Stand: 25.04.2017 16:23 Uhr

W20-Gipfel ist von der Realität weit entfernt

Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft gab es am Dienstag in Berlin einen W20-Frauengipfel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lud Frauen aus den großen Industrienationen ein, um über den Stand der Gleichstellung im Wirtschaftsleben auf der Welt zu beraten. Auch US-Präsidententochter Ivanka Trump kam nach Berlin. Doch was bringt der Leistungsvergleich auf höchster Ebene? Hat der Gipfel das Leben und Arbeiten von 3,8 Milliarden Frauen auf dem Globus im Blick?

Ein Kommentar von Peter Mücke, NDR Info

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Viel Glamour, wenig Realitätsnähe - so sieht Kommentator Peter Mücke das W20-Treffen in Berlin.

Eines muss man Angela Merkel lassen: Ihre Entscheidung, Americas First Daughter Ivanka Trump nach Berlin zur W20-Konferenz einzuladen, war ein kluger Schachzug, hat sie doch der sonst eher zähen Veranstaltung ein wenig Glamour und vor allem jede Menge Aufmerksamkeit gesichert. Da macht es dann auch nichts, dass die Tochter und Beraterin von US-Präsident Donald Trump inhaltlich eher wenig beizutragen hatte.

Die Lebenswirklichkeit sieht anders aus

Das Thema der Diskussionsrunde: Wie kann man mehr Frauen motivieren, sich als Gründerinnen selbständig zu machen? Ob da Ivanka Trump, die nicht nur Beraterin ihres Vaters, sondern auch Unternehmerin in Sachen Mode, Schmuck und Wellness ist, als Vorbild dienen kann, sei dahingestellt. Immerhin hat sie sich in den USA für bezahlten Mutterschutz und Steuererleichterungen für Kinderbetreuung stark gemacht.

Man muss nicht so weit gehen wie linke Kritikerinnen, die im Zusammenhang mit dem Treffen von einem "Business-20-Gipfel der Karriere-Feministinnen" reden. Aber die Themen der zweitägigen Konferenz sind doch reichlich elitär und haben wenig mit der Lebenswirklichkeit von Frauen - und Männern! - zu tun, die sich zwischen Beruf, Kindererziehung und Pflege der Eltern aufreiben.

Themen werden es nicht auf die G20-Bühne schaffen

Immerhin machte die Kanzlerin auf dem Podium den interessanten Vorstoß, einen Kapitalstock bei der Weltbank anzusiedeln, um Frauen in Entwicklungsländern zu ermöglichen, Kredite für ihre Selbständigkeit in Anspruch zu nehmen. Mit Mikrokrediten speziell für Frauen sind in Entwicklungsländern gute Erfahrungen gemacht worden. Frauen könnten besser und lebensnäher wirtschaften, so die Kanzlerin.

Offiziell dient das W20-Format dazu, die wirtschaftliche Lage von Frauen und ihre Stellung am Arbeitsmarkt zu verbessern. Diese Themen sollen dann auch in den G20-Gipfel eingebracht werden, zu dem sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer im Sommer in Hamburg treffen. Dann ohne Americans first Daughter, aber mit ihrem Vater Donald Trump und solchen Staatslenkern wie Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan. Allein das lässt ahnen, welche Rollen Frauenthemen auf der großen Bühne dann spielen werden. Keine.

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Ivanka Trump ist in Berlin. Sie nahm mit Kanzlerin Angela Merkel am W20-Gipfel teil. Wie viel Einfluss hat Ivanka eigentlich auf den US-Präsidenten? Mehr auf tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 25.04.2017 | 17:08 Uhr