozent der Asylbewerber diesen Status.

Wurde eine Person als Flüchtling anerkannt oder hat Asyl bekommen, darf sie zunächst drei Jahre lang in Deutschland bleiben. Besteht der Fluchtgrund dann noch, bekommt sie eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Zudem gibt es noch die Möglichkeit, dass die Flüchtlinge subsidiären Schutz erhalten oder nur geduldet werden.

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Subsidiär bedeutet in diesem Zusammenhang behelfsmäßig. Ist jemand weder asylberechtigt noch als Flüchtling anerkannt, kann ihm trotzdem Schutz gewährt werden. Und zwar dann, wenn in dem Staat, in den er abgeschoben werden soll "eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht" - zum Beispiel durch Folter oder die Todesstrafe. 2016 erhielten 22,1 Prozent der in Deutschland Schutzsuchenden subsidiären Schutz. 2015 waren es nur 0,6 Prozent. Menschen mit dieser Aufenthaltserlaubnis dürfen zunächst ein Jahr in Deutschland leben. Nach sieben Jahren können sie theoretisch unbefristet hier bleiben. Die Betroffenen mussten lange eine Arbeitserlaubnis beantragen, wenn sie arbeiten wollen. Dank des Asylpakets bekommen sie diese nun direkt.

Im Zuge des im Frühjahr verabschiedeten Asylpakets II wird das Recht auf Familiennachzug für alle Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz für zwei Jahre ausgesetzt. Das soll auch für Minderjährige gelten, abweichende Einzelfallentscheidungen sind aber möglich.

Geduldet werden Menschen, die ausreisen müssten, aber zurzeit nicht abgeschoben werden können: zum Beispiel wegen Krankheit, fehlender Flugverbindung oder weil sie keinen Pass haben. 3,5 Prozent des Schutzsuchenden im Jahr 2016 wurden geduldet.

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NDR Info | Aktuell | 12.10.2016 | 08:08 Uhr

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