Forum am Sonntag

Gamen gegen das Vergessen

Sonntag, 23. April 2017, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Senioren beim digitalen Training mit der Memore-Box. © BARMER GEK Hamburg

Gamen gegen das Vergessen

NDR Info - Forum am Sonntag -

Wer sagt, dass Gamen nur was für Digital Natives ist? Studien zeigen, dass Gamen gegen Vorstufen der Demenz helfen kann. Getestet wird das jetzt auch in Norddeutschland.

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Wie Computerspiele medizinisch eingesetzt werden
Von Nicole Ahles

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Spielkonsole im Altersheim - eine Therapie, die zukunftsweisend sein könnte.

Für viele Eltern sind sie des Teufels: Videospiele, mit denen ihre Kinder sich stundenlang beschäftigen können. Jetzt sollen genau diese Games dementen Menschen helfen. Denn Studien haben gezeigt, dass sie die Abbauprozesse des Gehirns zumindest verlangsamen können. Das Hospital zum Heiligen Geist in Hamburg ist eines der größten Alten- und Pflegeheime in Norddeutschland. In neun Häusern können knapp tausend Senioren alleine in altersgerechten Wohnungen leben, am betreuten Wohnen teilnehmen oder in Vollzeitpflege versorgt werden.

Vorfreude und die Erwartung

Es gibt einen Krämerladen, eine Apotheke, einen Friseur, Kulturveranstaltungen und eben etliche Spielekonsolen, wie in dem Haus in dem der 89 Jahre alte Günther Wohlsing lebt. Etwa anderthalb Meter vor ihm steht ein Fernseher, darüber angebracht eine kleine Kamera und neben dem Fernseher steht eine Box - die sogenannte MemoreBox. Eine Spielekonsole speziell für Senioren entwickelt: "Das Laufen fällt mir manchmal sehr schwer. Die Beine werden müde, das schaff ich dann nicht, aber in jedem Fall hat es mir schon eine Menge gebracht - Vor allem die Freude und die Erwartung, 13 Uhr 15 ist meine Zeit, die ich hier runter gehe und dann wird gespielt!" Günther Wohlsing spielt seit zwei Monaten jeden Tag auf der Spielekonsole. Los geht’s immer mit Kegeln, danach muss er virtuell mit dem Motorrad über die Autobahn zu einem bestimmten Ziel fahren, Hindernisse tauchen auf, andere Autos und Lastwagen, die es möglichst zu überholen und nicht umzufahren gilt. Zum Abschluss fährt er durch die Straßen und muss Zeitungen oder Briefe in Kästen werfen.

Keine nette Ablenkung sondern pure Therapie

Was nach einer netten Ablenkung im Alltag des Altersheims klingt, ist pure Therapie, die zukunftsweisend sein könnte. Manouchehr Shamsrizi, Mitbegründer des Hamburger StartUp Unternehmens retrobrain, hat die Spielekonsole gemeinsam mit seinem Partner Laurin Rötzer, der selber Arzt ist und den medizinischen Hintergrund mitbringt, entwickelt. Die beiden jungen Männer sind noch keine 30, haben aber die Vision alten Menschen den Alltag freundlicher zu gestalten und ihre Gesundheit auf eine Art zu fördern, die Spaß macht, sagt Shamsrizi: "Es gibt ganz viel was man eigentlich tun müsste mit den Senioren, mit den Heimbewohnern von dem man auch weiß, dass es ihnen dabei hilft glücklich zu sein, Altersdepression zu verhindern, Stürze zu verhindern, kognitiv am Ball zu bleiben und gleichzeitig merkt man, davon wird nur ganz wenig umgesetzt, was viel damit zu tun hat, dass einfach die Ressourcen fehlen. Da gibt es bestimmte Bewegungsmuster und es gibt ärztliche Empfehlungen, das jeden Tag zehn Minuten zu machen. Nun würde ich die selbst im Leben nicht zehn Minuten am Tag machen, weil die einfach langweilig sind. Das heisst entweder, da geht dann ein Pfleger oder ein Betreuer hin und sagt zehn Minuten lang links, rechts, links, rechts - da hat dann der Bewohner keine Lust drauf und der Pfleger wenn man ehrlich ist weder die Lust noch die Zeit, oder wir finden einen Weg, dass es spielerisch umgesetzt wird."

Das Projekt mit der MemoreBox wird jetzt in Zusammenarbeit auch mit der Krankenkasse Barmer in einigen norddeutschen Alten- und Pflegeheimen getestet. Wissenschaftlich evaluiert wird das Ganze an der Humboldt-Universität in Berlin. Unser Forum am Sonntag stellt dieses Projekt vor.