Stand: 12.09.2017 17:20 Uhr

Liebe Bayern, seid doch endlich mal zufrieden!

Es ist besser, reicher und schöner: Bayrische Politiker schwärmen in jeder TV-Talkshow und bei jeder anderen Gelegenheit, wie toll und super ihr Land ist! Das nervt langsam ziemlich! Doch was tun?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Oh, wie schön ist das Bayern-Land ...

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind die Besten im ganzen Land?" In die nächste Zeile dürfen Sie gerne Ihre Heimat einsetzen, das spielt keine Rolle, denn das Gedicht endet immer mit der gleichen Zeile: "Die da unten bei den sieben Bergen sind tausendmal besser als ihr."

Im Fernsehen trägt das Spieglein wechselnde Namen - mal heißt es Seehofer, mal Söder, mal Scheuer, aber seine Botschaft ist immer dieselbe: Wir sind die Nummer eins, unsere Wirtschaft brummt am lautesten, unsere Kinder sind die schlauesten, innen sind wir am sichersten, von außen am schönsten, die Wiesen sind grün, und unsere Flüchtlinge sind entweder weg oder sitzen bereits in Lederhosen vor der Schweinshaxe. Macht einfach alles wie wir - und es wird euch an nichts mangeln.

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Die nervenden Bayern-Streber

NDR Info

Bayerische Politiker teilen uns in jeder Talkshow mit, dass ihr Bundesland das beste der ganzen Welt ist. Das nervt langsam, findet Detlev Gröning und bittet dazu auf ein Wort.

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In den unzähligen politischen Märchenstunden des Wahlkampfes kann man da als norddeutsches Mauerblümchen schon mal auf die Idee kommen, Schneewittchen-mäßig mit Gürteln, Kämmen und Äpfeln in der bayrischen Staatskanzlei vorstellig zu werden.

Bis heute ist mir schleierhaft, was die in den Talkshows für derlei Texte erwarten. Eine Eins mit Sternchen, ein Edelweiß ins Parteibuch, fünf Euro von der Oma? Keine Ahnung, aber dafür weiß ich eines noch genau: Für solche Streberauftritte gab's früher Klassenkeile auf dem Nachhauseweg.

Aber was sollten sie machen? Unterhalb des Prädikats "Jahrgangsbeste" haben die sich ja gar nicht nach Hause getraut. Da saßen die Eltern ab einer Zwei plus auf dem Sofa wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne beim 0:2 in Hoffenheim - nämlich mit dem gleichen Gesicht, als zöge "Irma" auf direktem Wege Richtung München.

Es ist ja nichts so anstrengend wie der universelle Anspruch auf Glanzleistungen, dessen ständige Erfüllung aber - ähnlich wie in Nordkorea - wohl weniger mir als den eigenen - in diesem Falle bayrischen - Landsleuten gepredigt wird.

Und trotzdem halte ich im Stillen dagegen: Dass Bayern von Wohlstandsregionen umzingelt ist, dass eine Lehrerin in Berlin vor komplexeren Aufgaben steht als der Kollege in Hinterfotzing und eine Polizei in Duisburg wohl teurer ist als die Rosenheim Cops. Und wenn Werder Bremen auch mal 600 Millionen in seine Mannschaft steckt, dann seid ihr doch die Ersten, die den Länderfinanzausgleich verlassen.

Stattdessen sitze ich am Fernseher vor der Bayern-Hudelei und höre den letzten König von Sachsen aus mir heraus murmeln: "Macht doch euren Dreck alleene!"

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.09.2017 | 18:25 Uhr