Sendedatum: 29.01.2016 07:50 Uhr

"Aussetzung von Familiennachzug ist ein Drama"

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Katrin Göring-Eckardt befürchtet, dass die Regelungen im Asylpaket die Integration von Flüchtlingen hindern.

Die Große Koalition hat ihren Streit über das sogenannte Asylpaket II beigelegt. Bund und Länder einigten sich dabei auf zwei wesentliche Punkte: Algerien, Marokko und Tunesien werden als sichere Herkunftsländer eingestuft. Außerdem dürfen Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus erst nach zwei Jahren Familienmitglieder nachholen. Letzteres bezeichnete Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, im Interview auf NDR Info als "Drama".

Göring-Eckardt befürchtet Verzögerungen bei der Integration

Die Grünen-Politikerin befürchtet verheerende Konsequenzen durch die jüngsten Beschlüsse. Asylbewerber hierzulande würden stark verunsichert, zudem könnten mehr Frauen und Kinder sich dadurch auf die unsicheren Fluchtrouten per Boot über das Mittelmeer begeben. Drittens könnte diese Maßnahme bedeuten, dass die Integration nicht losgehe: "Wenn jemand hier alleine ist und seine Familie in Aleppo weiß, der wird sich nicht integrieren oder arbeiten wollen, sondern der beschäftigt sich den ganzen Tag damit: Was ist mit meinen Kindern, was ist mit meiner Frau?", so Göring-Eckardt.

"Juristische Prüfung notwendig"

Auch an der Einstufung der Länder Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer hat die Grünen-Politikerin Zweifel. Vor einer Abstimmung über das Asylpaket II im Bundesrat hält Göring-Eckardt eine gründliche juristische Prüfung der Inhalte für notwendig. Auf die Frage, ob eine Höchstgrenze für Asylbewerber politisch sinnvoll sei, antwortete sie entschieden: "Ich plädiere dafür, die Fantasie und Energie nicht in diese Obergrenzen-Debatten zu stecken, sondern in die Frage: Wie schaffen wir die Integration?"

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NDR Info | 29.01.2016 | 07:50 Uhr