Stand: 30.12.2016 12:11 Uhr

"Same procedure, James": Der Butler-Boom

"Dinner for one" ist die Silvester-Sendung seit 1963. Der bezaubernde Butler James stimmt uns auf die Neujahrsnacht ein. Doch dieser Luxus sollte nicht nur Miss Sophie zu ihrem 90. Geburtstag vorbehalten sein. Jeder sollte einen Butler haben, meint Detlev Gröning und bittet auf ein Wort.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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So einen servilen Diener wie Butler James in "Dinner for One" wünscht sich auch Detlev Gröning in seiner Glosse.

Beim Thema "Berufe im Aufwind" denkt man ja erst mal an Computerfachleute. Aber nicht minder gefragt ist zurzeit der private Butler, wie zum Beispiel der Wilfried, den ich mir für heute testweise gemietet habe.

Der war ein Schnupperangebot für einen Tag, und ich muss sagen: So ein Butler macht echt was her, und man kann ihn sogar von der Steuer absetzen. "Haushaltsnahe Dienstleistung", obwohl: Übertriebene Haushaltsnähe kann man dem eigentlich nicht vorwerfen, also in dem Sinne, dass der mal staubsaugt, einen wegbügelt oder lecker Mittagessen kocht. Das ist weit unter seinem Niveau, so jemand leitet das Hauspersonal an. Ohne Köche, Putzfrauen und Zimmermädchen ist so ein Butler wie ein Sahnehäubchen, dem die Suppe fehlt. 

Sicher, er hat mir vorhin einen Kaffee gebracht, aber den musste ich vorher selber kochen, mit Sahnekännchen, Zucker und Keks auf einem Tablett anrichten und schnell ins Wohnzimmer zurücklaufen. "Ihr Kaffee" hat er dann beim Servieren gesagt. In der Tat, meiner, nicht seiner!

Auch sonst muss ich zugeben: Mit dem dienstbaren Geist auf Augenhöhe zu kommen, ist mir leider nicht gegeben. Da muss man ganz anders agieren. Zum Beispiel mit einem schweren Kolbenfüller in einem ledernen Ordner herummalen und dann - ohne hochzugucken! -  ein souveränes "Buchen Sie mir den nächsten Flug nach Sidney" rausmurmeln. Das würde der sofort machen, vermutlich sogar First Class, aber was soll ich dann da?

Unbezahlbar ist er dafür, wenn es an der Tür klingelt. Dann macht er erst auf, mir dann Meldung über die Person, die Einlass begehrt und dann komm ich mit sowas wie: "Ich lasse bitten." Da hat er aber geguckt, unser Schornsteinfeger.

Leider ist der Wilfried nun auch wieder nicht sooo originell wie der James vom Silvesterabend - nur falls Sie jetzt denken, hier stolpert alle paar Minuten ein befrackter Zausel über einen Tigerkopf. Er verfügt nicht mal über die gallige Scharfzüngigkeit eines Martin Jente oder dieses zackig-servile Getue eines Wolfgang Völz, seinerzeit in Diensten von Graf Yoster.

Schade. Um vor seinen Gästen mit einem Butler zu reüssieren, muss der bei aller Formvollendung doch auch so eine kleine Schrulle haben. Wie bei Wolfgang Grupp, dem Trikotagen-König, der mit seinen zwölfhundert Angestellten nur in Deutschland ... naja Sie wissen schon. Dessen Butler spricht aus Globalisierungs- und Gediegenheitsgründen nur englisch, was aber nun auch nicht übermäßig beeindruckt. Latein oder Mandarin wäre da schon eine andere Hausnummer.

So, Wilfried, dieser Beitrag muss jetzt zügig ins Sendestudio - guck, und jetzt schon wieder dieses ratlose Umschauen nach einem Laufburschen. Nee, das ist nichts für mich. Mit Butler muss man letztlich doch alles selber machen.

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NDR Info | Auf ein Wort | 30.12.2016 | 18:25 Uhr