Stand: 15.07.2015 16:08 Uhr

Fürst: "Auschwitz-Urteil setzt wichtiges Zeichen"

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Michael Fürst, Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, meint, man könne beim Auschwitz-Prozess schwer von Gerechtigkeit sprechen.

Die Nebenkläger im Auschwitz-Prozess haben das Urteil gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning begrüßt. Ebenso der Landesvorsitzende der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst. Fürst sagte auf NDR Info, man könne zwar schlecht von Gerechtigkeit sprechen, bei so vielen Tausenden von ermordeten Menschen. Aber das Urteil setze ein wichtiges Zeichen, so Fürst. Er sei erfreut darüber, dass ein alter Täter vor Gericht stand. Ein gewisses Unbehagen bleibe aber, da Gröning schon früher hätte zur Verantwortung gezogen werden müssen, so Fürst.

"Urteil hat große Bedeutung für Überlebende"

Das Urteil habe für die Überlebenden und die Opfer des Nationalsozialismus eine große Bedeutung, sagte Fürst weiter. Das Landgericht Lüneburg verhängte gegen den 94-Jährigen Gröning eine vierjährige Gefängnisstrafe - wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen. Der Vorsitzende Richter sagte, es sei die eigene Entscheidung des Angeklagten gewesen, in Auschwitz Dienst zu tun. Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Fürst sagte, er glaube, es sei bereits ein Teil der Strafe Grönings, dass er sich seit Jahrzehnten seiner Schuld bewusst gewesen sei, obwohl er noch nicht vor Gericht gestellt wurde. Auch dies sei für die Opfer ein wichtiges Zeichen. Ebenso, dass Gröning seine Schuld vor Gericht eingestanden hat, erklärte Fürst.

Womöglich kein Gefängnis

Gröning hatte im Vernichtungslager Auschwitz das Geld der deportierten Menschen gezählt. In einigen Fällen war er auf der sogenannten Rampe zur Bewachung des Gepäcks eingesetzt. Ob der gesundheitlich angeschlagene 94-Jährige die Gefängnisstrafe tatsächlich antreten muss, entscheidet die Staatsanwaltschaft, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

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NDR Info | 15.07.2015 | 16:08 Uhr