Stand: 10.11.2016 16:30 Uhr

Nach Trumps Wahlerfolg: US-Refugees welcome!

Für viele Amerika ist die Vorstellung, dass bald Donald Trump der mächtigste Mann in Washington ist, unerträglich. Sie überlegen nun auswandern. Wie wäre es mit einem Exil in Deutschland?

Eine Glosse von Michael Weidemann, NDR Info

So, die Webseiten der Einwanderungsbehörden von Neuseeland und Kanada sind unter dem Ansturm der Anfragen aus den USA beinahe zusammengebrochen! Gut, das kann bei uns nicht passieren. Denn selbstverständlich kann man sich in der  Bundesrepublik nicht einfach per Internet um die deutsche Staatsbürgerschaft bewerben. Da, liebe Amerikaner, müssten Sie sich schon bequemen persönlich bei uns vorbeizukommen! Den Seeweg würden wir allerdings eher nicht empfehlen. Dabei haben andere Volksgruppen in Not in der jüngsten Vergangenheit weniger gute Erfahrungen gemacht. Aber am nötigen Kleingeld für den Direktflug nach Frankfurt wird es bei Ihnen ja wohl nicht scheitern.

Wie beim Hurrikan Katrina

Deshalb an dieser Stelle ein paar Tipps und Hinweise dazu, was Sie unmittelbar nach Ihrer Einreise erwartet. Sie müssen damit rechnen, in der zentralen Aufnahmeeinrichtung, in der Sie zunächst untergebracht werden, eine größere Anzahl weiterer, Ihnen unbekannter Flüchtlinge vorzufinden. Viele von ihnen besitzen, (anders als Sie) lediglich noch die Kleidung, die sie am Leibe tragen. Sie kennen das vielleicht noch aus den Notunterkünften damals während des Hurrikans Katrina in New Orleans. Es folgt ein für Sie wahrscheinlich etwas irritierendes, umständliches Registrierungsverfahren. Vergessen Sie bitte nicht, dass Sie jetzt in Deutschland sind, im Mutterland der Bürokratie.

Danach werden Sie an einen Ort irgendwo in der Bundesrepublik weitergeschickt, den Sie (Achtung!) nicht selbst wählen können. Sollten Sie Afro-Amerikaner oder latein-amerikanischer Herkunft sein, weisen Sie den zuständigen Beamten bitte ausdrücklich darauf hin. Wenn Sie Glück haben, wird er Rücksicht darauf nehmen, dass bestimmte Regionen Deutschlands für Sie als Aufenthaltsort eher weniger geeignet sind.

Eine Lederhose ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll

Am Ankunftsort erwartet Sie vermutlich eine freudige Überraschung: Die Behausung, die Ihnen zugewiesen wird, dürfte große Ähnlichkeit mit dem Mobilheim aufweisen, das Sie in den Staaten zurückgelassen haben. Die Räder fehlen zwar. Aber den Standort dürfen Sie zunächst ja ohnehin nicht wechseln.

Zum Schluss noch ein paar Hinweise zu den in Deutschland üblichen Sitten und Gebräuchen: 1. Der Erwerb einer Lederhose ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Mit ihrer Kollektion an Shorts und kurzärmligen Hemden dagegen dürften Sie dem deutschen Winter auch nicht angemessen trotzen können. 2. Sauerkrautgerichte kommen hierzulande eher selten auf den Mittagstisch, und Getränke werden nur im Hochsommer mit Eiswürfeln versehen. 3. Das deutsche Bier ist, anders als Sie es aus Ihrer Heimat gewöhnt sind, auch messbar alkoholhaltig. Und schließlich 4. Eine nicht unerhebliche Anzahl ihrer Mitmenschen raucht! Sie wissen schon: So wie damals in den Schwarz-Weiß-Filmen.

Wie ein Deutscher beim Fußball jubeln

Sie werden sich schnell heimisch fühlen im alten Europa! Und wenn Sie wirklich dazugehören wollen: Besuchen Sie doch mal ein Fußballspiel! Wenn Sie dabei  im richtigen Moment mitjubeln wollen, sollten Sie allerdings eines wissen: Der Ball wird nicht über die Stange geschossen, sondern unterhalb des Tor-Querbalkens versenkt. Haben Sie das verinnerlicht, dürfen Sie sich schon fast wie ein richtiger Deutscher fühlen - und werden den Namen Donald Trump sicher schon bald vergessen haben.

Kommentar

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NDR Info | Auf ein Wort | 10.11.2016 | 18:25 Uhr