Forum am Sonntag

ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?"

Sonntag, 11. Juni 2017, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Erwachsener hält Kinderhand © Fotolia.com Fotograf: Alekss

Worauf es im Leben wirklich ankommt

NDR Info -

Worauf es im Leben wirklich ankommt - das versuchen Eltern ihren Kindern Generation für Generation zu vermitteln. Aber was ist das eigentlich?

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Worauf es im Leben wirklich ankommt - Ratschläge an die nächste Generation
Von Silke Lahmann-Lammert

Bild vergrößern
Was möchte die Schriftstellerin Juli Zeh der neuen Generation mitgeben?

Alle Jahre wieder werden Schulabgänger von guten Wünschen begleitet ins Leben entlassen. Abiturreden sind wieder schwer im Kommen, ebenso die Tischreden bei Familienfeiern. Doch, kann eine Generation ihre Einsichten über das, was im Leben gut und wichtig ist, der nächsten überhaupt vermitteln? Und: Sind solche Ratschläge und Erkenntnisse bei den Jüngeren überhaupt willkommen?

Saarbrücken, 2010: Wie in jedem Jahr hält auf der zentralen Abiturfeier in der Landeshauptstadt eine Schriftstellerin die Rede. Diesmal steht die Berliner Schriftstellerin Juli Zeh am Mikrofon: "Das Abitur ist ein kurioses Zertifikat. Zum einen stellt es den kürzesten Entwicklungsroman der Welt dar: ein menschliches Lebensjahrzehnt in einer Zahl zusammengefasst. So weiß man, was Sie in den vergangenen Jahren gemacht haben: 1,3 oder 2,5 oder 3,9." 1999 sprach in Saarbrücken zum ersten Mal ein Autor vor Abiturienten. Seither ist die literarische Festrede ein fixer Programmpunkt der frühsommerlichen Abschlussfeier. Jahr für Jahr ändert sich das Publikum - und ähnelt sich doch: In den Stuhlreihen sitzen junge Männer und Frauen mit frisch gedruckten Abschlusszeugnissen und hören, was ihnen die prominenten Gäste mit auf den Weg geben: politische Analysen, persönliche Erkenntnisse, Glaubenssätze, Lebensweisheiten, Ratschläge, Empfehlungen. Einige Schriftsteller erinnern sich an die eigene Schulzeit, andere spekulieren über die Zukunft, die den Abiturienten blüht. Fast alle signalisieren ihren Zuhörern Wohlwollen und Sympathie.

Generation Y: "Vertrauen in die Zukunft"

Bild vergrößern
"Generation Y": Mona (links) und Carlotta (rechts) teilen eine WG in Berlin Friedrichshain. Mona studiert Wirtschaftsingenieurwesen und Carlotta Maschinenbau.

Es gibt aber auch Autoren, die den feierlichen Anlass für eine Generalabrechnung nutzen, wie Schriftsteller Raoul Schrott: "Viel halte ich nicht von euch. Und beneide euch auch nicht. Wenn ich nach einem Schlagwort suchen müsste, um eure Generation auf einen Nenner zu bringen, würde ich Euch Konformisten schimpfen." Die Adressaten der Verbalattacken haben mit den Schulabgängern, denen in den Vor- und Folgejahren ermutigendere Ansprachen zuteil wurden, eines gemein: Sie gehören der "Generation Y" an. So grenzen Soziologen die Gruppe ein, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurde. Wie Mona und Carlotta, die zusammen in einer WG in Berlin wohnen. Die 23-Jährige Carlotta studiert Maschinenbau. Eine Disziplin, die bis vor kurzem noch als Männerdomäne galt. Ihre Mitbewohnerin Mona ist 22 und hat sich auch für einen Fachbereich entschieden, in dem Frauen noch immer eine Minderheit sind. Den Weg wollten sie und ihre Altersgenossen nach dem Abi selbst bestimmen, erinnert sich Mona. Auch wenn sie damals noch nicht genau wussten, wohin er führt: "Nach dem Abi hatte ich das Gefühl, dass ich gerne was machen würde, was mir auch persönlich liegt. Was nicht nur mein Geldgeber ist. Ich bin auch nach dem Abi erstmal weggegangen, nach Peru, wollte einfach raus, was erleben. Und hab gar nicht groß geplant. Ich bin einfach losgelaufen und hab geguckt, wo ich hinkomme. Also Vertrauen in meine Zukunft und auch Lust darauf, sie zu erleben, wie sie kommt."

Ein Schuss Pragmatismus und Optimismus

Bild vergrößern
Der Schwerpunkt des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann ist die Generationenforschung.

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann lehrt an der Hertie School of Gouvernance in Berlin-Mitte. Einer seiner Schwerpunkte ist die Generationenforschung: "Wir haben 18.000 Studiengänge in Deutschland, das kann überhaupt gar kein Mensch übersehen. Da den Kopf nicht zu verlieren. Hier ein Muster zu finden. Am Ende irgendwie mit einem Schuss Pragmatismus und Optimismus durchzukommen, das sind die Markenzeichen der heutigen jungen Generation." Die Einteilung in Generationen mag willkürlich scheinen, sie beruht jedoch auf einer grundlegenden Erkenntnis, erklärt Hurrelmann: Alle 10 bis 15 Jahre verändern sich die Lebensbedingungen und Werte einer Gesellschaft so stark, dass sie junge Menschen anders prägen als ihre Vorgängergeneration.

Die Autorin des Features hat mit unterschiedlichen Generationen gesprochen und ganz verschiedene Stimmen gesammelt. Für die ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" forschen wir nach: Welche Werte geben wir an die nächste Generation weiter? Woran glauben wir im Leben und trägt das auch unsere Kinder?