Stand: 22.09.2017 16:56 Uhr

Illegale Autorennen: Härtere Strafen sinnvoll

Immer wieder haben in den vergangenen Jahren Unfälle mit Todesopfern und Schwerverletzten bei illegalen Autorennen für Entsetzen gesorgt. Zuletzt wurde im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach ein 38-jähriger Fußgänger überfahren und tödlich verletzt. Die Politik will nun mit härteren Strafen illegale Autorennen verhindern. Der Bundesrat hat grünes Licht für eines Gesetzesverschärfung gegeben, die künftig Strafen bis zu zehn Jahren Haft vorsieht. Bisher konnten illegale Autorennen von den Behörden lediglich mit Bußgeldern und Fahrverboten bestraft werden.

Ein Kommentar von Claudia Venohr aus der NDR Info-Rechtsredaktion

Bild vergrößern
Claudia Venohr aus der Rechtsredaktion von NDR Info befürwortet härtere Strafen für illegale Autorennen.

Na, endlich! Es war höchste Zeit, dass der Staat Flagge zeigt im Kampf gegen die kriminelle Raserei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl wurde nun die Reißleine gezogen. Aber, auch das sei festgehalten, nicht der Bundesregierung, sondern den Ländern im Bundesrat ist diese Gesetzesinitiative zu verdanken. Denn in Köln, Berlin, Frankfurt oder Hamburg schrillten bei den Sonderkommissionen der Polizeikommissariate zur Bekämpfung illegaler Autorennen schon längst die Alarmglocken. Und vor allem die Bürger haben ein Recht darauf, vor solchen, mitunter tödlichen Angriffen im Straßenverkehr geschützt zu werden.

Härtere Strafen dringend erforderlich

Ob härtere Strafen und scharfe Gesetze eine abschreckende Wirkung erzielen, wird immer wieder bezweifelt. Häufig auch zu Recht. In diesen Fällen sind drastischere Sanktionen jedoch sinnvoll und dringend erforderlich. Warum? Weil diese Testosteron-gesteuerten Beschleunigungsraser bisher meist viel zu billig davon kamen. Im Regelfall, wenn nur aus Zufall nichts Schlimmeres passierte, war es eine Ordnungswidrigkeit, mit 200 Sachen statt der erlaubten 50 durch die Städte zu kacheln. Geahndet mit einem Bußgeld, einem kurzen Fahrverbot, zwei Punkten in Flensburg. Das war's. Verursachten die Kamikaze-Fahrer sogar den Tod eines Menschen, wurden meist nur Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung verhängt.

Illegale Autorennen künftig ein Verbrechen

Mit dem Rechtsempfinden der Bevölkerung ist das schon lange nicht mehr vereinbar. Dass das Landgericht Berlin die sogenannten Kudamm-Raser wegen Mordes verurteilte, ist die absolute Ausnahme - und das Urteil ist auch noch nicht rechtskräftig. Künftig riskiert schon eine zweijährige Freiheitsstrafe, wer bloß an illegalen Autorennen teilnimmt oder sie veranstaltet. Kommt es beinahe zum Unfall, drohen fünf Jahre Gefängnis. Ganz gleich, ob aus Dominanz-Gehabe oder Nervenkitzel Menschen verletzt, ihr Leben zerstört oder sie gar getötet werden: Rechtlich wird es künftig als das qualifiziert sein, was es ist: ein Verbrechen. Mindestens ein Jahr bis zu zehn Jahre Haft drohen.

Tätern fehlt jedes Verantwortungsgefühl

Gleichzeitig verlieren die Raser ihre vermeintlichen Heiligtümer. Ihre tödlichen Geschosse werden eingezogen, selbst dann, wenn sie ihnen nicht gehören und nur geliehen sind. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen. Und auch der Führerschein kann auf Jahre - im Einzelfall sogar für immer - abgenommen werden. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass jemand den Adrenalin-Kick illegaler Autorennen braucht, um sein Selbstwertgefühl aufzumöbeln. Erbärmlich! Da müssen Psychologen ran. Es ist deshalb gut zu wissen, dass Menschen, die jeden Respekt, jedes Verantwortungsgefühl gegenüber anderen vermissen lassen, samt ihren Höllenmaschinen jetzt jederzeit aus dem Verkehr gezogen werden können.

Weitere Informationen

Kopf hoch. Das Handy kann warten.

N-JOY

Achtung, Lebensgefahr! Wer am Steuer eine Nachricht tippt, fährt, als ob er 1,1 Promille intus hat. Studien und schockierende Videos zeigen die unterschätzte Gefahr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 22.09.2017 | 17:08 Uhr